• Home
  • Mo, 25. Okt. 2021
  • Stadtplan
  • Verkehr
  • KoelnMail
  • Newsletter
koeln.de

111 Orte: Das Drei-Kaiser-Haus

Drei Preußenregenten mitten in Mülheim

Eine kaiserliche Avenue ist sie nicht gerade, die Berliner Straße in Mülheim. Hier geht es eher bodenständig zu. Kleine Geschäfte, Kioske und Spielhallen bestimmen das Bild, und auf dem Marktplatz vor dem Kulturbunker wird hin und wieder Trödel verkauft. Aber wenn man den Blick einmal vom Parterre der Ladenzeilen nach oben lenkt, entdeckt man zuweilen Erstaunliches.

So etwa an der Fassade des Hauses Berliner Straße 46, die von einem höchst ungewöhnlichen Trifolium geschmückt wird. Erbaut wurde das Gebäude im Jahr 1888, und mit dieser Information gelangt man schon zur Lösung des bildhauerischen Rätsels. 1888 ging nämlich als das sogenannte »Drei-Kaiser-Jahr« in die Historie ein, auf das man sich alsbald sogar einen eigenen Reim machte: »Eins und dreimal acht: Drei Kaiser an der Macht.«


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
Dieses Buch jetzt bestellen

Nachdem Wilhelm I. am 9. März im Alter von neunzig Jahren gestorben war, krönte man seinen Sohn als Friedrich III. zum Deutschen Kaiser. Dieser jedoch litt unter Kehlkopfkrebs und blieb nur 99 Tage im Amt, bevor er am 15. Juni starb. Noch am selben Tag folgte ihm Friedrich Wilhelm, sein ältester Sohn, auf den Thron. Als Wilhelm II. wurde er der dritte kaiserliche Regent binnen dreier Monate. Erinnert sei auch an den zweiten Spruch, der sich mit diesen drei Herren verbindet: »Wilhelm I. war der greise Kaiser, Friedrich III. der weise Kaiser und Wilhelm II. der Reisekaiser.« Auch in Preußen hatte die Autoritätshörigkeit offenbar ihre Grenzen.

An die denkwürdigen Ereignisse jenes Jahres knüpfte man bei der Mülheimer Fassadengestaltung an. Jeder der drei Fensterstürze über der Hofeinfahrt wird von einem der Monarchen bewacht, chronologisch sortiert von unten nach oben. Besonders gut getroffen ist Wilhelm II. im Obergeschoss: Eitel und borniert, also so, wie ihn seine Zeitgenossen beschrieben, blickt er über die Mülheimer Dächer hinweg. Wer ihn jedoch genauer in Augenschein nehmen möchte, sollte ein Fernglas zur Hand haben.

111 Kölner Orte, die man gesehn haben muss - das Beste aus Band 1 und 2

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss - Band 2" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bestellen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten

Weitere Sehenswürdigkeiten