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Bilanz zwei Jahre nach der Katastrophe

Kölner Stadtarchiv: Einsturz verursacht Milliardenschaden

Zwei Jahre nach dem Einsturz des Stadtarchivs zog die Stadt Köln eine Zwischenbilanz. Der Schaden beläuft sich nach heutiger Erkenntnis auf eine Milliarde Euro. Die Einsturzursache kann frühestens Mitte nächsten Jahres untersucht werden. Die Kölner Verkehrs-Betriebe wollen die Nord-Süd-Nahn-Baustellen in der Stadt zügig schließen und den Betrieb nördlich des Waidmarktes ab Dezember 2012 aufnehmen, südlich der Unglücksstelle ab Dezember 2014. Wann die Strecke durchgehend befahren werden kann, lässt sich noch nicht abschätzen.

Bildergalerie: Der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009

Fast kahle Wände, ein paar Vitrinen und Computerarbeitsplätze - schlicht und unfertig wirkt der Lesesaal im provisorischen Domizil des Kölner Stadtarchivs am Rande der Altstadt. Durchaus das passende Ambiente, um an ein Ereignis zu erinnern, das Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) "eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte" nannte.

Am 3. März 2009 um 13.58 Uhr sackte das siebengeschossige Archivgebäude in der Kölner Südstadt in sich zusammen und riss zwei benachbarte Wohnhäuser mit. Zwei junge Männer starben in den Ruinen. Gleichzeitig wurden 30 Regalkilometer mit den Beständen eines der bedeutendsten kommunalen Archive Europas in die Tiefe gerissen.

"Das Gedächtnis der Stadt schien verloren", blickte Roters am Montag zurück. Ganz so schlimm ist es dann nicht gekommen: 90 Prozent der damals verschütteten Archivalien sind inzwischen geborgen, weitere fünf Prozent werden noch im Grundwasser an der Einsturzstelle vermutet, die restlichen fünf Prozent wurden allerdings vermutlich schon bei dem Einsturz zerstört.

Laut Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia ist der überwiegende Teil der geborgenen Unterlagen restaurierbar. Allerdings werden 200 ausgebildete Restauratoren mit dieser Aufgabe 30 bis 50 Jahre beschäftigt sein. Auch die finanziellen Folgen des Unglücks wiegen schwer: Roters bezifferte die Gesamtkosten durch den Einsturz auf rund eine Milliarde Euro.

Die Ursache für das Unglück ist weiterhin ungeklärt. Voraussichtlich ab August, wenn das letzte Archivgut geborgen ist, soll an der Unglücksstelle ein sogenanntes Besichtigungsbauwerk errichtet werden, wie der Vorstandschef der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), Jürgen Fenske, sagte. So soll vor allem überprüft werden, ob eine beschädigte Stahllamelle an der Stadtbahnbaustelle Waidmarkt in unmittelbarer Nähe des Archivgebäudes für das folgenreiche Absacken des Gebäudes verantwortlich sein könnte. Aufwendige Arbeiten und der Einsatz von Tauchern sind erforderlich, damit die Gutachter der Staatsanwaltschaft die mutmaßliche Schadensstelle besichtigen können.

Das Unglück hat das Stadtbahn-Projekt massiv zurückgeworfen, räumte KVB-Chef Fenske ein. Derzeit sei noch nicht absehbar, wann die neue Verbindung unter dem Süden von Köln ihren Betrieb aufnehmen kann. Die Zweifel an der Sicherheit des Großprojekts sind bei den Anwohnern nicht verschwunden, das räumte auch Roters ein: "Restängste sind sicher geblieben."

Am Mittwochabend (2. März, 19.00 Uhr) will der Oberbürgermeister an der Unglücksstelle einen Kranz für die beiden Opfer des Archiveinsturzes niederlegen.

koeln.de dokumentiert die Pressmitteilung der Stadt

Am 3. März 2009 stürzte – vermutlich im Zusammenhang mit Bauarbeiten an einem unterirdischen Gleiswechselbauwerk der geplanten U-Bahnstrecke der Nord-Süd- Stadtbahn – das Gebäude des Historischen Archivs der Stadt Köln ein. Mitgerissen wurden weitere benachbarte Gebäude. Zwei Menschen verloren ihr Leben. Anwohner mussten ihre Wohnungen, benachbarte Schulen ihre Räume verlassen. Über 30 Regalkilometer Zeugnisse Kölner und Rheinischer Geschichte durchmischten sich mit den eingestürzten Wänden und Decken des Archivs zu einem unterirdischen und oberirdischen Schuttberg.

Zwei Jahre nach dem Einsturz zieht die Stadt Köln eine Zwischenbilanz. Oberbürgermeister Jürgen Roters betont: „Mit ungeheurer Kraftanstrengung, die auch eine Millionenstadt manchmal vor die Grenze des Machbaren stellt, ist es in den vergangenen zwei Jahren gelungen, die Katastrophe des Einsturzes sowohl für die betroffenen Menschen als auch für die Kulturschätze des Archivs bisher gut zu bewältigen. Wir gedenken der beiden Opfer des Unglücks. Ohne den Zusammenhalt und das Können vieler wäre die Aufbauarbeit der vergangenen zwei Jahre nicht möglich gewesen. Eine Riesenaufgabe steht allerdings noch vor uns – die Restaurierung der Archivalien. Denn geborgen heißt noch nicht automatisch gerettet. Dazu bedarf es auch der Unterstützung anderer. Ich hoffe, dass wir schnellstmöglich durch den Bau des Besichtigungsbauwerks hinreichende Erkenntnisse über die Ursache des Einsturzes gewinnen und damit auch die Frage der Verantwortung klären können. Das sind wir den betroffenen Menschen, an erster Stelle sind hier die beiden Opfer des Einsturzes zu nennen, schuldig.“

Anwohner und Betroffene

Durch den mutigen Einsatz von Mitarbeitern beteiligter Unternehmen und des Historischen Archivs konnten Besucher des Historischen Archivs, Passanten, Schüler und Anwohner so frühzeitig gewarnt werden, dass sie den unmittelbaren Gefahrenbereich verlassen konnten. Zwei Bewohner eines angrenzenden Wohnhauses verloren im zusammenstürzenden Gebäude jedoch ihr Leben.

Oberbürgermeister Jürgen Roters wird in Anwesenheit von Vertretern der Fraktionen des Kölner Stadtrates am Vorabend des Unglückstages, am Mittwoch, 2. März 2011, um 19:00 Uhr, mit einer Kranzniederlegung auf dem Gelände Waidmarkt der Toten gedenken.

36 Anwohner der Nachbarhäuser verloren ihre Wohnungen. Über 40 Mitarbeiter des städtischen Wohnungsversorgungsbetriebs kümmerten sich sofort um die persönlichen Belange der Betroffenen, über 500 Wohnungsangebote wurden geprüft. Alle erhielten sofort einen eigenen „Assistenten“. Die Betroffenen sind inzwischen mit neuem Wohnraum versorgt und weitgehend in ihrem neuen „Leben“ angekommen. Ängste sind bei vielen in unterschiedlicher Ausprägung geblieben. Von ursprünglich 180 Personen, die zunächst vom psychologischen Betreuungsteam der Feuerwehr, später vom Psychosozialen Dienst des Gesundheitsamtes betreut wurden, nehmen heute keine der vorhandenen Betreuungsangebote war. Wenige Einzelfälle benötigen noch privat organisierte Betreuung. Der von der Stadt Köln zur Unterstützung für die Betroffenen in allen Rechts- und Entschädigungsfragen vorgeschlagene Ombudsmann konnte seine Arbeit inzwischen beenden.

Das Gelände eines ehemaligen Nachbargebäudes wurde von der Stadt Köln angekauft, ein zweites Grundstück wird gemeinsam mit dem Eigentümer in eine geplante künftige Bebauung einbezogen.

Die finanziellen Entschädigungen für die unmittelbar Betroffenen wurden über die Kölner Verkehr-Betriebe (KVB) geregelt.

Als Entschädigung für die Beeinträchtigungen durch die laufenden Arbeiten an der Einsturzstelle hat die Stadt Köln finanzielle Vereinbarungen für die unmittelbar betroffenen 40 Anwohner getroffen. Über 150.000 Euro wurden zwischenzeitlich ausgezahlt. Zwischen der Stadt Köln und den Anwohnern besteht ein regelmäßiger Informationsaustausch, unter anderem mit bisher fünf Bürgerinformationsveranstaltungen. Die Belange des Quartiers incl. der Geschäftswelt auf der Severinstraße vertritt der von der Stadt Köln eingesetzte Veedelsmanager. Er ist Ansprechpartner und Verbindungsmann zwischen dem Viertel, KVB und Stadt Köln. Den Anliegern der Severinstraße kommt die inzwischen abgeschlossene Sanierung der Severinstraße zugute.

Schulen

Von den Folgen des Einsturzes sind auch betroffen die beiden benachbarten Schulen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und Kaiser-Augusta-Schule.

Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (FWG)

Die Generalinstandsetzung für das FWG wird von der Stadt Köln mit Priorität betrieben. Der ursprünglich angedachte Fertigstellungstermin, und damit verbunden der Rückzug der Schule zum Schuljahresbeginn 2011/2012, kann aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und der auftretenden Schwierigkeiten nicht gehalten werden. Der derzeitige Schwerpunkt der laufenden Arbeiten liegt in der Ertüchtigung des Tragwerks sowie der Fundamente. Das statische Tragsystem der Schule muss verbessert werden, auch um seine Erdbebensicherheit zu gewährleisten. Des weiteren sind die mit dem Denkmalschutz verbundene Arbeiten - so kann beispielweise die Wärmedämmung nur innenliegend angebracht werden - aufwendiger als bei sonstigen Vorhaben. Neue Hinweise auf vermutete Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg haben dazu geführt, dass nun mobile Bauten versetzt und bisher geplante neue Stützen geändert werden müssen.

Der gesamte Sanierungsprozess wird der Schulöffentlichkeit transparent gemacht. Die Schulpflegschaft und die Schulleitung sind an allen Gesprächen zur Baukoordination beteiligt.

Die Verwaltung geht nach jetzigem Planungsstand von einer Fertigstellung spätestens im Juni 2012 aus, bemüht sich aber um einen möglichst frühen Zeitpunkt.

Kaiserin-Augusta-Schule

Die Kaiserin-Augusta-Schule hat inzwischen ihren Ganztagsbetrieb aufgenommen. Dafür wurde auf dem Schulhof eine Fertigbaueinheit mit Großküche, geräumiger Mensa und vier Aufenthaltsräumen geschaffen. Zusätzlich werden im April 2011 sechs weitere Klassencontainer am Standort Georgstraße in Betrieb genommen.

Um den Raumbedarf der Schule langfristig zu decken, wurden die Planungen für einen Erweiterungsbau aufgenommen. Zurzeit wird ein Architektenwettbewerb vorbereitet. Mit den Ergebnissen des Wettbewerbs ist Ende des Jahres zu rechnen. Im Wettbewerbsverfahren ist die Schule beteiligt. Den umliegenden Schulen (Friedrich- Wilhelm-Gymnasium, Severinschule) wurde der Verfahrensstand und die anstehende Planung, die u.a. auch eine Teilfläche des ehemaligen Historischen Archivs einnimmt, Mitte Februar 2011 vorgestellt.

Archivalien und Bergung der Archivalien

Mit dem Einsturz vermengten sich über 30 Regalkilometer Archivgut mit den eingestürzten Wänden und Decken des Gebäudes. Das Gelände steht nach wie vor als Einsatzstelle unter der Aufsicht der Kölner Berufsfeuerwehr, die unterstützt von unzähligen freiwilligen Helfern anderer Feuerwehren und Hilfsdienste, die Erstbergung der Archivalien aus den ober- und unterirdischen Trümmerbergen vornahm.

Heute sind 90 Prozent der Bestände geborgen, davon 35 Prozent schwerst beschädigt, 50 Prozent mit schweren und mittleren Schäden und 15 Prozent mit leichten Schäden. Etwa fünf Prozent sind derzeit noch im Grundwasser, weitere 5 Prozent sind voraussichtlich vollständig verloren. Derzeit ruht die Bergung, bis die im Grundwasser liegenden Fundamentteile entfernt werden können.

Nach der Bergung der oberirdisch lagernden Archivalien hat die Stadt Köln für die Bergung unter Wasser für über 13 Millionen Euro ein technisch kompliziertes „Bergungsbauwerk“ errichten lassen, aus dem teilweise mit Schwerstgerät Archivalien, aber auch Trümmerstücke geborgen werden. Die aktuelle Bergungsphase läuft seit dem 24. November 2010 und erbrachte gute Ergebnisse mit 116 Gitterboxen, das entspricht 580 laufenden Regalmetern) voll Archivgut. Die aktuellen Fundstücke aus dem Grundwasser sind in unterschiedlichem Zustand, teilweise stark aufgeweicht, aufgequollen und in Stücken, teilweise vollständig im Block und insgesamt gut erhalten. Die Dokumente werden nach Erstsäuberung bei minus 30 Grad Celsius schockgefroren, später unter Vakuum aufgetaut. Bei diesem Vorgang geht das enthaltene Wasser sofort vom festen Zustand (Eis) in den gasförmigen Zustand (Wasserdampf) über. Daran schließt sich dann die weitere Behandlung wie Glätten, Fehlstellen schließen, etc., an. In Köln-Porz/Lind errichtet die Stadt derzeit ein eigenes Restaurierungs- und Dokumentationszentrum, das in wenigen Wochen den Betrieb aufnimmt. Seit dem Einsturz des Gebäudes arbeitet das Archiv bundesweit mit 20 Facharchiven zusammen, die das geborgene Archivgut fachgerecht aufgenommen haben. Die Kosten der Restaurierung der Archivalien werden derzeit auf 350 bis 400 Millionen Euro geschätzt.

In 30 bis 50 Jahren könnte das Archivgut wieder in gesicherten Zustand für die historische Forschung zugänglich sein, wenn 200 Restauratoren parallel daran arbeiten könnten.

Geborgen wurden unter anderem:

Urkunden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit oder Handschriften wurden in großen Teilen in der ersten Bergungsphase herausgeholt. In der aktuellen, letzten Bergungsphase wird überwiegend eine Mischung aus städtischen Akten des 20. Jahrhunderts und Nachlassteilen gefunden. Dazu gehören Baupläne, Gewerbeamtsakten, Konzessionsakten, Akten des Schulverwaltungsamtes, Stücke des Männergesangsvereins und der Cäcilia Wolkenburg, Stücke aus der Plankammer, darunter Pläne der Architekten Wilhelm Kreis und Erich Schneider-Wessling.

Neubau Historisches Archiv

Im Dezember 2010 hat die Stadt Köln den Architektenwettbewerb für den Neubau des Historischen Archivs am Eifelwall/Luxemburger Straße mit einem internationalen Teilnehmerwettbewerb gestartet. Dem Archiv werden künftig 20.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen, in dem Komplex werden außerdem die Kunst- und Museumsbibliothek einschließlich des Rheinischen Bildarchivs untergebracht. Die Kosten des Neubaus liegen bei circa 85 Millionen Euro.

Aus 200 Bewerbungen wurden insgesamt 45 Teilnehmer ermittelt, die bereits Mitte Februar 2011 die Auslobungsunterlagen erhielten. Das Preisgericht wird am 17./18. Juni 2011 über die Arbeiten entscheiden.

Fachbeirat zum Wiederaufbau

Zur Beratung des Historischen Archivs bei allen Fragen des Wiederaufbaus hat die Stadt Köln einen 16-köpfigen Fachbeirat initiiert. Unter dem Vorsitz des Präsidenten des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen, Prof. Wilfried Reinighaus, gehören dem Gremium Vertreter des Bundesarchivs, des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA), der großen Archive in Köln sowie weitere Experten der Universitäten Köln und Bonn sowie der Deutschen Forschungsgesellschaft an. Sieben Projektgruppen werden begleitet: Bestandszusammenführung, Restaurierung und Konservierung, Digitalisierung und Weiterentwicklung der Software, Öffentlichkeitsarbeit, Hilfekoordination, Betreuung der Nachlassgeber und Depositare, Neubau und Provisorisches Archiv. Bislang wurden sechs Konzepte in acht Sitzungen evaluiert und verabschiedet.

Bergungsbauwerk und Besichtigungsbauwerk

Zur Archivalienbergung unterhalb des Grundwassers entstand im Sommer/Herbst 2010 unmittelbar an der Schlitzwand des Gleiswechselbauwerks Waidmarkt unter besonders schwierigen Randbedingungen die sogenannte „Bergungsbaugrube“. Eine Baugrube innerhalb eines Einsturztrichters mit naturgemäß besonderer Bodenbeschaffenheit (16,5 x maximal 30 m). Insgesamt wurden 63 Bohrpfähle bis in rund 30 Meter Tiefe gebohrt. Für die Archivalienbehandlung wurde ein beheizbares Versorgungszelt errichtet. Das bisherige Aushubvolumen liegt bei rund 3.100 Kubikmetern, das entspricht ca. 500 LKW-Fuhren. Die aktuelle mittlere Aushubtiefe liegt bei 7,1 Metern unterhalb der Arbeitsebene. Im Januar 2011 wurden im Grundwasser Fundamentkörper des eingestürzten Stadtarchivs mit Einzelgwichten bis zu 40 Tonnen entdeckt, insgesamt 9 Einzelfundamente, 5 Stahlbetonstützen und ein großes Bodenplattenteil. Das Gesamtgewicht wird auf 170 Tonnen geschätzt. Bautaucher sind mit der Zerkleinerung unter Wasser mittels Seilsäge beauftragt, um die sperrigen Teile zu entfernen. Die Entfernung ist unverzichtbar, um mit dem Bau des geplanten außenliegenden „Besichtigungsbauwerks“ an dieser Stelle überhaupt beginnen zu können. Das Besichtigungsbauwerk soll entscheidende Untersuchungen der Staatsanwaltschaft an der Schlitzwand des Gleiswechselbauwerks und des Untergrunds ermöglichen, um Aufschlüsse über die mögliche Schadensursache und die daraus resultierende Verantwortung zu gewinnen. Das Gelände soll dazu Anfang Juli 2011 an den Bauherrn übergeben werden. Die Bauherreneigenschaft haben jetzt KVB und Stadt Köln im Auftrag de Gerichts übernommen. Außerdem müssen diese großformatigen Teile mit Blick auf eine künftige Nutzung der Bodenoberfläche entfernt werden.

Zukunft des Grundstücks Severinstraße

Die künftige Nutzung des Einsturzgeländes soll unter frühzeitiger und breiter Beteiligung der Kölner Bürger diskutiert und entschieden werden. Das Planungsdezernat der Stadt Köln hat dazu eine erweiterte Bürgerbeteiligung entwickelt. Am Dienstag, 12. April 2011, 19:30 Uhr, findet dazu eine öffentliche Informationsveranstaltung in der Piazzetta des Historischen Rathauses statt. Oberbürgermeister Jürgen Roters und Planungs- und Baudezernent Bernd Streitberger stellen die städtebaulichen Aspekte, die Fragen der zukünftigen Nutzungen der neu zu erstellen Gebäude an der Severinstraße und andere Aspekte zur Diskussion. Entsprechende Schautafeln und Pläne sind vom 12. April 2011 bis zum 21. April 2011 im Rathaus zu sehen. Noch vor den Sommerferien soll ein zweitägiger moderierter Workshop, zu dem bis zu 80 interessierte Bürger eingeladen werden können, Ergebnisse für die weiteren Planungen erarbeiten.

Zu den städtebaulichen Aspekten und Anforderungen, die an die Flächen des ehemaligen Archivs gestellt werden, gehören:

1. die dringend benötigte Erweiterung der Kaiserin-Augusta-Schule am Georgsplatz
2. die Schaffung eines Verbindungswegs zwischen Kaiserin-Augusta-Schule, Severinstraße und Friedrich-Wilhelm-Gymnasium.
3. Auswahl des Ortes und die Gestaltung des Gedenkens
4. Schließung der städtebaulichen Lücke an der Severinstraße mit der Möglichkeit, im Erdgeschoss Räume für publikumswirksame Nutzungen zu schaffen.

Rechtsverfahren und Schadenssumme

Die Stadt Köln geht von einer Gesamtschadenssumme für die Stadt Köln von mindestens 1 Milliarde Euro aus.

Zur Wahrung ihrer Rechte ist die Stadt Köln nach dem Unglück dem von der KVB unmittelbar gegen die Arbeitsgemeinschaft Nord-Süd Stadtbahn Köln Los Süd eingeleiteten selbständigen Beweisverfahren (Aktenzeichen 5 OH 1/10) vor dem Landgericht Köln als (Mit-) Antragstellerin beigetreten. Es wird Beweis erhoben über die Fragen:

1. Was ist die Ursache für den Einsturz?
2. Hätte sich das Unglück vermeiden lassen und wenn ja, durch welche Maßnahmen?
3. Liegt ein Verstoß gegen die anerkannten Regeln der Technik vor?

Zur Sicherung der finanziellen Ansprüche der Stadt Köln beabsichtigt die Stadt Köln außerdem die Einleitung eines weiteren separaten selbständigen gerichtlichen Beweisverfahrens zur Schadenshöhe gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen (zunächst die ARGE Nord-Süd Stadtbahn Köln Los Süd mit ihren ARGE-Partnern).

Außerdem sind fünf sogenannte „Leihgeberklagen bei Kölner Gerichten anhängig. Sie sind im Wesentlichen gerichtet auf die Feststellung der Schadenersatzpflicht der Stadt Köln für den Verlust und/oder die Beschädigung, bzw. Herausgabe des Bestandes, soweit er unbeschädigt ist. Drei Klagen wurden vom Landgericht Köln in erster Instanz abgewiesen. Das Oberlandesgericht Köln setzte die daraufhin eingelegten Berufsverfahren im Hinblick auf die laufenden Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Köln vorläufig aus. In den beiden anderen Klageverfahren, die noch in de ersten Instanz beim Landgericht anhängig sind, hat das Gericht jeweils das Ruhen des Verfahrens angeordnet. -is

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