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koeln.de

Tagesausflug ins historische Soest

Bei Rittern, Gauklern und Schurken

Der koeln.de-Ausflugstipp führt in die mittelalterliche Stadt Soest im nördlichen Sauerland. Auf einer familienfreundlichen Führung durch die historische Hansestadt begibt man sich auf die Spur von Rittern, Gauklern und Schurken.

Der beschriebene Rundweg beinhaltet einige Sehenswürdigkeiten des mit insgesamt 40 Hinweistafeln bestückten Altstadtrundgangs. Er ist bestens dafür geeignet, Soest auf eigene Faust zu entdecken. Zum Abschluss sei ein Abstecher zum Stadtwall empfohlen. Kinder haben Platz ihren Bewegungsdrang auszuleben, ein mit alten Bäumen gesäumter Weg erfreut das Auge, und viel Grün sorgt für Entspannung. Im Mittelalter umschloss dieser Wall die gesamte Altstadt. Heute existieren nur noch zwei Drittel der ehemals knapp vier Kilometer langen Barriere zum Schutz der Stadt.

Für Kinder wird ein spezieller Rundgang vom Osthofentor über den Wall angeboten, der von einem historisch gekleideten Rottmeister geführt wird und packende Geschichten zum Thema mittelalterliche Strafen, Stadtbefestigung und Fehden zu berichten weiß. Verkleidet mit mittelalterlichen Kostümen gehen die Kinder bei der Tour „Zeitreise ins Mittelalter“ an den Start und schlüpfen für zwei Stunden in die Haut eines Handwerkers, eines Nachtwächters oder vielleicht einer Nonne. Familien, die sich keiner Gruppe anschließen wollen oder können, erhalten in der Touristikinformation Material für eine Stadt-Rallye, die auf eigene Faust durchführbar ist und während einer Zeit von zwei bis drei Stunden spielerisch allen Beteiligten Soest näher bringt.

Wegbeschreibung:

Beginnen wir unseren Rundgang durch das historische Soest am Domplatz, mit etwas Glück ist Wochenmarkt, und man kann sich noch schnell mit leckeren Snacks eindecken. Hier im Herzen von Soest spürt man an jeder Ecke und in jedem Winkel die vielen Jahrhunderte, die diese Stadt schon auf dem Buckel hat, und dies ist keineswegs abfällig gemeint.

Soest gehörte zum Städtebund der Hanse und war Sprachrohr für kleinere Städte wie Attendorn, Arnsberg oder Olpe. Soest war ein Ort voller Macht, Einfluss und mit einem gefülltem Stadtsäckel. Als Resultat findet man einige herausragende Bauwerke im Stadtbild. Diese historischen Schmuckstücke sind eingefasst von einer nahezu vollständig erhaltenen mittelalterlichen Wallmauer.

Gehen wir auf Entdeckertour! Schon das Rathaus rechtfertigt eine umfangreiche Würdigung. Der ansehnliche Barockbau mit seiner neunbogigen Halle an der Westseite stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist heute Anlaufstelle für die Bürger der Stadt, ob nun geheiratet werden soll oder eine Open-Air-Veranstaltung im begrünten Innenhof stattfindet. Nach ein paar Schritten über das Kopfsteinpflaster gelangt man zum Eingang des St.-Patrokli- Domes.

Das über 1.000 Jahre alte Gotteshaus gehört zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken der Region. Wir laufen gemächlich durch den Dom und schauen uns um. Das sakrale Gebäude wurde im Jahre 1166 durch den Kölner Erzbischof Rainald von Dassel geweiht. Wir gehen vor zum Altar. Unter dem Altar sieht man den goldglänzenden, schön verzierten Schrein aus dem Jahre 1313 in dem die Reliquien des heiligen Patroklus aufbewahrt werden. Dahinter erhebt sich die Apsis mit einem riesigen Christusbild. Die ursprünglichen Malereien wurden im Krieg zerstört. Das heute zu sehende Kunstwerk entstammt den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein paar Schritte weiter befindet sich der Marienchor. Neben der ausdrucksstarken romanischen Wand- und Deckenbemalung ist besonders die anmutige Marienfigur aus dem 15. Jahrhundert zu bewundern. Ein aus Holz geschnitztes Schmuckstück der Gotik.

Ein Bullauge zum trinken

Wir verlassen den Dom und gehen geradeaus, lassen das Rathaus links liegen und befinden uns nun „Am Vreithof“. Rund um den kleinen Platz stehen urige Fachwerkhäuser mit Handwerkerläden und Cafés, die zum Draußensitzen einladen. Apropos Altstadt. Alljährlich am ersten Mittwoch nach Allerheiligen bis zum darauffolgenden Sonntag verwandelt sich die Soester Altstadt in eine bunte, laute und ausgelassene Arena mit einmaliger Atmosphäre. Hunderte von Schaustellern mit ihren High-Tech-Fahrgeschäften, aber auch Töpfer sind angereist und hauchen der größten Altstadtkirmes Europas Leben ein. Fünf Tage lang blinken und blitzen Tausende von roten, gelben, blauen Lämpchen vor der Kulisse jahrhundertealter Fachwerkhäuser und zaubern eine einzigartige Stimmung in die Gassen der alten Hansestadt. Die Erwachsenen gönnen sich zwischen Bratwurst und Zuckerstange eine typische Soester Spezialität, die für Stimmung und Feiern steht. Gemeint ist der Mokkalikör mit einem Schuss Sahne, der unter dem martialischen Namen „Bullauge“ für Furore in den Kehlen der durstigen Kirmesbesucher sorgt.

Wir befinden uns immer noch „Am Vreithof“. Wir halten uns rechts und gehen leicht bergab durch die Wiesenstraße und gelangen so zum „Großen Teich“, der sich links ausbreitet und im Winter nie zufriert, da er aus mehreren Quellen gespeist wird. Wem fällt die treppenartige, quietschgelb gestrichene Konstruktion am Weiher auf? Was hat sie für einen Zweck? Die so genannte Wippe am großen Teich ist ein Bestrafungsinstrument – im Mittelalter war es jedenfalls so. Schurken, die sich kleinerer Vergehen schuldig gemacht hatten, stieß man, oder besser wippte man vor den Augen der Öffentlichkeit in den Teich. In der Ferne ragen die zwei Türme von St. Maria zur Wiese in den Himmel empor. Rechter Hand findet sich ein sehr schönes Häuserensemble. Leider wird das Gesamtbild durch einen großen Parkplatz etwas getrübt, der allerdings zum Erkunden der Stadt sehr günstig gelegen ist.

Die berühmten Soester Grünsteinmauern

Unser Rundgang führt uns links in den Weg „Am Großen Teich“. Von hier aus sind es nur noch einige Schritte zum Theodor-Heuss-Park, der früher als Privatgarten genutzt wurde. Ein schöner Platz für die Kinder, um etwas zu Toben oder am Teich zu planschen. Auf der anderen Seite treffen wir auf die Teichsmühle aus dem 13. Jahrhundert, die heute die Touristikinformation beherbergt. Rechts gehen wir auf der Teichsmühlengasse durch einen steinernen Rundbogen immer an den berühmten Soester Grünsteinmauern entlang. Die Steine stammen aus Steinbrüchen südlich der Stadt. Wer mehr über den typisch Soester Grünsandstein erfahren möchte, sollte das Grünsandstein-Museum auf seine To-Do-Liste setzen.

„Am Loerbach“ biegen wir links ab. Wir halten kurz inne und lassen die vor uns liegende Gasse mit ihren schönen Fachwerkhäusern auf uns wirken. Der linker Hand ruhig dahinfließende Loerbach erinnert an die Zeiten, als Gerber hier ihrer Arbeit nachgingen und das Brot für ihre Familien verdienten. Steinreich wurden nur die wenigsten. Warum heißt es eigentlich „steinreich“? Vor uns sehen wir eine Reihe gut erhaltener und instandgesetzter Fachwerkhäuser. Die Gefache, also die Räume zwischen den Balken, mussten gefüllt werden, um das Haus zu isolieren und gegen Wettereinflüsse zu schützen. Damit es in der guten Stube nicht zog und man im Winter nicht fror, benutzte der einfache Bürger meist Lehm und Weidengeflecht zum Stopfen der Hohlräume. Nur wer reich war, konnte es sich leisten, statt Lehm Steine zu verwenden, die natürlich viel robuster und langlebiger waren. Also war er „steinreich“.

Das "Westfälische Abendmahl"

Wir gehen weiter und erreichen über die nächste Straße links die Kirche St. Maria zur Wiese, von den Soestern und Besuchern oft als die schönste Kirche der Stadt bezeichnet. Ein Blick in das spätgotische Gotteshaus offenbart eine helle, lichte, bis 27 Meter hohe Halle. Die von weither sichtbaren Türme entstammen nicht der Gotik, sondern sind erst seit Ende des 19. Jahrhunderts zu bewundern. Im Inneren zieht besonders ein Fensterbild über dem Nordportal das Interesse auf sich. Das um 1500 erschaffene „Westfälische Abendmahl“ zeigt Jesus und seine Jünger und überrascht durch die Darstellung westfälischer Spezialitäten: Auf den Tisch kommen Schinken, Schweinskopf, Pumpernickel so wie Bier und Schnaps.

Zur Kirche St. Maria zur Höhe gelangen wir über die Wiesenstraße und bergauf durch die „Hohe Gasse“. Dieses Bauwerk ist in seinen baulichen Ausmaßen nicht vergleichbar mit dem zuvor gesehenen. Dennoch beherbergt die um 1200 erbaute Kirche einige sehenswerte, seltene Kostbarkeiten. Zu nennen ist das ebenfalls um 1200 erschaffene Scheibenkreuz, als das älteste portable Kunstwerk der Stadt. Nicht zu vergessen das die Leidensgeschichte Jesu zeigende Altarbild, das als das einzige westfälische Kalvarienberg-Bild gilt. Vor der Kirche führen Treppenstufen nach rechts in die „Kleine Osthofe“. Im Sommer begrüßen duftende Rosen den Spaziergänger.

Am Ende des Weges treffen wir wieder auf den Parkplatz am „Großen Teich“. Anhand der markanten Türme von Dom und Petri-Kirche, zudem begleitet durch Glockengeläut findet man leicht zurück zum Ausgangspunkt am Rathaus.

Der Tagesausflug stammt auszugsweise aus:

Erlebnis Sauerland
Ausflugstipps für die ganze Familie

Thilo Scheu
192 Seiten mit 175 farbigen Abbildungen und einer Karte
12 cm x 20,5 cm, kartoniert

Erschienen im Bachem-Verlag
14,95 Euro (ISBN: 978-3-7616-2198-1)

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Anfahrt: Von Köln die A 3 bis AK Leverkusen, dort auf die A 1 bis AK Dortmund/Unna, dann die A 44 Richtung Werl bis zur Ausfahrt Soest und der Ausschilderung zur Soester Innenstadt folgen.

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