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Film der Woche

Liberace

Liberace gehörte in den 60er und 70er Jahren zu den extravagantesten Stars im US-Showbusiness. Der Film mit Michael Douglas und Matt Damon zeigt die leidenschaftliche Beziehung zwischen dem Pianisten und seinem deutlich jüngeren Liebhaber.

Von Marcus Wessel

In den 1960er- und 70er Jahren zählte „Mr. Showmanship“ Liberace zu den extravagantesten Stars im Showbusiness. Ein Film über die leidenschaftliche Beziehung zwischen dem Pianisten und seinem deutlich jüngeren Liebhaber wurde in den USA aufgrund seines schwulen Sujets ins Kabel-TV verbannt. Das ist nicht nur angesichts der erstklassigen Besetzung mit Michael Douglas und Matt Damon mehr als unverständlich.

"Liberace" in den Kölner Kinos

Filmemacher Steven Soderbergh („Traffic“, „Ocean’s Eleven“) befindet sich derzeit auf seiner Abschiedstournee vom Kino. Weil ihn die heutige Filmlandschaft zunehmend langweile, habe er sich für einen Rückzug entschieden. Zu seinen letzten Arbeiten zählte der raffinierte Psychothriller „Side Effects“. Mit „Liberace“ könnte er nun seine Drohung wahrmachen und sich fortan anderen Dingen zuwenden. Dabei zeigt das gerade zu Beginn wunderbar überdrehte Biopic über den verstorbenen US-Entertainer und Pianisten Liberace, wie sehr das Kino einen kompromisslosen Kreativen wie Soderbergh braucht.

Zu "schwul"

In den USA war „Liberace“ den Verleihern und Studios allerdings zu „schwul“, um ihm einen breiten Kinostart zu ermöglichen. Stattdessen sicherte der Pay-TV-Sender HBO – bekannt für seine ambitionierten Serien wie „Mad Men“ – die Umsetzung der auf den Erinnerungen von Liberaces deutlich jüngeren Liebhaber Scott Thorson basierenden Geschichte. Buch wie Film konzentrieren sich auf die Zeit von Ende der 1970er- bis Anfang der 1980er Jahre, in denen Thorson und Liberace eine enge, von vielen Höhen und Tiefen begleitete Beziehung führten, die vor der Öffentlichkeit ebenso wie Liberaces Vorliebe für junge Männer geheim gehalten werden musste. Der extravagante Entertainer, der nur zu gerne in Pelzmäntel und Luxusautos die Bühne betrat, prozessierte sogar gegen jeden, der ihn als homosexuell outen wollte.

Bildergalerie: Liberace

Liberace (Michael Douglas), den Sohn eines italienischen Vaters und einer polnischen Mutter, zog es schon im Kindesalter auf die Bühne. Er galt als Wunderkind, später dann gelang ihm mit der „poppigen“ Interpretation klassischer Klavierstücke eine beispiellose Showkarriere. In den 1970er Jahren trat er in seiner eigenen Las Vegas-Show auf, wo er schließlich zum ersten Mal den jungen Scott Thorson (Matt Damon) traf. Während sich Scott von Liberaces schillernder Persönlichkeit angezogen fühlte, sah der in ihm einen Jungbrunnen und Toyboy. Es war der Beginn einer in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen und extremen Beziehung. So unterzog sich Scott auf Liberaces Wunsch einer aufwändigen Schönheits-OP, nach der er seinem berühmten Partner auch äußerlich ähnlicher sehen sollte.

Leben in einer glitzernden Parallelwelt

Soderberghs Film über Liberace, Las Vegas und einem Leben in einer glitzernden Parallelwelt beginnt als trashige, ungemein unterhaltsame Showbiz-Komödie, in der vom perfekt imitierten 70er-Jahre-Look mit seiner stets leichten Überbelichtung bis zum Spiel der beiden Superstars Michael Douglas und Matt Damon einfach alles stimmt. Gerade Douglas verkörpert hier einen der größten Exzentriker des Showgeschäfts mit soviel Verve und Freude, dass man seinen Auftritt bereits zu den stärksten seiner langen Schauspielkarriere zählen darf. Es ist nicht zuletzt für ihn persönlich ein starkes Comeback nach seiner Krebserkrankung und der doch etwas glanzlosen Rückkehr als Gordon Gekko in „Wall Street 2“. Sowohl er als auch Filmpartner Matt Damon scheinen mit der Darstellung eines schwulen Pärchens keinerlei Berührungsängste verbunden zu haben. Davon profitiert der Film, der weniger prüde als der sich gerne so liberal gebende aber in Wahrheit ziemlich verklemmte Hollywood-Mainstream daherkommt.

Gemäß Liberaces Lebensmotto „Too much of a good thing is wonderful“ schöpft Soderbergh bei der filmischen Umsetzung dieses queeren Glitzer-Paradieses aus dem Vollen. Dabei verschieben sich die Akzente zum Ende hin doch deutlich, als der umjubelte Entertainer seinen Obsessionen immer wehrloser gegenübertritt. Soderbergh gelingt es, den Bogen vom grellen Las Vegas-Trash zu der Ernsthaftigkeit eines plötzlich ganz anderen Genres zu schlagen. Hinter all dem überladenen Luxus steckt nämlich eine Geschichte über Einsamkeit, Lebenslügen, das Älterwerden und gesellschaftliche Doppelmoral. Es sind zum Teil durchaus unbequeme und bis heute hochaktuelle Fragen, vor denen nicht nur Liberace am liebsten davonlief. Dass eine Flucht aber letztlich zwecklos ist, zeigt Soderberghs großartiger Film, der einen Platz im Kino mehr als verdient hat.

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Bildergalerie: Liberace

 

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

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