HIER UND JETZT im Museum Ludwig. De/Collecting Memories from Turtle Island
25. Juni | 10:00 – 18:00
Mit der umfangreichsten Pop Art Sammlung außerhalb der USA ist das Museum Ludwig für seinen Bezug zu den Vereinigten Staaten bekannt – einem Land, das 2026 das 250ste Jahr seiner Unabhängigkeit feiert. Im Zentrum dieser Ausstellung stehen darum zwei zeitgenössische US-amerikanische Künstlerinnen: Marie Watt und Wendy Red Star.
Die fotografischen Selbstinszenierungen von Wendy Red Star (geb. 1981) greifen auf humorvoll-satirische Weise westliche Vorstellungen von Indigenität auf und laden uns dazu ein, differenzierter hinzuschauen. “Ich gehöre zur First Nation der Apsáalooke, ich komme aus einer bestimmten Gegend, und meine Kunst ist tief in der Geschichte der Apsáalooke verwurzelt. Aber im Museum fungiert ‚Native Artist‘ nicht mehr als Beschreibung – es wird zur Schublade. […] Die Kategorie ‚Native Artist‘ verändert das Kunstwerk, noch bevor jemand es überhaupt zu Gesicht bekommt. […]“ Wendy Red Star, The Foe Manuscript (Auszug)
Marie Watt wurde 1967 in Seattle geboren, ist Mitglied der Seneca Nation und lebt heute in Portland, Oregon. In einigen indigenen Traditionen heißen die Amerikas, oder auch die Welt als Ganzes, Turtle Island. Diese individuellen Schöpfungsgeschichten werden von Generation zu Generation mündlich überliefert.
„De/Collecting Memories from Turtle Island“ lädt uns dazu ein, Erinnerungen und gesammelte Bilder, Werke wie mentale Repräsentationen, zu überdenken und zu überschreiben.
Ausgangspunkt ist ein 2024 vom Museum Ludwig erworbenes Konvolut kitsch-bunter Fotochrome der Detroit Publishing Company. Viele der um 1900 produzierten Bilder gehen auf frühere Schwarzweißfotografien von William Henry Jackson zurück. Es sind oft die ersten Fotografien aus Gegenden, die heute weltweit als touristische Attraktionen bekannt sind: der Yellowstone Nationalpark etwa, oder der Grand Canyon. Die Fotochrome dienten als Wanddekoration oder Postkartenmotive und wurden in einer Auflage von bis zu sieben Millionen Exemplaren pro Jahr verkauft. Sie zeigen moderne Großstädte und weite Landschaften – auffällig menschenleere Landschaften.
Diese an den Rändern der Kunst entstandenen Fotografien prägen das Bild der USA für viele Menschen bis heute. Die Ausstellung setzt da an, wo die Postkartenmotive enden, bei dem, was sie nicht erzählen. Die vermeintlich unberührte Natur war Heimat vieler Menschen und Nationen – lange bevor die ersten Europäer*innen ankamen, Indigene Menschen unterdrückten und vor 250 Jahren die USA gründeten.
Die Bilder der Detroit Publishing Company neu zusammenzubringen mit zwei Positionen zeitgenössischer Indigener Künstlerinnen ist ein Versuch, den Blick auf die Konstruktion von Narrativen und das, was sie auslassen, zu schärfen. Es ist die Einladung, sich einzulassen auf multiple Erinnerungen und Vorstellungen von Turtle Island. Die Ausstellung ist Anlass, um die eigene Sammlung um Stimmen und Perspektiven der Indigenen Völker Amerikas zu ergänzen.
INFO zu den Öffnungszeiten
Von Freitag bis Sonntag (inkl. Feiertage) geöffnet von 10 – 20 Uhr (die Ständige Sammlung schließt um 18 Uhr).
Jeden ersten Donnerstag im Monat geöffnet von 10 – 22 Uhr (Langer Donnerstag/KölnTag).