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Langer Beifall für "Woyzeck"

Vor und zurück: vom Leben auf dem Fließband

Woyzeck (Sean McDonagh) ist hilflos seinem Schicksal ausgeliefert. Im Hintergrund stehend Marie (Ines Marie Westernströer). Foto: Tommy hetzel / Schauspiel

Von Jürgen Schön

Am Ende bringt er seine Geliebte um, ihre Leiche verschwindet im Nichts, und er bleibt allein zurück im Dunkeln. Therese Willstedt bringt im Kölner Schauspiel eine sehr eigenwillige Inszenierung von Georg Büchners „Woyzeck“ auf die Bühne und erntet damit verdienten langen Premierenapplaus.

Spartanisch ist die Inszenierung, verzichtet konsequent auf Requisiten, auf zahlreiche Nebenrollen und folkloristische Zugabe, wie sie sonst oft üblich sind. Und wirkt dafür um so eindrucksvoller. Nicht zuletzt durch die Musik (Emil Assing Hoyer), zu Beginn anschwellende Streicher, dann immer wieder wummernde Trommelschläge und Bässe bis an die Schmerzgrenze.

 

Zwei weiße Wände schließen die Bühne rechts und links ab, laufen nach hinten wie ein Trichter zusammen (Bühnenbild: Marten K. Axelsson). Daraus ragt ein schwarzes, langsam vor und zurückrollendes Fließband. Es spuckt Menschen aus, trägt sie bis zum Abgrund und verschluckt sie wieder. Wer auf ihm steht, kommt letztlich nicht voran. Erst recht nicht, wenn es im Laufe des Abends immer steiler wird.

Auf ihm versucht der einfache Soldat Franz Woyzeck sein Schicksal zu bestimmen, die gequälte Kreatur, die ein guter Mensch sein will und von Wahnvorstellungen geplagt wird. Sean McDonagh spielt ihn: eine hagere Leidensgestalt, mit hoher, brechender Stimme und verklärtem Blick, mitleiderregend in seinem Kampf, sich im Leben zurechtzufinden. An seiner seiner Freund Andres (Justus Maier): ein junges Bürschchen, sympathisch naiv, liebevoll bemüht, aber hilflos, wenn es gilt, Woyzeck in die „Realität“ zu holen.

Menschen wie Labormäuse 

Hilflos auch gegen die drei Mächtigen, die in Woyzecks Leben eingreifen, es manipulieren und bestimmen. Da ist der Hauptmann (Robert Dölle): ein Möchtegernphilosoph, hinter dessen Jovialität sich Macht und Lust an der Unterdrückung verstecken. Dann der Doktor (Jörg Ratjen), der an Woyzeck eine krank machende Erbsendiät testet: ein Irrer mit strähnigem Haar und glasigem Blick, die bitterböse Karikatur eines Wissenschaftlers, für den Menschen nicht mehr als Labormäuse sind.

Schließlich der Tambourmajor (Simon Kirsch): ein selbstverliebter, schneidiger Soldat, glänzende Lederstiefel und Breeches betonen seine aufgesetzte martialische Männlichkeit. Vor allem Woyzecks Widersacher im Kampf um die Gunst von Marie. Mit der lebt Woyzeck schon seit zwei Jahren zusammen, haben einen gemeinsamen Sohn, um den sich der Vater liebevoll kümmern will.

Doch Marie (Ines Marie Westernströer) ist der Geliebte nicht mehr genug. Sie will mehr im Leben. Im schlabbrigen Wollpullover steht sie da, darunter blitzen die Strapse für die tief hängenden Strümpfe hervor. Eine plumpe Geilheit, mit der sie Liebe, Glück und Aufstieg locken will. „Rühr mich an! Lass mich!“, fleht sie den Tambourmajor an. Und wirft sich immer wieder verzweifelt an die Wand. Und als sie mit Woyzeck das wohl wohl erste ernste Gespräch ihrer Beziehung führt, ermordet er sie.

Am Ende steht ein dichter Theaterabend, der dem Publikum über nur 90 Minuten kein Entkommen lässt. Das befreit sich aus der Beklemmung mit langem Applaus für alle Beteiligten – allen voran das konzentriert spielende Bühnen-Sextett.

„Woyzeck“ – die nächsten Vorstellungen: 5., 21., 28. und 29. April, jeweils 19.30 Uhr. Schauspiel Köln, Depot 1 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße.

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