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"Millionenallee" - der neue Köln-Krimi

4. Folge: Ein Geburtstag im Bankhaus Sal. Oppenheim

Als Franck in das Konferenzzimmer trat, überfiel ihn Miriam,
seine kleine Schwester, mit einem Konfettiregen, und alle
sangen los: »Zum Geburtstag viel Glück«. Franck war gerührt
und freute sich. Das hatte er nicht erwartet. Gunther, der direkt
neben seinem Vater stand, sang besonders laut und kräftig,
aber Magda, seine Mutter, übertönte mit ihrer Kirchenchorstimme
die gesamte Schar. Und beim letzten »Zum Geburtstag,
lieber Fra-anck, zum Geburtstag viel Glück« flogen Luftschlangen
und ein Champagnerkorken, sein Vater füllte die
Flöten und reichte sie an alle weiter.
Außer den Familienmitgliedern waren noch zwei Männer
anwesend, die auf Franck zukamen und ihm gratulierten. Den
einen kannte er, Dr. August, den langjährigen Rechtsanwalt
der Familie. Franck hatte sich als Kind oft über den Namen
lustig gemacht, aber Dr. August war ein honoriger Mann, der
keine Probleme mit diesem Spaß hatte. Der zweite Mann stellte
sich als Graf Uhland vor, er sei vom Bankhaus und sozusagen
der Gastgeber. Auch er wünsche dem jungen Herrn von
Franckenhorst alles Gute und viel Erfolg für den kommenden
Lebensabschnitt.
Ferdinand klopfte mit seinem Füller an sein Glas und bat
um Ruhe. Jetzt kam für seinen Vater der schwierige Teil, er
musste eine Rede halten. Während es Franck nur an Schlagfertigkeit
mangelte, vorbereitete Reden vor Publikum waren für
ihn überhaupt kein Problem, hasste sein Vater diese Art öffentlicher
Auftritte. Manchmal geriet er dabei sogar ins Stottern.
Nun, hier im Kreise der Familie, dazu Dr. August und
Graf Uhland quasi als Angestellte, würde er schon durchkommen.
»Schluss mit lustig«, sagte Ferdinand laut, und der Ton war
so scharf, dass das Gelächter erstarb und sofort Ruhe einkehrte.
»Lasst uns noch einen Schluck auf das Geburtstagskind
trinken und dann zum wichtigen Teil des Tages kommen. Auf
dein Wohl, mein Junge.«
»Danke, Vater«, sagte Franck und nahm nur einen kleinen
Schluck. Er wollte bei klarem Bewusstsein sein und sich den
Geist nicht durch Alkohol vernebeln, nicht einmal durch die
»Alte Witwe«, seinen Lieblingschampagner. Etwas in der
Stimme seines Vaters hatte sein Inneres auf Alarm geschaltet.
Er ließ sich nichts anmerken, prostete der Reihe nach allen zu
und sagte dann: »Ja, lasst uns nun zum wichtigen Teil des Tages
kommen.«
Alle setzten sich, und die Sitzordnung ergab, dass Franck
allein auf einer Seite des Tisches saß und alle anderen, seine
kleine Schwester ausgenommen, ihm gegenüber thronten wie
die fünf Geschworenen. Miriam saß aber auch nicht neben
ihm, sondern druckste abseits in einer Ecke herum, und für einen
Augenblick schien es Franck, als hätte Miriam eine Träne
in den Augen. Wahrscheinlich Liebeskummer. Er nahm sich
vor, sie nach dem offiziellen Teil mal zu fragen.
»Nun, mein Sohn. Ich weiß, wie wichtig der heutige Tag
für dich ist«, ergriff Ferdinand wieder das Wort. »Aber dieser
Tag ist natürlich noch wichtiger für das Familienunternehmen
der von Franckenhorsts insgesamt. Du als mein ältester Sohn
sollst das Haus leiten, wenn du fünfzig Jahre alt wirst, so wie
ich es leite, seitdem ich fünfzig Jahre alt bin. Das ist eine große
Verantwortung. Nun haben unsere Ahnen die weise Regelung
geschaffen, dass zuvor eine zwanzigjährige Probezeit
durchlaufen werden kann.« Ferdi machte eine Pause und bat
um ein Glas Wasser.
Aus Miriams Ecke erklang ein Schluchzen. Gunther, Francks
Bruder, der zur Rechten des Vaters saß, schob seinen Stuhl
etwas zurück, als wolle er in Deckung gehen. Francks Mutter
hielt den Blick unverwandt auf Ferdinand gerichtet, sie gab
ihm immer und immer das Gefühl, dass nur er für sie wichtig
sei, und das war heute nicht anders. Dr. August faltete seine
Hände über einer ledernen Mappe, in der Franck die vorbereiteten
Papiere vermutete. Graf Uhland reichte Ferdinand
das Wasser und schüttete sich dann ebenfalls ein Glas ein.
»Verantwortung, mein Sohn. Große Verantwortung, habe
ich gesagt«, fuhr Ferdinand fort. »Aber leider weißt du bis
heute nicht, was dieses Wort bedeutet: Verantwortung.«
Franck spürte, dass er etwas sagen wollte, sagen müsste.
Aber ihm fehlten die Worte.
»Dr. August, lesen Sie doch bitte einmal die einschlägige
Stelle aus dem Vertrag vor.«
Der Rechtsanwalt klappte die Ledermappe auf, schaute
erst Ferdinand, dann Franck an und sagte schließlich: »Paragraph
siebenundzwanzig des Familienvertrages ist sicher allen
hier im Raum bekannt. Er bestimmt, dass dem ältesten Sohn
des amtierenden aktiven Familienoberhauptes am Tag seines
dreißigsten Geburtstags um fünfzehn Uhr zehn Prozent der
Anteile des Familienunternehmens mit allen Rechten und
Pflichten übertragen werden …«
Dr. August machte eine Pause, senkte die Stimme aber
nicht, sondern hielt sie hoch, als wolle er gleich fortfahren.
Zunächst aber schaute er in die Runde, ob jemand etwas einzuwenden
hätte. Das war nicht der Fall, und so fuhr er fort:
»… mit allen Rechten und Pflichten übertragen werden, sofern
der Betreffende alle Voraussetzungen erfüllt.«
Was sollte das jetzt? Franck stand auf, wollte etwas sagen,
sagte aber nur: »Bitte ein Glas Wasser.« Der Graf reichte es
ihm, Franck trank einen Schluck und noch einen Schluck,
setzte sich wieder hin und wartete, wie es weitergehen würde.
Ferdinand hatte ihn scharf beobachtet und sagte schließlich
zu Dr. August: »Jetzt machen Sie schon, das muss ein Ende
haben.«
Dr. August rückte seine Brille zurecht. »Also, wo war ich?
Hier. … sofern der Betreffende alle Voraussetzungen erfüllt.
Jetzt kommen erst einmal die bekannten Voraussetzungen wie
anerkannte Vaterschaft, bestätigtes Alter, daran werden keine
Zweifel vorgetragen. Aber dann heißt es weiter: Muss der Betreffende
in den letzten sechsunddreißig Monaten mindestens
zwölf Monate für das Familienunternehmen tätig gewesen sein.
Und, lieber Herr von Franckenhorst, diese Bedingung wird von
Ihnen leider nicht erfüllt, wie mir Ihr Herr Vater zweifelsfrei
dargelegt hat. Wenn Sie sich vergewissern wollen: hier die entsprechende
Regelung im Familienstatut, hier die Liste der Tätigkeiten,
die Sie in den letzten sechsunddreißig Monaten ausgeübt
haben, wenn man da von Tätigkeiten sprechen will.«
August hielt ihm die Papiere hin, Franck nahm sie gar nicht
wahr. Gunther war inzwischen aus der Deckung gekommen
und schien vollauf zufrieden. Seinem Vater aber stand der Triumph
ins Gesicht geschrieben.
»Ich habe dich gewarnt«, sagte Ferdinand, »aber du glaubst
ja immer, alles besser zu wissen und es nicht nötig zu haben,
dich wirklich um die Familie zu kümmern. Aber unsere Familie
ist stärker. Und ich werde es nicht zulassen, dass jemand
wie du unser Unternehmen zugrunde richtet.«
Franck schaute auf die Uhr. Es war noch nicht einmal halb
vier. Wo waren seine hundert Millionen? Wo war seine Zukunft?
Er rang nach Fassung und nach Worten. Aber stattdessen
sprach wieder sein Vater: »Micky-Maus-Uhr. Habt ihr das
gesehen: eine Micky-Maus-Uhr. Und so einer soll unsere Firma
leiten? Jetzt seht ihr es selbst.«
Franck erinnerte sich an das Gespräch mit Fanny und daran,
welche Bedeutung die Micky-Maus-Uhr für ihn haben
sollte: »Gut, Ferdinand«, er sagte ganz bewusst nicht Vater,
sondern Ferdinand: »Du hast das Spiel eröffnet. Es sieht so
aus, als stünde es 1:0 für dich. Ich bin gewillt, mitzuspielen.«
Franck stockte, als erwartete er eine Reaktion seines Vaters.
Aber Ferdinand würdigte ihn keines Blickes, tuschelte stattdessen
mit Gunther. Franck suchte jemanden, den er ansprechen
konnte. »Dr. August, ich frage Sie als Anwalt der Familie,
welche weiteren Regelungen gibt es in diesem Fall? Welches
Gremium könnte feststellen, dass ich doch alle Voraussetzungen
erfülle?«
»Darüber entscheidet der engere Familienrat, bestehend
aus Ihrem Vater, Ihrer Mutter und Ihrem Bruder. Ihre Schwester
ist noch keine fünfundzwanzig Jahre alt und nicht stimmberechtigt.
Und Sie selbst haben natürlich auch Stimmrecht.
Ich darf Sie darüber informieren, dass der engere Familienrat
heute auf Antrag Ihres Vaters bereits getagt hat und diese
Frage negativ für Sie entschieden wurde. Ihr Vater als Familienoberhaupt
hat fünfzig Prozent der Stimmen und kann
nur überstimmt werden, wenn alle anderen sich nicht seiner
Meinung anschließen. Das war nicht der Fall, sodass das Votum
auch ohne Ihre Mitwirkung eindeutig und verbindlich
war.«
»Kann ich dagegen Rechtsmittel einlegen?«
»Nein, wer gegen die eigene Familie klagt, verwirkt damit
seine Rechte aus den Familienverträgen. Durch eine Klage
könnte allenfalls eine gewisse einmalige Entschädigung erreicht
werden, doch sind da außergerichtliche Regelungen in jedem
Fall vorzuziehen und auch für Sie günstiger.«
»Welche Möglichkeiten gibt es für mich, wieder in meine
Rechte eingesetzt zu werden?«
»Wenn Sie in den nächsten zwölf Monaten mindestens zehn
Monate für das Familienunternehmen arbeiten, erhalten Sie
Ihre Rechte zurück. Ihr Vater ist verpflichtet, Ihnen eine geeignete
Position anzubieten.«
»Was geschieht mit meinen Unternehmensanteilen? Es kann
ja wohl nicht sein, dass über die jemand anderes verfügen
kann.«
»Das wird dankenswerterweise Graf Uhland übernehmen.
Er ist als Treuhänder eingesetzt und wird sicherstellen, dass
Ihr Vermögen Ihnen jederzeit zur Verfügung steht, wenn Ihre
Ansprüche anerkannt werden.«
Graf Uhland nickte ihm mit unbewegter Miene zu.
»Da bin ich Ihnen ja wirklich zu Dank verpflichtet«, sagte
Franck, »aber was ist, wenn ich ablehne?«
»Dann verwirken Sie Ihre Ansprüche. Dann besteht prinzipiell
die Möglichkeit, dass Sie ausgezahlt werden und vollständig
aus dem Familienunternehmen ausscheiden, finanziell
gesehen. In diesem Fall würden Ihre Rechte auf Ihren Bruder
übergehen, der dann seinerseits natürlich die Bedingungen zu
erfüllen hätte.«
Gunther, ja, warum eigentlich nicht Gunther? Der war gerade
erst sechsundzwanzig, hatte seinen Diplom-Volkswirt
mit Auszeichnung gemacht, betrieb eine Steuerberaterkanzlei
und war so längst eine Stütze für das Unternehmen. Er schaute
seinen Bruder an.
»Wärst du eigentlich gerne Direktor oder Geschäftsführer?«
»Ja, das weißt du doch«, sagte Gunther.
»Ja, natürlich, weiß ich. Aber ich wollte mal deine Stimme
hören. Gesungen hast du, aber gesagt hast du nichts. Warum
hast du mich nicht vorgewarnt, Bruderherz? War das zu viel
verlangt? Was zahlst du mir, wenn ich aufgebe?«
»Beruhige dich, Franck. Was hätte es geändert, wenn ich
dir etwas gesagt hätte? Du hast dich bisher nie für die Firma
interessiert, und du wirst es vermutlich nie tun. Wenn du dich
nicht einmal um die Verträge scherst, die dich ganz direkt angehen,
wie willst du dann Verantwortung für andere Verträge
übernehmen? Mit deinem Verhalten schadest du dem Ansehen
des Unternehmens und unserer Familie. Du willst das doch
hier gar nicht. Denke drüber nach. Das Finanzielle kann man
regeln.«
Ferdinand schaute stolz auf seinen Zweitgeborenen. »Junge,
das hast du gut gesagt. Komm, wir gehen jetzt feiern.« Mit
diesen Worten stand Ferdi auf, ging aus dem Zimmer, Magda
und Gunther folgten ihm.
Franck ging zu Miriam und nahm sie in den Arm. »Schwesterlein,
das ist doch kein Grund zum Weinen. Ich hab heute
Geburtstag, und meine Schwester weint. Hier, ich schenke dir
was, meine Uhr.« Und er nahm die Micky-Maus-Uhr und band
sie ihr um den Arm.
Miriam gelang ein Lächeln. »Vater bekommt einen Herzinfarkt,
wenn er die sieht.«
»Bestimmt nicht, der ist zäh. Ich brauche sie nicht mehr.
Das Spiel wird jetzt anders gespielt.«
Franck wandte sich an Dr. August und Graf Uhland. »Meine
Herren, Sie werden verstehen, dass ich eine Bedenkzeit benötige.
Wie lange darf die sein?«
»Darüber steht nichts in den Verträgen. Sie müssen nur in
den nächsten zwölf Monaten zehn für das Unternehmen arbeiten.
Im Extremfall hätten Sie also zwei Monate.«
»So lange werde ich nicht benötigen. Ich erwarte, dass Sie
alle Papiere vorbereiten, und ich erwarte Diskretion. Sie hören
von mir.«
Die Herren nickten, als Franck den Raum verließ.
»Warte«, rief Miriam, »nimm mich mit. Ich weiß doch nicht,
wohin.«


Fanny hatte aus der Wohnung am Brüsseler Platz eine Party-
Oase gemacht. Palmen, sogar ein Hauch von Strand durch
aufgeschütteten weißen Sand auf der Dachterrasse, Girlanden,
Lampions, exotische Tänzerinnen mit Blumen im Haar. Auf
dem Esszimmertisch stand eine riesige Torte mit dreißig Kerzen.
In den Zimmern lümmelten sich bestimmt vierzig Personen,
Fanny hatte jeden angerufen, von dem sie wusste, dass
Franck ihn irgendwie kannte.
»Was ist denn hier los?«, fragte Franck fassungslos, als er
mit Miriam im Schlepptau nach Hause kam. Aber dann fiel
ihm die strahlende Fanny um den Hals und nach und nach
gratulierten all die anderen Gäste. Und es wurde wieder gesungen,
diesmal nicht auf Deutsch, sondern auf Denglisch:
»Happy birthday, lieber Fra-anck, happy birthday to you.«
Miriam wollte etwas sagen, Franck hielt sie zurück. »Jetzt
nicht. Lass uns feiern. Morgen ist auch noch ein Tag.«
»Ich könnte das nicht«, sagte Miriam, und dann schossen
ihr wieder die Tränen ins Gesicht.
»Was ist denn los?«, wollte Fanny wissen.
»Ach, nur ein bisschen Liebeskummer«, sagte Franck und
zog seine kleine Schwester aus dem Getümmel, was sich als
gar nicht so einfach herausstellte, denn die gesamte Wohnung
schien im ausgelassenen Belagerungszustand.
Sogar im Schlafzimmer tummelte sich ein Pärchen, das aber
schuldbewusst verschwand, als Franck mit Miriam auftauchte.
»Schwesterherz, sei nicht so traurig. Was ist denn schon passiert?«
»Was passiert ist? Die Familie fliegt auseinander. Vater und
Gunther haben dich betrogen.«
»Nein, haben sie nicht. Nicht wirklich. Du hast doch gehört,
was Dr. August vorgelesen hat.«
»Das sind doch alles Scheinargumente. Ich war dabei, als
über dich verhandelt wurde. Es war ja schon feige, dass das alles
ohne dich ablief. Es ist einfach so, dass Vater dich um dein
Recht bringen will, und Gunther hilft ihm dabei. Der hat wahrscheinlich
schon längst ausgerechnet, was er künftig mit dem
Geld alles machen kann. Aber der legt das ja wahrscheinlich
doch nur auf die Bank oder kauft Aktien. Der braucht eigentlich
gar nichts. Bei dir ist das anders. Du leistest dir wenigstens
was. Du kaufst, du kaufst – zum Beispiel Micky-Maus-Uhren.«
»Die hat mir Fanny geschenkt.«
»Und dann hast du sie einfach weiterverschenkt?«
»Das ist schon in Ordnung.«
»Was wirst du tun?«
»Jetzt werde ich erst einmal feiern gehen. Da draußen wartet
man auf mich.«
»Das meine ich nicht. Mit der Firma?«
»Ich hatte dich schon verstanden. Ich weiß es nicht. Ich
brauche etwas Zeit.«
»Du musst die Firma übernehmen.«
»Wieso das denn? Gunther ist doch viel besser eingearbeitet,
oder?«
»Franck, jetzt hör mir endlich einmal richtig zu. Mir ist das
wichtig, und ich will nicht immer nur die kleine Schwester sein,
die nichts weiß und nichts kann. Du musst die Firma übernehmen.
Irgendetwas stimmt da nicht. Ich weiß nicht, was,
aber Vater ist in der letzten Zeit so, so anders. Und Gunther
auch. Manchmal habe ich Angst, panische Angst, dass irgendetwas
Schlimmes vorgeht.«
»Miriam, Schwesterherz.«
»Hör auf, großer Bruder, so auf mich herabzusehen. Ich
meine es ernst, und ich weiß, was ich sage.«
»Gut. Ich habe das verstanden. Ich nehme dich ernst. Du
weißt, dass du meine Lieblingsschwester bist …«
»Du hast doch nur mich.«
»Ja, aber auch wenn ich noch zwölf Schwestern hätte, wärst
du diejenige, die für mich zählt. Das sollte kein dummer Spruch
sein. Aber ich habe nicht verstanden, was du meinst.«
»Ich meine, dass es höchste Zeit ist, dass du dich um die
Firma und die Familie kümmerst. Ich meine, dass Vater und
Gunther genau das verhindern wollen, um irgendetwas zu verbergen,
was sonst ans Tageslicht käme. Und ich meine, dass du
sowieso der richtige Mann für die Firma wärst.«
»Ich, nicht Gunther?«
»Ja, du. Wir machen schließlich Parfüm, und du bist der
einzige Mann in der Familie, der etwas von Frauen versteht.«
»Franck, der Frauenversteher? Das hat mir noch keine Frau
gesagt. Wie kommst du denn darauf?«
»Du wirst nicht ungeduldig, wenn Frauen einkaufen gehen.«
»Miriam, du weißt nicht, was du da sagst. Erst gestern noch
habe ich Fanny allein im Laden gelassen.«
»Ist doch wunderbar. Ist doch viel besser, als miesepetrig in
der Ecke zu sitzen und dabei zu denken, was das jetzt wieder
kostet.«
»Nun ja, ist ja nicht mein Verdienst, dass ich so viel Geld
habe. Da kann ich schon mal ein Kleid spendieren. Wenn ich
sehe, wie Fanny sich über das kleine Schwarze gefreut hat …«
»Geld haben Vater und Gunther auch. Aber die kämen nie
auf die Idee, einfach mal nur so ein Kleid zu spendieren. Und
Parfüm gibt es bei uns zu Hause auch nur aus eigener Produktion.
Nein, du bist der Richtige, glaube es mir.«
Franck drückte Miriam einen Kuss auf die Stirn.
»Schwesterherz, ich glaube dir nicht. Aber es tut gut, dass
du das sagst. Was du für Verständnis hältst, könnte das nicht
auch Gleichgültigkeit sein? Ich hatte gestern eine Begegnung
in einer unserer Parfümerien.«
»Du gehst in unsere Parfümerien?«
»Ich wollte mal nach dem Rechten sehen.«
»Ja, jetzt habe ich dich. Du willst es also doch.«
»Ich will jetzt erst einmal meine Geschichte erzählen.«
»Ja, erzähl. Aber ich habe dich durchschaut.«
»Ich sagte der Verkäuferin, sie hieß Christina Brandt, ich
suchte etwas für meine Verlobte und ich hätte nicht viel Zeit,
sie solle sich beeilen. Und sie fragte keck, ob sie mir einen Rat
geben dürfe: Für Frauen müsste ich mir immer Zeit nehmen,
ganz besonders für meine Verlobte.«
»Eine kluge Frau.«
»Ich sagte darauf, dass Vater immer sage ›Zeit ist Geld‹.
Und sie darauf: ›Nein, Zeit ist Liebe‹.«
»Das ist ein schöner Spruch. Den werde ich mir merken.
Und was hast du dann getan?«
»Dann habe ich das Parfüm gekauft und es ihr geschenkt.«
»Du Romantiker, mein großer Bruder ist ein verkappter
Romantiker.«
»Und meine kleine Schwester hat keine Ahnung von Männern.«
»Hat sie doch.«
»Du, Ahnung von Männern? Wer ist es?«
Miriam lachte nur und zog ihn aus dem Schlafzimmer.
»Komm, lass uns rausgehen und feiern. Ich habe Lust auf Torte.«

 

(nächste Folge: Heuschrecken in Marienburg)

*

Edgar Franz­mann: Mil­lio­nen­al­lee. Köln Krimi 38. Bro­schur. Köln: Emons Ver­lag 2009. 192 Sei­ten. ISBN 978−3−89705−631−2, € 9,90-.

"Millionenallee" ist ab sofort in allen Buchhandlungen erhältlich.
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