Ein Kölner Ex-OB, der bitterlich um seine Stadt weint und Trumps Hintern bedeckt von Küssen derjenigen, die sich einschleimen: nur zwei der Motive der Wagen am Rosenmontag 2026, die Zugleiter Marc Michelske präsentierte.
Mit Tränen in den Augen sieht Konrad Adenauer als Engel aus dem Himmel hinab auf die Stadt Köln, deren Oberbürgermeister er einst war. „Wat doot ihr all met Kölle?“, so fragt er sich weinend, als sein Blick auf das Chaos aus Baustellen, Unrat und Verwahrlosung am Rhein fällt. Solche Zustände in der Domstadt zu seinem 150. Geburtstag, das hält ja keiner aus, so scheint sich „Konni“ entgeistert zu fragen.
Dies ist nur eines der vielen Motive der Persiflagewagen im Kölner Rosenmontagszug 2026, welche Zugleiter Marc Michelske knapp zwei Wochen vor dem Höhepunkt des rheinischen Fastelovends enthüllte. Insgesamt 21 Persiflagen werden diesmal im Kölner Zoch – Deutschlands größtem Karnevalsumzug – zu sehen sein. Die Motive zeigen politische und gesellschaftsrelevante Themen lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Art.
Allen Wagen gemein ist das Sessionsmotto als roter Faden. „Alaaf – mer dun et för Kölle“ lautet es und hat den Fokus damit auf die rund 200.000 Menschen, die sich im Kölner Karneval und an ganz, ganz vielen anderen Ecken der Stadt ehrenamtlich engagieren.
OB als olympischer Turner
Viele dieser ehrenamtlichen Helfer spielen sicherlich auch eine große Rolle, sollten die Olympischen und Paralympischen Spiele an den Rhein kommen. Denn um diese der Jahre 2036, 20240 oder 20244 will sich Köln zusammen mit anderen NRW-Kommunen bewerben. Diese Ambition greift das Motiv „Mer dun et för Köllympia“ mit OB Torsten Burmester als kölscher Turner zwischen Olympischer Flamme und Olympischen Ringen auf.
Nicht das Ringen um Medaillen, sondern das Ringen um Wählerstimmen spiegelt das Motiv mit der blauen Würgeschlange wider: Diese versucht, mit ihren hypnotisierenden Augen den deutschen Michel einzulullen, während sie ihn schon lange im Würgegriff hat. „Mer dun et, weil mer blauäugig sin“, lautet hier das Motto.
Küsse auf den nackten Hintern
Weniger ums Einlullen, denn eher ums Anbiedern, vielmehr noch darum, den Hintern zu küssen, geht es im Motiv „mer dun et för de jode Jeschmack“. Nun gut, der Geschmack von Donald Trumps Hintern ist womöglich diskussionswürdig, dennoch ist er bedeckt von Küssen unter anderem der FIFA, der NATO, der EU und anderer, die sich das Wohlwollen des „Königs“ der USA erschleimen wollen.
Ihr Fett ebenfalls weg bekommt das Duo Friedrich Merz und Lars Klingbeil: Der Kanzler und der Finanzminister scheinen es im „Happy Aua-Club“ als Sadomaso-Duo darauf anlegen zu wollen, ordentlich Schläge abzubekommen. Lars Klingbeil, die Zweite: Anstatt zu sparen und das Geld nicht zum Fenster hinauszuwerfen, hält der Finanzminister lieber den Hut auf, um Einnahmen zu erbetteln.
Viel, viel freundlicher gehen die Karnevalisten dagegen mit jenen um, die sie durch das Motto eh schon loben: Etwa 250 Sänger aus über 30 Kölner Chören, aus verschiedenen Veedeln und aus allen Generationen, werden dem Zoch einen ganz besonderen Auftakt schenken. Begleitet werden sie von einem rund 50-köpfigen Orchester.
„Unser Sessionsmotto findet sich im gesamten Zoch wieder, bei den Persiflagen, aber beispielsweise auch bei der Eröffnung durch unseren Ehrenamtschor“, sagt Michelske. Wir sind gespannt, was uns am Rosenmontag noch alles erwartet. (hl)