Vom 7. Mai bis zum 30. August 2026 zeigt das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt in Köln die Sonderausstellung WE ARE WHAT WE ARE NOT. Sie lädt euch ein, das Museum einmal anders zu erleben: nicht über das, was ausgestellt ist, sondern über das, was fehlt. Der Künstler und Kurator Yohannes Mulat Mekonnen richtet den Blick auf Leerstellen in der Sammlung und macht Abwesenheit selbst zum Thema. Was auf euch wartet, ist eine ebenso analytische wie poetische Ausstellung, die koloniale Museumsgeschichte hinterfragt und neue, sinnliche Zugänge eröffnet.
Wenn das Fehlende spricht
Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage, was verschwindende oder verlorene Objekte über ein Museum erzählen. Mehr als zehn Prozent der Sammlung des Rautenstrauch-Joest-Museums gelten als verschollen. Statt diese Lücken zu kaschieren, macht WE ARE WHAT WE ARE NOT sie sichtbar. Katalogeinträge, Inventarnummern und Archivspuren markieren das Abwesende – ersetzen es aber nicht. Genau hier setzt Mekonnen an und liest Abwesenheit nicht als Mangel, sondern als produktiven Ausgangspunkt.
Keine Sammlung, sondern Erfahrungen
Bemerkenswert ist: Die Ausstellung zeigt keine Objekte aus den Beständen des Museums. Stattdessen begegnet ihr Mixed-Media-Installationen, Filmen und Fotografien, die theoretische Forschung in sinnliche Erfahrung übersetzen. Eine zentrale Arbeit ist eine immersive Klanginstallation, in der gesammelte Träume hörbar werden. Sie entstand als Reaktion auf eine fehlende afrikanische Kopfstütze – keiner der Träume gehört zur Museumssammlung, und doch füllen sie den Raum mit Präsenz und Intimität.
Archiv wird performativ
Auch das Archiv selbst wird zum künstlerischen Material. Mekonnen hat gezielt nach sogenannten„essbaren Objekten“ im Archiv gesucht und daraus eine Dinner-Performance entwickelt. Damit verschiebt er die Grenzen zwischen Ausstellung, Performance und sozialem Raum. Analyse bleibt hier nicht abstrakt, sondern wird körperlich erfahrbar. Der Ansatz ist ernsthaft und zugleich humorvoll, kritisch und zärtlich.
Abwesenheit als Anfang
Die Ausstellung versteht sich ausdrücklich als Einladung: Ihr sollt Abwesenheit nicht nur betrachten, sondern neu deuten. WE ARE WHAT WE ARE NOT fragt nach Machtstrukturen, nach kolonialen Prägungen und nach der Verantwortung von Museen heute. Gleichzeitig öffnet sie Räume für neue Narrative und Perspektiven. Die rigoroseste Antwort auf Verlust kann hier auch eine unerwartete sein – leise, poetisch und manchmal heiter.