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koeln.de-Interview

Maus-Erfinder: Darum liebe ich meine Geburtsstadt

Seit 1971 wird die „Sendung mit der Maus“ in Köln beim WDR produziert. Miterfunden hat sie damals der Kölner Armin Maiwald. Im exklusiven Interview mit koeln.de erklärt er, wie sich die „Maus“ von ihrem Anfang vor 40 Jahren bis heute verändert hat und warum die Zukunft der Sendung trotz ihrer Erfolgsgeschichte unsicher ist. Zudem verrät Maiwald, was er an seiner Geburtsstadt Köln liebt und warum er deshalb auch lieber keine Spiele des 1. FC. Köln besucht.

koeln.de: Im nächsten Jahr, im Jahr 2011, wird die „Sendung mit der Maus“ seit 40 Jahren aus Köln in die Wohn- und Kinderzimmer der Republik gesendet. Welches Gefühl verbinden Sie mit diesem Jubiläum?

koeln.de: Das eine verdammt lange Zeit. Als wir angefangen haben, hat kein Mensch gedacht, dass diese Sendung so lange laufen wird. Es ist natürlich schön, dass es immer noch so viele Leute gibt, die die „Sendung mit der Maus“ anschauen. Offenbar liegen wir also mit dem, was machen, nicht ganz falsch.

koeln.de: Sie haben mal gesagt, dass die „Sendung mit der Maus“, wenn sie heute starten würde, wohl das erste halbe Jahr nicht überleben würde. Macht Sie eine solche Entwicklung traurig?

Maiwald: Ja. Heute ist die Quote die heiligste aller heiligen Kühe. Als wir vor 40 Jahren angefangen haben, waren wir zunächst gar nicht erfolgreich. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis sich das Blatt gewendet hat. Bei dem heutigen Quotendruck gibt es niemand mehr, der den Mut hat, so eine Zeit durchzustehen. Mit denn Anfangsschwierigkeiten, die wir damals hatten, würde die „Sendung mit der Maus“ heute das erste halbe Jahr nicht überstehen.

koeln.de: Sie haben 2010 ihren 70. Geburtstag gefeiert. Wie lange werden Sie noch im Dienste der „Maus“ tätig sein?

Maiwald: Ich möchte so lange weitermachen, wie es mir Spaß macht.

koeln.de: Glauben Sie, dass das Internet dem Kinderfernsehen den Rang ablaufen wird?

Maiwald: Ich denke, ja. Es wird so eine Entwicklung geben, dass Fernsehen, Druckmedien und Schallplatten mehr oder weniger alle auf denselben Medien laufen werden. Ich nehme an, das wird das Internet sein. Ich bin kein Prophet, deshalb kann ich auch nicht sagen, ob das heutige Fernsehprogramm auch noch in 20, 30 oder 40 Jahren genauso aussehen wird. Keine Ahnung. Aber es könnte sein, dass sich dann alles im Internet abspielen wird.

koeln.de: Viele Erwachsene schauen sich die „Sendung mit der Maus“ gemeinsam mit ihren Kindern an. Ist dieser Umstand ein Schlüssel des Erfolgs?

Maiwald: Als wir die „Sendung mit der Maus“ in die Welt setzen wollten, war unsere Idee, eine Sendung zu versuchen, die für Kinder interessant ist und für Erwachsene trotzdem nicht langweilig ist. Wir wussten damals selbst nicht, ob das überhaupt funktioniert. Mittlerweile wissen wir, dass es funktioniert und auch angenommen wird. Bei vielen Familien ist die Sendung Kult. Oftmals ist unsere Sendung der einzige feste Termin in der Woche, bei dem die ganze Familie zusammensitzt. Insofern verbindet die „Maus“ auch Familien und schafft ein gemeinsames Erlebnis, an das sich auch Diskussionen anschließen, was wir prima finden.

koeln.de: Gibt es häufig Fragen, die Sie in der Sendung nicht beantworten können? An denen Sie scheitern?

Maiwald: Die gibt es natürlich. Wo wohnt der liebe Gott? Das ist eine Standardfrage, die immer wieder kommt und die man seriös nicht beantworten kann. Wir haben auch mal eine Frage nicht beantworten können, die sich um Carl von Linné drehte, einer der Begründer der Gartenarchitektur. Er hatte herausgefunden, dass bestimmte Blumen ihre Blüten zu einer bestimmten Uhrzeit öffnen und schließen. Wir haben drei Jahre lang versucht, das mit Hilfe einer Uhr und eines Zeitraffer zu zeigen. Wir haben mit allen möglichen Leuten gesprochen, mit Gärtnern und auch der Universität Uppsala, an der Carl von Linné geforscht hatte. Trotz größter Mühen ist uns die Beantwortung dieser Frage bis auf den heutigen Tag nicht geglückt.

koeln.de: Sie sind in Köln 1940 geboren und konnten nach dreimaliger Ausbombung in der Kölner Innenstadt und einer jahrelangen Flucht mit der Familie über Schlesien, Dresden, einigen Stationen in Bayern und Neuss erst als 13-Jähriger nach Köln zurückziehen, wo sie seitdem wohnen.

Maiwald: Richtig, ich wohne mitten in der Innenstadt. Meine Wohnung ist nur etwa 150 Meter Luftlinie vom Dom entfernt.

koeln.de: Haben Sie das Gefühl der Heimat, wenn Sie sich Köln nähern und den Dom sehen?

Maiwald: Ja, klar. Egal, ob man von Westen, Süden oder Norden kommt – es gibt immer eine bestimmte Stelle, wo man den Dom zu ersten Mal sieht. Dann habe ich das Gefühl: Jetzt bin ich wieder zu hus.

koeln.de: Was ist für Sie das besondere an Köln?

Maiwald: Es ist sicher architektonisch keine besonders schöne Stadt. Es ist eine sehr alte Stadt – mit allen Vor- und Nachteilen. Die paar tausend Jahre alte Geschichte spürt man an allen Ecken und Enden. Von der Mentalität der Kölner her ist es eine sehr unaufgeregte Stadt. Demonstrationen, wie in Berlin, bei denen gleich mit Wasserwerfern und Schießereien aufgewartet wird, gibt es in Köln eher nicht. In den 1960er Jahren haben wir zum Beispiel auch gegen die Springer-Presse demonstriert. Die Polizisten haben uns zwar auch weggetragen, aber die haben mehr mit uns geredet, als dass sie uns wehgetan haben. „Jungs, was macht ihr hier eigentlich? Für so ein Scheißblatt steht ihr hier?“ Bei den Diskussionen mit den Kölner Polizisten ist mehr herausgekommen, als bei den Schießereien anderswo, weil jeder für den anderen ein gewisses Verständnis hatte. Es war weniger konfrontativ, als das sonst überall der Fall war. Das ist einer der wirklichen Vorzüge Kölns: Wir reden mal darüber und fangen nicht gleich an, aufeinander einzukloppen.

koeln.de: Zum Thema Unaufgeregtheit und Köln passt der FC eher nicht. Gehen Sie trotzdem ins Stadion zu Spielen des 1. FC Köln?

Maiwald: Während meiner Assistentenzeit war ich viel in Fußballstadien eingesetzt. Häufig habe ich dort den Job gehabt, dem Hintertorkameramann die fliegenden Büchsen vom Leibe zu halten. Seit dieser Zeit betrete ich kein Fußballstadion mehr, wenn ich nicht muss. Und der FC ist sowieso eine reine Nervensache. Das ist eine richtige Achterbahnmannschaft. Natürlich verfolge ich aber den FC, das ist ja schließlich unsere Kölner Mannschaft. In Grenzen leide ich auch, wenn sie verlieren, und freue mich, wenn sie gewinnen, aber ins Stadion gehe ich nicht. Die Kloppereien vor und nach dem Spiel schrecken mich eher ab.

koeln.de: Die Frage zum FC habe ich auch gestellt, weil Sie oft kritisieren, dass Millionen Euro für Sportrechte bezahlt werden, aber beim Kinderfernsehen gespart werden muss.

Maiwald: „Die Sendung mit der Maus“ ist im Vergleich mit anderen Kindersendungen wahrscheinlich immer noch gut aufgestellt, weil es sie schon seit fast 40 Jahren gibt. Aber für Sportrechte wird wirklich unglaubliches Geld rausgeballert. Und Geld kann man nur einmal ausgeben. Entweder dafür oder dafür. Es scheint so, als ob man das lieber für den Sport tut, als für andere Dinge.

Die Fragen stellte Sebastian A. Reichert.

Zur Person: Armin Maiwald ist einer der Miterfinder der „Sendung mit der Maus“, die seit 1971 ausgestrahlt wird. Mit seiner markanten Stimme hat der gebürtige Kölner in über 800 „Sachgeschichten“ ganzen Kindergenerationen leicht verständlich erklärt, wie verschiedenste komplexe Gegenstände und Phänomene des Alltags funktionieren. Im Alter von 25 Jahren, tätig für den WDR, war Maiwald 1965 eine zeitlang der jüngste Regisseur Deutschlands. Der heute 70-Jährige ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Köln. (sar)

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