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Ein Jahr Köln (41) - 2. Oktober 2013

Facebook ist die neue Domplatte, meint Konrad Beikircher

Von

Ein Jahr Köln mit Edgar Franzmann - Do liss de an der Ääd
Nach 44 Jahren als Journalist und Autor geht koeln.de-Chefredakteur Edgar Franzmann Anfang Dezember 2013 in Rente, Anlass für die Kolumne „Do liss de an der Ääd!". Ein Jahr lang, immer mittwochs, erzählt Franzmann über „sein“ umwerfendes Köln. Lesen Sie heute die 41. Folge.

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Für manche ist das Internet ja immer noch "Neuland", um so schöner, wenn man dort plötzlich jemanden trifft, den man in der analogen Welt seit längerer Zeit nicht mehr gesehen hat. So erging es mir mit Konrad Beikircher, laut Jürgen Becker "Der Erfinder des Rheinlands", auf jeden Fall Erfinder des Kölschen Grundgesetzes:
1. Et es wie et es.
2. Et kütt wie et kütt.
3. Et hätt noch immer jot jejange.

Beikircher, Bonner mit südtiroler Migrationshintergrund, ist nämlich seit einem Monat auch auf Facebook. Der Kabarettist besitzt nicht nur eine "Fanpage" mit einem Foto von sich am Computer inmitten seines idyllischen Gartens, sondern auch eine private Facebook-Seite mit inzwischen über 1000 Freunden.

Wir kennen uns aus meiner Zeit beim Sonntag-EXPRESS, als Beikircher regelmäßig Kolumnen für uns schrieb. Ob er sich erinnert? Ich schickte ihm eine "Freundschaftsanfrage", er antwortete prompt. Und am nächsten Morgen schmunzelte ich über seinen Eintrag:

"Also ich sitze da, will antworten, weiß überhaupt nicht, wie ich eine Antwort gesendet bekomme, muss erst meinen wundervollen Sohn Tim fragen, der mir das alles eingerichtet hat und staune darüber,. dass die ganzen Melatenblonden, die mit mir sich hier tummeln, das offenbar alles können,

SEID MIR NICHT GRAM, wenn es etwas dauert, ich bin ja besten Willens, hier bei fb 'parat' zu kommen, und finde es übrigens megaspannend, wen ich da alles treffe, das ist einfach toll. So, als gingst du über die Domplatte in Köln und plötzlich steht das halbe Leben vor dir, toll.

Ich weiß jetzt überhaupt nicht, ob das jetzt - was ich hoffe - alle lesen können oder nur die privaten Kontakte, ich drück mal die Knöppe und gucken, gell! Gebt mir noch zwei, drei Tage, dann wird das schon gehen. Und sollte ich jemanden vergessen, ignoriert oder nicht berücksichtigt haben: Demut, Reue, Kniefall..."

Ich bin ganz sicher: So beginnen Facebook-Karrieren.

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Kölns erfolgreichster Repräsentant auf Facebook ist unangefochten Fußballstar Lukas Podolski. Der freute sich in dieser Woche über mehr als zwei Millionen Fans. Wahnsinn!

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Es ist genau 18 Jahre her, dass ich beruflich mit dem Internet zu tun habe. Im Herbst 1995 entwickelte ich die ersten Ideen für das Webportal www.express.de, das im Frühjahr 1996 online ging. Im Jahr 2000 wechselte ich dann zu NetCologne und begann mit dem Aufbau des Stadtportals www.koeln.de.

Mir war frühzeitig klar, dass das Web die Medienlandschaft verändern würde und die Zeitungen sich auf die neue Konkurrenz einstellen müssten. Ich habe aber nie daran gezweifelt, dass Zeitungen sich behaupten würden, so wie sie es früher erfolgreich gegen Funk und Fernsehen geschafft hatten.

Ich liebe Zeitungen. Ich lese jeden Tag mindestens vier verschiedene Print-Titel. Oft hole ich mir die Zeitung von "morgen" schon abends am Büdchen oder beim Straßenverkäufer. Wer meine Kölner Kriminalromane kennt, weiß, dass mein Held Georg Rubin als Chefreporter des "Blitz" für einen lesernahen Journalismus kämpft.

Inzwischen aber sehe ich die Zukunft der Zeitung nicht mehr so optimistisch, und das liegt daran, dass ich den Eindruck gewonnen habe, dass die Zeitungsmacher selbst nicht mehr an sich glauben.

Erst verkaufte Springer seine traditionellen Zeitungstitel, jetzt sorgt sogar das Jahrhunderte alte Verlaugshaus DuMont Schauberg für beunruhigende Nachrichten. Am Stammsitz Köln werden zehn Prozent der Belegschaft entlassen, außerdem werden  Anzeigenverkauf, Zeitungsverkauf und Verlagswerbung in eine Tochtergesellschaft ausgelagert.

In Berlin, wo DuMont u.a. die "Berliner Zeitung" und den "Kurier" herausgibt, wurde jetzt der Haustarifvertrag gekündigt, der die Gehälter an die bundesweiten Tarifverträge gekoppelt hatte.

Dass ausgerechnet DuMont ausschert, ist umso gravierender, weil Alfred Neven DuMont früher Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Zeitungsverleger war und sein Mitgesellschafter Helmut Heinen ("Kölnische Rundschau") es heute noch ist. Damit sind quasi die höchsten Vertreter der Tarifpartner auf Arbeitgeberseite aus dem Tarifvertrag ausgestiegen.

Man kann sich auch totsparen.

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Wo sind die Studenten hin? Wo sind sie geblieben? Wegen der "doppelten" Abiturjahrgänge wurde ein gigantischer Ansturm auf die Universitäten erwartet.

Und jetzt? Anmeldezahlen (fast) wie immer. Als ob ein ganzer Jahrgang von irgendeinem geheimen Rattenfänger verschleppt worden wäre.

Die FH Köln meldet bei den Studienanfängern nur ein Plus von 1,5 %, die Uni Köln immerhin von 11,6 %, während an der Sporhochschule ein Minus von 11,6 Prozent und an der Musikhochschule sogar ein Minus von 20,3 Prozent verzeichnet werden.

Doppelt ist jedenfalls anders.

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Was ist, wenn zehn Studenten im Hörsaal sind, aber elf am Ende der Vorlesung den Hörsaal verlassen? Dann weiß der Mathematiker: Wenn jetzt einer wieder reingeht, ist niemand mehr drin.

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Vielleicht ist aber auch alles ganz anders. Vielleicht haben die Abiturienten sich umorientiert, sind Facharbeiter und Schreiner geworden, oder, um zum Ausgangspunkt der Kolumne zurückzukommen, gründen alle irgendwelche Internetunternehmen. Und vielleicht startet einer sogar gerade eine neue Zeitung.

In diesem Sinne, bis nächste Woche.

 

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