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New Model Army im Palladium

Weihnachtskonzert mit kantigen Krachern statt süßer Klänge

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Knallharte Kritik, provozierende Politikparolen - das Weihnachtskonzert von New Model Army hatte nichts von Spekulatius und süßem Glockenklang. Mit den Punkurgesteinen Slime im Schlepptau ging es derbe zur Sache.

Es herrscht kein Friede, keine Freude, kein Eierkuchen bei diesem Weihnachtskonzert. Adventsstimmung und Beschaulichkeit bleibt aus. Denn wenn New Model Army in Köln wenige Tage vor Heiligabend ihr traditionelles Weihnachtskonzert geben, wird politisiert, Sozialkritik geübt und gesellschaftliche Missstände angeprangert. Das war am 15. Dezember nicht anders, als die Nordbriten um Sänger und Frontmann Justin Sullivan im Palladium aufspielten. Nein, es war sogar noch eine Spur kantiger, extremer; denn im Vorprogramm traten Slime auf, die deutschen Linkspunkikonen, die textlich kein Blatt vor den Mund nehmen, harsche Kritik über alles und jeden hereinprasseln lässt.

Beißende Kritik und derbe Parolen

Seit 1979 singen Slime - mit einer 15-jährigen Unterbrechung von 1994 bis 2009 - über Schweinebullen, wettern gegen die Staatsmacht, echauffieren sich über das "Nazipack" und provozieren lyrisch wo sie nur können. Mit dem Erfolg, dass einige Titel, so wie zum Beispiel "Deutschland muss sterben (… damit wir leben können)" auf dem Index landeten. Was aber die Band, allen voran Sänger Dirk Jora, nicht daran hindert, genau dies den etwa 3.000 Zuschauern in knallharter Punkmanier um die Ohren zu pfeffern. Nicht nur in den Texten gehen Slime provokant zur Sache, auch zwischen den Songs macht Jora keinen Hehl aus der extremen linkspolitischen Einstellung der Musiker, was aber je nach Provokation oder Ausprägung nicht bei allen Anwesenden wirklich ankommt. Da wird auch schon mal gepfiffen...

Wesentlich subtiler in ihrer Textarbeit gehen da New Model Army zur Sache. Ihre Kritik an herrschenden Verhältnissen, politischen und wirtschaftlichen Ungleichgewichten verpackt Songschreiber Sullivan wesentlich poetischer, ohne jedoch vom Kern der Sache abzulenken. Deutlich wird aber auch an diesem Abend, dass vor allem die älteren Songs der Band, die Hymne der Amerikagegner "51st State", Kriegskritik in "Spirit of the Falklands" oder das Recht auf Selbstjustiz in "The Hunt", von härterem Kaliber sind, deutlicher und direkter in ihren Aussagen sind. Nicht nur in den Songtexten, auch in seinen Ansagen kann es Sullivan sich nicht verkneifen, mal wieder auf die USA zu feuern, Absurditäten des Globalismus anzuprangern. Eine "English Bank" mitten in der Türkei, wo die Band vor kurzem auftrat, sei doch keineswegs etwas, was wirklich Vertrauen einflöße, so der 57-Jährige sarkastisch.

Deftige Songs mit mächtig Dampf 

Anders als sonst, hält sich der Frontmann aber mit allzulangen Plaudereien zurück, wirkt wortkarger als sonst. Auf seinen Gestenreichtum verzichtet er aber nicht, untermalt Liedinhalte durch Drohgebärden, verleiht Verzweiflung durch Armbewegungen Ausdruck. Musikalisch gehen er und seine vier Kumpels mit viel Dampf zur Sache, deftige Titel wie "Today is a good Day", "No Rest" oder "225" rauschen sehr druckvoll aus der Lautsprecheranlage. Hat der neue Bassist Ceri Monger, der Nelson vor wenigen Monaten nach 22 Jahren im Dienste der Band ablöste, etwa für frischen Wind gesorgt? Fast scheint es so, als wenn der langmähnige Rotschopf ein wenig wie eine Frischzellenkur wirkt. Anders als sein Vorgänger, der eher ruhig und präzise für den Rhythmus sorgte, tigert Monger hin und her über die Bühne, lässt seinen Kopf immer mal wieder in bester Headbangerattitüde kreisen.

Mit einem brandneuen Song, der zurzeit im Internet unter dem Titel "March in September" seine Runden dreht, gaben New Model Army einen ersten Vorgeschmack auf das kommende Album, das im Frühjahr 2013 erscheinen soll. Mit "I love the World", laut Sullivan ein guter Song, um ein Konzert zu beenden, verabschiedeten sich die Briten nach über einer eindreiviertelstunde mitreißender Bühnenaktivität, der zum Schluss hin jedoch etwas die Luft auszugehen schien.

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