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111 Kölner Orte

Opel Kapitän in Zement: ein Auto aus Beton am Hohenzollernring

Er steht auf einem Mittelstreifen und nimmt niemandem einen Parkplatz weg: Der einbetonierte "Opel Kapitän" des Künstlers Wolf Vostell am Hohenzollerring. 1969 wurde das alte Fahrgestell bei laufendem Motor und Radio mit grauem Baustoff überzogen, um auf den zunehmenden Verkehr in Köln aufmerksam zu machen.

"Grober Unfug ist noch zu glimpflich ausgedrückt", meinte ein Passant in der Domstraße. Und eine ältere Dame wollte wissen, ob hier denn auch ordnungsgemäß Parkgebühren entrichtet würden, bevor sie entrüstet die alte Floskel vom "Wenn das jeder machen würde ..." bemühte.

Die Aufregung der Bürger hatte eine durchaus spektakuläre Ursache: Stand doch da im Oktober 1969 ein düsterer, grobschlächtig wirkender Mann mit massivem Backenbart, der seinen wunderschönen Opel Kapitän bei laufendem Motor und Radio einbetonieren ließ.

Der gebürtige Leverkusener Wolf Vostell (1932–1998) war damals in kunstinteressierten Kreisen schon längst kein Unbekannter mehr. Seit Ende der 1950er Jahre beteiligte er sich an den ersten europäischen Happening-Aktionen, Anfang der 1960er gehörte er zu den Gründern der Fluxus-Bewegung. Und bereits zu dieser Zeit spielten immer wieder Autoteile eine Rolle in seinen Arbeiten.

Vom Alptraum zum Kunstwerk


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Die Zementierung seines Opel Kapitän, so erklärte er seinerzeit, verdanke sich ursprünglich einem Alptraum: im Autochaos unterzugehen, im Stau zu stehen und binnen Sekunden einbetoniert zu werden. Und bevor ihn dieses Schicksal ereilte, so mag man interpretieren, generierte er es lieber selbst. So für die Ewigkeit platziert, wie es zunächst schien, war der Wagen dann doch nicht.

Zunächst wanderte er von der Domstraße vor die – inzwischen abgerissene – Kunsthalle am Josef-Haubrich- Hof, um schließlich am Hohenzollernring zu stranden. Ein echter Makel, hatte Vostell seine Plastik doch mit Bedacht direkt auf einer Straße installiert. Als Teil "einer Parkreihe mit verkehrstüchtigen Autos" komme ihr die "ideale gesellschaftliche Relevanz" zu, meinte er.

Auf dem Mittelstreifen der Ringe jedoch nimmt der alte Opel niemandem einen Parkplatz weg, und der Ruhende Verkehr verliert angesichts des ihn umtosenden tatsächlichen Autoaufkommens sein kritisches Potenzial. (Foto: Britta Schmitz)

111 Kölner Orte, die man gesehn haben muss - das Beste aus Band 1 und 2

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss - Band 2" von Bernd Imgrund und (Fotos). Dieses Buch jetzt bestellen

 

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