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Alarm im Altenheim

In der Wonderland Ave. übernehmen Roboter die Macht

Alarm im Altenheim "Wonderland Ave". - wird der Bewohner allzu menschlich, dann setzt es Stromschläge. Denn dort haben die Roboter die Macht. Zumindest im Schauspiel, wo das Stück "Wonderland Ave." Uraufführung feierte.

Von Jürgen Schön

Pflegenotstand in der Altenpflege? Roboter sollen die Lücke schließen. Langweile bekämpfen? Roboter organisieren unsere Freizeit. Das neue Theaterstück „Wonderland Ave.“ von Sibylle Berg entführt in eine mögliche Zukunft. Ersehnt oder befürchtet – die Antwort liegt noch im (Bühnen-)Nebel. Die Uraufführung, inszeniert von Ersan Mondtag, wurde jetzt im Schauspiel begeistert gefeiert.

Zwei riesige nackte Puppen beherrschen die opulent ausgestatte Szenerie (Bühnenbild: ebenfalls Ersan Mondtag): übergroße Ebenbilder der beiden Hauptdarsteller Kate Strong und Bruno Cathomas. Sie erinnern die Beiden an bessere Tage, bevor sie in das Altenheim „Wonderland Ave.“ übersiedelten, übergesiedelt wurden. Tritt man der liegenden Männerfigur an der richtige Stelle auf den Bauch, pfurzt sie. Ihr Geschlechtsteil kann der Frau noch Freude bereiten – kurzfristig.

Da liegen nun die zwei Menschen auf der Puppe und wollen in den Morgen hinein schlafen. Wären da nicht die fünf Roboter, die den Tagesablauf bestimmen. Die Androiden scheinen dem Atelier von Malewitsch oder einem Modekatalog von Courrège entsprungen (Kostüme Josa Marx) zu sein.

Sprechen ja, aber bitte gendergerecht

Es sind fünf durchaus eigene Charaktere. Der eine ist armlos und humpelt (Jonas Grundner-Culemann), einer wackelt dauernd mit dem Kopf (Nikolay Sidorenko), der dritte zeichnet sich durch hektische Tippelschritte aus (Elias Reichert). Eine Roboterin – die Roboter sprechen selbstverständlich gendergerecht, man glaubt förmlich das Sternchen zwischen männlicher und weiblicher Form zu hören – scheint die Anführerin zu sein und dirigiert die anderen mit kantigen Bewegungen (Sophia Burtscher). Als fünfte mischt schließlich Sylvana Seddig mit.

Strafe durch Stromschläge

Die fünf bestimmen nicht nur den Tagesablauf, was es zu essen gibt und welcher Sport betrieben wird. Sie korrigieren auch „unlogische“ Äußerungen des Rentnerpaares, üben sich in Witzen und sorgen für Einhaltung der Regeln. Wenn es zu spontan, zu emotional und damit zu menschlich wird – etwa beim Wunsch nach „echtem“ Geschlechtsverkehr – wird mit Stromschlägen bestraft. Die Regeln sind Teil eines Spiels, das die am besten angepasste, heißt unauffälligste Gruppe gewinnt. In China soll aktuell die Bevölkerung durch permanente Überwachung zu „sozialem“ Verhalten erzogen werden, Abweichungen werden dort wie hier auf der Bühne bestraft. Roboter dürfen das.

In diesem Umfeld versuchen Strong und Cathomas zunehmend verzweifelt, ihre Persönlichkeit zu behaupten, ja sie überhaupt erst zu finden. Gewünscht haben sie sich ein „perfektes Dasein“ ohne Sorgen schon. Doch was sie hier erleben, ist alles andere als perfekt, zumindest nicht immer. Hoffnung keimt auf, als sie den Wettbewerb gewonnen haben und ihnen nun ein „reales“ perfektes Dasein winkt.

Antwort bleibt aus

Doch was ist real?, fragen die Roboter. Krieg? Geld? Oder leben wir nicht schon lange in einer virtuellen Welt mit virtuellem Geld, virtuellen Freunden? Die Hintergrundmusik wächst sich zu einer lauten Kakophonie aus – und das Publikum wird nach fast zwei Stunden ohne Antwort in die (reale) dunkle Nacht entlassen.

Das dankt allen Beteiligten mit kräftigem Premierenbeifall. Auf dem Nachhauseweg dürfte es genügend Diskussionen über die Zukunft geben – und wie weit die Menschheit schon online die Weichen für eine unwiderrufliche Machtübernahme der „künstlichen Intelligenz“ gestellt hat. (Foto: Birgit Hupfeld / Schauspiel

„Wonderland Ave,“ – die nächsten Vorstellungen am 9., 12., 22. und 26. Juni, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Köln, Depot 2 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße.

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