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Glaube, Schmuggel, Stapelrecht

111 Kölner Orte: Die Nikolauskapelle

Das Grabungsfeld unter St. Severin wird völlig zu Recht als das spektakulärste ganz Kölns gehandelt. Die labyrinthische, dreischiffige Krypta mit ihrer angeschlossenen archäologischen Zone dokumentiert eine beinahe lückenlose Geschichte von zweitausend Jahren Totenverehrung und Begräbniskult.


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Ihre Entstehung verdankt sie einem Service der katholischen Kirche: Den Westhovener Gläubigen sollte der lange Weg nach Deutz erspart werden.

Und so errichtete man jenen kleinen Saalbau mit weiß verputztem Tuff- und Kieselmauerwerk, nach oben hin abgeschlossen durch einen Fachwerkgiebel. Nur selten verirren sich Fußgänger hierhin, ist die Kapelle doch vom Fluss aus kaum zu sehen. Man muss schon die Böschung erklimmen und ein paar Meter den Pfarrer-Nikolaus-Vogt-Weg hochschlendern, um hier zu landen.

Belohnt wird der Besucher sodann mit einem Ort der Stille und Beschaulichkeit, eingefasst von einem kleinen Friedhof. Jahrhundertelang wurden die Gottesdienste nicht nur von Westhovenern, sondern auch von durchreisenden Kaufleuten und Rheinschiffern besucht. Schließlich gilt der heilige Nikolaus seit dem 9. Jahrhundert als Schutzpatron der Seeleute.

Dem Zulauf förderlich war vor allem das 1259 eingeführte Kölner Stapelrecht. Es besagte, dass sämtliche Waren abgeladen und für drei Tage linksrheinisch zum Verkauf angeboten werden mussten. Um diese Schikane zu umgehen, ließ mancher Kaufmann sein Schiff bereits im Zündorfer Hafen entladen und die Handelsgüter sodann auf dem Landweg nach Mülheim befördern.

Unterwegs konnte er seine Geschäfte in der Nikolauskapelle segnen lassen. Schmuggelei war auch das Motiv der französischen Besatzungstruppen (1794–1814), sich in Westhoven zu engagieren. Um ein freies Sicht- und Schussfeld auf den Rhein zu schaffen, wurde der Ort beinahe komplett abgerissen. Die kleine Kapelle jedoch überlebte den Kahlschlag.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bestellen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.

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