99 Schalen – ein Kosmos

Das Foto zeigt vier Schalen.
Foto Bildunterschrift: Young-Jae-Lee, Kummen, 2021 bis 2024, Copyright: HAStK/RBA, Marion Mennicken.

 

Ein stiller Dialog aus Form, Licht und Raum erwartet euch im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln: Die Ausstellung„99 Schalen – ein Kosmos“ ist vom 23. April bis zum 25. Oktober 2026 im Foyer des Museums zu sehen. Im Mittelpunkt stehen 99 handgefertigte Keramikschalen der international renommierten Keramikerin Young‑Jae Lee, die in einen sensiblen Austausch mit Architektur, Natur und Umgebung treten. Schon beim Betreten des Museums öffnet sich ein entschleunigter Denkraum, der den Blick schärft und zur konzentrierten Wahrnehmung einlädt.

Ein Ensemble aus Wiederholung und Einzigartigkeit

Die Ausstellung versammelt 99 kleinformatige Schalen, die auf den ersten Blick reduziert und nahezu gleichförmig erscheinen. Doch beim genaueren Hinsehen offenbart sich ihre Vielfalt: Jede Schale besitzt eine eigene Tonstruktur, individuelle Glasurverläufe und feine Nuancen in der Farbgebung. Serialität und Abweichung stehen hier gleichberechtigt nebeneinander – ein zentrales Motiv der künstlerischen Arbeit von Young‑Jae Lee. Der Ausstellungstitel verweist auf diese Idee eines kollektiven Kosmos, in dem jedes Einzelstück seine Eigenständigkeit bewahrt.
Präsentiert im Eingangsbereich des Museums, entfalten die Schalen ihre Wirkung im Zusammenspiel mit der besonderen Architektur des Hauses. Der Blick wandert zwischen Installation, Museumsraum, dem japanischen Innengarten sowie der angrenzenden Park- und Seenlandschaft. Tageslicht, Schatten, Wetter und Jahreszeiten verändern die Wahrnehmung der Arbeit fortlaufend. So entsteht ein raumzeitliches Gesamtkunstwerk, das sich bei jedem Besuch neu formt und zur meditativen Kontemplation einlädt.

Die Künstlerin: Young‑Jae Lee

Young‑Jae Lee, 1961 in Südkorea geboren, lebt seit ihrer Jugend in Deutschland und leitet seit 1987 die Keramische Werkstatt Margaretenhöhe in Essen. Die traditionsreiche Werkstatt, 1924 gegründet, steht in der modernen Nachfolge des Bauhaus-Gedankens. Lees Werk verbindet seit über fünf Jahrzehnten traditionelles Kunsthandwerk mit zeitgenössischem Formbewusstsein und bewegt sich souverän zwischen ostasiatischen und europäischen Einflüssen. Diese kulturübergreifende Haltung prägt auch „99 Schalen – ein Kosmos“.
Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Rahmenprogramm, das den Zugang zur koreanischen Kultur vertieft. Geplant sind unter anderem eine koreanische Teezeremonie, ein Gesangskonzert sowie ein Artist Talk mit Young‑Jae Lee. Öffentliche Führungen und Direktorinnenführungen bieten zusätzliche Einblicke in Konzept und Präsentation der Arbeit und erweitern die Ausstellung um performative und dialogische Perspektiven.