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Film der Woche

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Von Marcus Wessel

Mit der Neuverfilmung der beliebten Kurzgeschichte „The Secret Life of Walter Mitty“ erschuf Komödienspezialist Ben Stiller einen nostalgischen, märchenhaften Kinotrip, der mit großartigen Bildern verzaubert und zum Wohlfühlen einlädt. Genau das richtige Gegenmittel zu einem grauen, schmuddeligen Winter.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty in den Kölner Kinos
Bildergalerie: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Es gab einmal diese Werbung eines Reiseveranstalters, die uns dazu aufforderte, den grauen Alltag gegen einige Tage unter Palmen oder an einem anderen paradiesischen Ort einzutauschen. Diese Botschaft dürfte ganz im Sinne von Walter Mitty (Ben Stiller) sein, einem stets zuverlässigen, braven Angestallten, der im Fotoarchiv des renommierten „Life!“-Magazins Millionen von Negativen beaufsichtigt. Weil in seinem Leben aber ansonsten nicht allzu viel passiert, versucht er in Tagträumen, sein Verlangen nach Abenteuer oder der großen Liebe zu stillen. Das geht solange gut bis er tatsächlich der Liebe in Gestalt seiner neuen Kollegin Cheryl (Kristen Wiig) begegnet. Diese Frau wirft den unscheinbaren Walter vollkommen aus der Bahn.

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Mitten in dieses für ihn ungewohnte Gefühlschaos platzt die Nachricht, dass die Print-Ausgabe des Magazins eingestellt werden soll. Walters Job scheint plötzlich in Gefahr und nicht nur das. Das Cover der letzten Ausgabe soll ein Foto des berühmten „Life!“-Fotografen Sean O’Connell (Sean Penn) zieren, dass jedoch dummerweise wie vom Erdboden verschluckt scheint. Walter packt daraufhin seine Sachen und allen Mut zusammen, um Sean und das letzte Titelbild zu finden. Es soll der Auftakt zu einem unglaublichen Abenteuer sein, das ihn unter anderem bis nach Grönland und in den Himalaya führt.

Online-Journalismus als seelenlose Fließbandarbeit

Als James Thurber 1939 seine berühmte Short Story „The Secret Life of Walter Mitty“ veröffentlichte, war das Internet noch reine Science Fiction. Und doch spürte er bereits darin unserer Sehnsucht nach, dem Alltag zu entfliehen und die (reale) Welt zu entdecken. Dass wir beides heute oftmals im Internet versuchen, wo wir andere Identitäten annehmen oder mit einem Klick bei „Google Earth“ nahezu jeden Ort auf diesem Planeten aus der Luft betrachten können, konnte Thurber nicht ahnen. Nach der ersten „Mitty“-Verfilmung Ende der 1940er Jahre hat sich Hollywood gut 65 Jahre mit einer Neuauflage Zeit gelassen. Erst als Ben Stiller in seiner Doppelrolle als Hauptdarsteller und Regisseur die kreative Verantwortung für den Film übernahm, konnten die Dreharbeiten beginnen.

Obwohl der neue „Walter Mitty“ im Jahr 2013 spielt, kommt er Thurbers eskapistischer Vorlage und Idee schon sehr nahe. Mit den Tagträumen seiner Hauptfigur nimmt uns Stiller auf eine recht nostalgisch eingefärbte Reise, in der die gute alte Zeit des Journalismus, der analogen Fotografie und ganz allgemein die Übersichtlichkeit der Dinge beschworen wird. Auch wenn sich der Film dabei nicht explizit technikfeindlich gibt, so bezieht er doch klar Stellung und karikiert den Online-Journalismus als seelenlose Fließbandarbeit. Das ist insofern ärgerlich, weil hier wieder einmal ein künstlicher Widerspruch inszeniert wird, der eigentlich längst überwunden schien.

Irgendwo zwischen "Forrest Gump" und "The Office"

 

Lässt man diesen Einwand jedoch beiseite, so kann man sich zusammen mit Walter auf eine wirklich spektakuläre Reise begeben. Stuart Dryburghs großartige Bilder und Landschaftsaufnahmen entwickeln dabei einen gewaltigen Sog, in den die durchaus naive Idee von Thurbers Kurzgeschichte wunderbar verpackt wurde. Dazu versüßt uns Stiller sein Aussteiger-Plädoyer mit erstklassigen Songs von Arcade Fire, David Bowie und Of Monsters and Men. Mit diesem Trick, auf den zugegeben viele Regisseure zurückgreifen, gelingt es ihm, sein irgendwo zwischen „Forrest Gump“ und „The Office“ angesiedeltes Kinomärchen ohne Umwege in unser Herz zu tragen.

Stillers kindlicher Humor ist auch hier präsent wenngleich in einer eher etwas niedrigeren Dosierung. Erneut verkörpert er den Jedermann, den Durchschnittstypen, der plötzlich über sich hinauswächst. Dabei präsentiert er sich schauspielerisch gereift, gelegentlich sogar nachdenklich, womit er genau den richtigen Ton trifft. Erst durch ihn wird der unauffällige Walter zum Helden seines eigenen Abenteuers – und wir zu seinen staunenden Begleitern.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty in den Kölner Kinos
Bildergalerie: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty
Offizielle Homepage zum Film

 

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

 

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