Auf 22 Quadratmetern erzählt jeder Zentimeter in der Casa Flamenca von andalusischem Temperament und Tanz. Das 1991 eröffnete Geschäft war das erste seiner Art in Deutschland und ist hinsichtlich seiner Auswahl bundesweit immer noch konkurrenzlos.
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La Casa Flamenca es realmente una casita flamenca. Eigentlich ist die Casa Flamenca nur ein kleines Geschäft. Doch auf 22 Quadratmetern und zwei Ebenen in dem Laden in einer Nebenstraße am Barbarossaplatz erzählt quasi jeder Zentimeter von andalusischem Temperament und fließend-bunten Tanzkostümen. Das im April 1991 eröffnete Flamenco-Geschäft war das erste seiner Art in Deutschland und ist hinsichtlich seiner Auswahl immer noch bundesweit konkurrenzlos. Inhaberin Teodora Cambron („Ich habe den Flamenco im Blut.“), die den Laden inzwischen zusammen mit ihrer Tochter Teodora Palomar betreibt, führt selbstgeschneiderte Kleider und Kostüme sowie sämtliche Accessoires, die Flamenco-Tänzer benötigen.
Über dem Durchgang vom kleinen Empfangsraum zum Umkleidebereich und dem Aufgang zu Cambrons Nahstübchen hängt ein gerahmtes Foto von einer 16-köpfigen Flamenco-Gruppe in rot-schwarzen Kostümen. Teodora Cambron hat die Kleider dafür Ende der 1980er Jahre genäht. Die spanische „Carmen“-Adoption von Carlos Sauro aus dem Jahr 1983 hatte auch in Köln einen Flamenco-Boom ausgelöst. Spanische Gruppen trugen in den spanischen Zentren der Domstadt Tanzwettbewerbe aus. „Eine Tänzerin erzählte mir, wie schwierig es sei, in Deutschland an die Kostüme zu kommen.“ Die Idee zu Casa Flamenca war geboren. Bis heute stammen die Utensilien, die die Tänzer von Kopf bis Fuß einkleiden, direkt aus Spanien, auch die Stoffe für die selbst genähten Kleider sind spanischer Herkunft.
Teodora Cambron stammt aus Andalusien, aus der südspanischen Region, die unter anderem für den Flamenco berühmt ist. Schon in ihrer Kindheit kommt sie mit dem ausdrucksvollen Tanz in Berührung – durch ihr Kalé-stämmigen Mitschüler, einer Roma-Untergruppe, in Spanien Gitanos genannt, die den Flamenco so prägen. Als Kind versucht Teodora Cambron, unter ihre Schuhe Korken zu kleben, um damit den für Flamenco eigenen Rhythmus zu schlagen. „Das hat leider nicht richtig funktioniert“, erinnert sie sich. „Ich habe immer davon geträumt, einmal selbst professionell Flamenco zu tanzen. Aber unsere Familie konnte sich das nicht leisten.“ Zu Beginn ihrer Selbständigkeit in Köln führte Cambron ein paar Röcke, Stoffblumen und einige wenige Anfänger-Modelle bei den Schuhen. Mittlerweile ist in dem kleinen Geschäft in der Weyerstraße 100 quasi jeder Zentimeter genutzt. Auf den Stangen hängen etwa 100 verschiedene Röcke, dazu allein fünf professionelle Schuh-Modelle, Tanzkleidung für das Training, für Wettbewerbe, Paseo-Kleider, Hüte, Fächer, Tücher, Kastagnetten, Tanzstöcke, Ohrringe, Haarkäme, CDs, DVDs. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Teodora Palomar.
Kostümreise von Köln in die Dresdner Staatsoper
Beim Betreten des Geschäftes hören die Kunden, typischerweise Deutsche im Alter zwischen 35 und 50 Jahren, das Surren von Teodora Cambrons 30 Jahre alter Pfaff-Nähmaschine über sich. Mit Einzug in den früher als Friseur-Salon genutzten Laden hat die Andalusierin, die ihr Handwerk bei einem Schneider in Madrid lernte, gestützt durch Holzbalken eine zweite Ebene einziehen lassen, um dort ihre Maßanfertigungen zu nähen. Flamenco-Tänzer stellt man sich schlank vor – aber auch die Flamenco-Schneiderin Cambron muss schlank bleiben. Sonst käme sie gar nicht mehr über die mit Stoffrollen vollgestellte schmale Holztreppe in ihr Nähzimmer, wo Stoffreste, Bestellzettel und Schnittmuster kaum noch Tageslicht hinein lassen. Teodora Cambrons kleine Flamenco-Welt nahe des Barbarossaplatzes.
Mittlerweile macht der Flamenco-Laden etwa 70 Prozent des Umsatzes das Geschäft mit dem Online-Shop, den Tochter Teodora Palomar seit 2009 startete. Zu den Kunden gehören aber nicht nur Flamenco begeisterte Privatpersonen aus Deutschland und den Nachbarländern. Auch die Dresdner Staatsoper, die Theater in Dortmund und Oberhausen oder die Bregenzer Festspiele beziehen ihre Flamenco-Kostüme von der Casita am Kölner Ring.
Stoffe und Volants zuschneiden, zusammennähen, Verfeinerung mit Spitze und Bordüre – zwei Tage Arbeit benötigt, Teodora Cambron, um ein maßgeschneidertes Kleid zu nähen. Als sehr traditionell beschreibt sie ihren Stil. Schwarz mit roten Punkten, mit vielen Volants. „Mit viel Weite, damit man mit den Kleidern gut tanzen kann.“ Was ist das Faszinierende an dem Tanz, den Teodora Cambron seit ihrer Kindheit liebt? „Die Leidenschaft, der Ausdruck, die Körpersprache, die Liebe zum Detail.“ (sar)
Adresse Weyerstraße 100, 50676 Köln
Im Stadtplan | Öffnungszeiten
Mo bis Fr 9 -14 Uhr, 15 - 19:30 Uhr, Sa 10 -15 Uhr | ÖPNV Barbarossaplatz Zur Fahrplanauskunft Telefon 0221 – 24 90 69
E-Mail info@casaflamenca.de
Webseite www.casaflamenca.de
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