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Amphi-Festival 2012

Nebel, offene Wunden und Bühnenverwüstung

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Zwei Tage lang feiert die Schwarze Szene beim Amphi-Festival im Tanzbrunnen. Mit viel Nebel bei The Sisters Of Mercy, einer verwüsteten Bühne bei Combichrist und Wikingeratmosphäre bei Corvus Corax. Mit viel Spitze, Kunstblut oder Ketten und Netzen bei den Besuchern - inklusive reichlich Entspannung.

Im Tanzbrunnen, wo sonst Familien beim Blumen- und Gartenmarkt flanieren, wo Kölschfans zu Klängen von Bläck Fööss oder Brings schunkeln, ist einmal im Jahr nichts von alledem zu spüren. Dann, wenn das Kölner Pendant zum M'era Luna in Hildesheim oder dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, das Amphi-Festival, das Jahrzehnte alte rechtsrheinische Freizeitareal in einen Treffpunkt der sogenannten "Schwarzen Szene" verwandelt. So wie dieses Jahr am 21. und 22. Juli.

Die Bands am Samstag

Schwarz war, wie seit 2006, als das Amphi-Festival erstmals in Köln Station machte, auch 2012 die alles überwiegende Farbe der Kleidung der 32.000 Besucher der beiden tage. Doch immer wieder war das Meer der dunkel Gekleideten mit farbenfrohen Tupfern versehen: Von Neongelb über -grün bis zu -orange oder in den verschiedensten Pastelltönen; Cybergoths- und punks greifen gerne mal auf Andersfarbiges zurück und wer Katzenohren in Babyblau in sein Kostüm integriert, hat sich von japanischen Mangas inspirieren lassen.

Dichtes Gedränge, offene Wunden

Das Thema Steampunk, welches besonders im Vorjahr bei vielen Besuchern angesagt war, war nur sehr, sehr vereinzelt auszumachen. Dafür lief reichlich Kunstblut über Gesichter oder Körper, ganz Geschickte hatten sich mit kunstvoll gestalteten offenen Wunden versehen. Was vielfach also wüst aussah, war aber keineswegs wüst - wie nahezu alle Treffen der "Schwarzen Szene" war auch das Amphi geprägt von entspannter Atmosphäre. Trotz zur Nachmittagszeit dichten Gedränges vor den zwei Bühnen und auf der Händlermeile war nicht eine Handgreiflichkeit an der Tagesordnung, Höflichkeit war das Gesetz der Stunde.

Video: Düster bis skurril - Amphi-Festival 2012

Wo es allerdings heiß her ging und so manches Mal Tohuwabohu herrschte, war auf den Bühnen selbst - sowohl in der Halle im Staatenhaus als auch unter freiem Himmel im Gelände des Tanzbrunnens. Vor allem Combichrist gebärdeten sich am Sonntag wie außer Rand und Band. Während auf der Open-Air-Bühne die Techniker sorgsam die Aufbauten für And One herrichteten, verursachten Andy LaPlegua und seine Kollegen eine rechte Bühnenverwüstung: Zu hämmernden Aggrotechsounds flogen Trommeln und Becken kreuz und quer durcheinander.

DAF lassen "Muskeln spielen" 

Gesitteter ging es doch am Vorabend dagegen bei der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft, kurz DAF, her. Gabi Delgado, neben Schlagzeuger Robert Görl die eine Hälfte des Düsseldorf-Wuppertaler Elektro-Urgesteins, hieß die Fans gleich mehrfach mit "liebe Jungs und Mädchen" willkommen. Anders als Delgados Plauderhaftigkeit zwischen den Songs, die minimalisten Texte selbst: "Kraft zu Kraft, Blut zu Blut, Haut zu Haut, Staub zu Staub", kaum mehr als Mantras, die der Sänger in "Muskel" transportierte.

Die Besucher am Samstag

Wer von den Bühnenauftritten mehr als nur Musik zum Tanzen erwartete, war unter anderem bei Corvus Corax gut aufgehoben: Die ostdeutsche Mittelalterband nutzte nicht nur Sackpfeifen, große Trommeln, Drehleiern oder sonstiges altes Instrumentengut, nein, sie katapultierte die Zuschauer auch optisch in der Zeit zurück: Kostüme und Staffage ließen die Bühne zu einem Haithabu werden, dem untergegangen frühmittelalterlichen Handelsplatz der Wikinger. Wie passend da "Ragnarök", der germanische Weltuntergang, den Corvus Corax zum Abschied intonierten.

Nebel vom Winde verweht

Optisch weitaus weniger spektakulär, nichtsdestotrotz der Höhepunkt, der Auftritt von The Sisters of Mercy, Headliner am Samstagabend. Obwohl die Truppe um Bandgründer, Sänger und Frontmann Andrew Eldritch ihr letztes Studioalbum 1990 veröffentlichte, zieht sie immer wieder und noch die Fans in Heerscharen zu ihren Auftritten. Sofern die Heerscharen etwas von der Band sehen, denn üblicherweise stehen die Musiker in einer dichten Nebelwand und sind nur schemenhaft auszumachen. Nicht so aber an diesem Abend, wo der Wind im Tanzbrunnen das Produkt der ohne Unterlass ratternden Nebelmaschinen immer wieder verwehte. Und man oft genug einen klaren Blick auf Eldritch erhaschen konnte.

Was The Sisters Of Mercy in diesem Jahr waren, sind Fields of Nephilim im kommenden: die Band um den Sänger Carl McCoy, die in kaum weniger Kunstnebel ihr Bühnengeschehen stattfinden lässt, ist der Headliner 2013. Außer den Briten sind bereits jetzt schon weitere Künstler für das Amphi-Festival 2013 am 20. und 21. Juli angekündigt: Mit dabei im Tanzbrunnen sind unter anderem Alien Sex Fiend, Agonoize, Peter Heppner und Letzte Instanz. Tickets für die neunte Auflage des Amphi, die achte davon in Köln, gibt es ab 1. August im Vorverkauf. (Helmut Löwe)

Bildergalerien:
Die Bands am Samstag
Die Bands am Sonntag
Die Besucher am Samstag
Die Besucher am Sonntag

Weitere Infos unter www.amphi-festival.de

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