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koeln.de

Material wird knapp

Kölner Labor testet 5.000 Corona-Proben am Tag

Viele Labore sind in diesen Tagen rund um die Uhr im Einsatz, um die steigende Zahl der Corona-Tests schnell abarbeiten zu können. Das Kölner Labor Dr. Wisplinghoff zählt dabei zu den Spitzenreitern. Das Problem: Personal ist da, aber das Material wird langsam knapp.

Köln (dpa/lnw) - Zuerst zeigt der Monitor nur eine flache Linie, doch dann erheben sich daraus einzelne Kurven und steigen steil an: Positiv. Der Patient, von dem diese Probe stammt, ist mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Durchschnittlich sieben Prozent aller Tests auf Covid-19 fallen im Labor Dr. Wisplinghoff in Köln positiv aus. Rund 5000 dieser Tests führen die Mitarbeiter derzeit täglich durch, nach Unternehmensangaben so viele wie in keinem anderen Labor in Deutschland.

 

Gut 100 Mitarbeiter sind momentan nur mit den Covid-19-Tests beschäftigt. In Schichten arbeiten sie rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche. «Alle ziehen mit, das ist wirklich großartig», sagt Virologe Roger Grosser. Damit das personell zu stemmen ist, wurde die Abteilung Molekularbiologie durch Kollegen aus anderen Bereichen verstärkt. Denn dort sei zurzeit deutlich weniger los als normalerweise, weil viele Arztpraxen nicht dringende nötige Untersuchungen, zum Beispiel Routine-Blutkontrollen, auf später verschoben hätten.

Coronavirus im Röhrchen

Stattdessen dreht sich jetzt alles um Corona. In dem Kölner Labor kommen die Proben in Plastikröhrchen mit roten Deckeln aus Abstrichzentren, Krankenhäusern und Arztpraxen an. Geschützt durch eine Plexiglasscheibe rühren Mitarbeiter - Medizinisch-Technische Assistenten (MTA) - die Abstriche in eine Salzlösung ein und füllen sie dann in kleinere Röhrchen um. Durch einen chemischen Vorgang - das sogenannte PCR-Verfahren - wird das Erbgut des Virus vervielfältigt, wie Virologe Grosser erläutert.

Dann kommt eine Platte mit 94 Röhrchen in einen Apparat, wo sie mehrfach erhitzt werden. Am Enden zeigt ein Kurvendiagramm auf einem Monitor die Ergebnisse der einzelnen Tests an. Positive Resultate müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Der Patient könne in der Regel 24 Stunden nach dem Abstrich erfahren, ob er mit dem Coronavirus infiziert sei oder nicht, sagt der ärztliche Leiter Fabian Wisplinghoff. Eiligere Verdachtsfälle - etwa von Krankenhauspersonal, Feuerwehrleuten oder Intensiv-Patienten - würden vorgezogen.

Verbrauchsmaterialen sind knapp und teuer

«Seit wir Ende Januar hier die erste Corona-Probe bekommen haben, haben wir aufgerüstet, um uns vorzubereiten», sagt Wisplinghoff. Das Familienunternehmen habe zusätzliche Geräte gekauft und Vorräte aufgestockt. Inzwischen sei es komplizierter, an Nachschub zu kommen. «Die Verbrauchsmaterialien wie Tupfer und Plastikplättchen sind knapp und teuer geworden», schildert der 43-Jährige. Durch die Zusammenarbeit mit mehreren Lieferanten habe er Engpässe bisher ausgleichen können. Desinfektionsmittel lasse er nun in einer Apotheke anmischen.

«Die Materialbeschaffung ist ein großes Problem», sagt auch Thomas Postina, Sprecher des Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL). Unter anderem würden die benötigten Chemikalien für die Tests sowie die Entnahmesets langsam knapp. Darum sei es richtig, die Tests anhand der Kriterien des Robert-Koch-Instituts nach medizinischen Notwendigkeiten zu priorisieren.

Labore haben noch Kapazitäten

Personal, das die steigende Zahl von Corona-Tests auswerten könne, sei genug vorhanden, betont Postina. Denn die Laboruntersuchungen abseits von Covid-19 seien gerade stark rückläufig: «Wer jetzt nicht unbedingt zum Arzt gehen muss, der geht nicht.» Deshalb hätten viele Labore noch Kapazitäten - wenn auch eine flächendeckende Testung derzeit unrealistisch sei.

Auch im Labor Wisplinghoff gibt es noch Luft nach oben. «Wir könnten ungefähr 10 000 Tests pro Tag schaffen», sagt Virologe Grosser. «Der erwartete exponentielle Zuwachs ist noch nicht eingetreten.» Dem politisch angestrebten Ziel, deutlich mehr Menschen in Deutschland zu testen, sehe er gelassen entgegen. Die Labormedizin sei hierzulande gut aufgestellt. «Es wird nicht einfach, aber wir schaffen das.» (Symbolfoto: imago images / Pressedienst Nord)

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