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Dombaumeister traurig

Vandalismus im Kölner Dom: "Das tut schon in der Seele weh"

Diebstähle, Graffiti, Vandalismus, das trifft ganz oft auch Kirchen. Mitunter ist der ideelle Schaden an und in den Gotteshäusern höher als der materielle. Besonders zu kämpfen hat Deutschlands größte Kathedrale, der Kölner Dom.

Die Außenfassade des Kölner Doms ist mit Tausenden von Figuren geschmückt - überlebensgroßen und fingerkleinen. Putzig sind die winzigen Dämonen über den Eingangsportalen. Bei vielen fehlt allerdings der Kopf: «Es ist vorgekommen, dass Touristen die mit ihren Regenschirmen abgeschlagen haben, um ein Andenken mit nach Hause zu nehmen», berichtet Dombaumeister Peter Füssenich. Damit kann dann die monatelange Arbeit eines Steinmetzen zunichte gemacht sein: «Das tut schon in der Seele weh.»

«Vandalismus ist hier ein weitgefächertes Problem», erläutert Füssenich. «Es fängt an mit kleinen Dingen wie Verunreinigungen.» Nicht nur zu Karneval benutzen Männer die vielen Ecken der Kathedrale als Urinal - und tragen damit zur Zersetzung des jahrhundertealten Steins bei. «Die Dombauhütte beschäftigt eigens einen Mitarbeiter, der jeden Tag nichts anderes macht, als einmal den ganzen Bereich um den Dom herum zu säubern. Wir haben einen weiteren Mitarbeiter, der alle Graffiti sofort entfernt - denn wenn eins da ist, kommt das nächste in kürzester Zeit.»

Mit Pommes und Fahrrad in den Dom

 

Jeden Tag strömen etwa 30.000 Besucher durch den Dom. Füssenich: «Wir stellen mehr und mehr fest, dass die Menschen mit unveränderter Haltung aus der Einkaufszone in den Dom gehen, mit einer Frittentüte oder einem Kaffeebecher in der Hand.» Die Schwelle vom Profanen zum Sakralen bestehe für diese Besucher nicht mehr. Deshalb hätten die Domschweizer - die Ordnungshüter - immer alle Hände voll zu tun. Es gibt sogar Leute, die mit dem Fahrrad in den Dom kommen und es dort mit einer Kette abschließen.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer führt dieses Verhalten auf eine veränderte Grundhaltung zurück. «Ich erinnere mich noch an die 50er Jahre, als man wie auf Zehenspitzen durch die Kirchen lief und nur im Flüsterton sprach. Das ist heute für viele Menschen ganz anders.» Das Heilige habe sich für sie verflüchtigt, die meisten Menschen in Deutschland stünden der Kirche mit einer gewissen Distanz gegenüber.

Absperren mit einem Gitter

Einem kirchenfernen Menschen muss es noch lange nicht an Respekt mangeln. Wenn aber zum Beispiel betrunkene Randalierer mit ihrem Vorgehen eine Wirkung erzielen wollten, dann gäben Kirchen ein nahe liegendes Ziel ab, meint Pfeiffer: «Denn damit lässt sich ein großer Schockeffekt erzielen.»

Am Kölner Dom will man jedenfalls Konsequenzen ziehen: Nachdem das Nordportal mit seinen filigranen Skulpturen in den vergangenen Jahren aufwendig restauriert worden ist, soll es nach der Fertigstellung im Jahr 2020 mit einem Gitter abgesperrt werden. (dpa, hl; Foto: imago images/imagebroker)

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