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Eher Korallenriff als Blumenmeer

111 Kölner Orte: Der Rosengarten im Fort X

»Mit ihm also tanzte Leni schätzungsweise zwölfmal (...), bevor sie gegen ein Uhr früh sich von ihm in einen unweit gelegenen, in einen Park verwandelten Festungsgraben entführen ließ«, schreibt Heinrich Böll in seinem Roman »Gruppenbild mit Dame«.


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Jener Festungsgraben, in dem es zum Tête-à-Tête kam, gehört zum preußischen Fort X am Neusser Wall, und die Hülchrather Straße, in der der Kölner Nobelpreisträger von 1969 bis 1982 wohnte, führt genau darauf zu. Schon zu Bölls Zeiten existierte auf dem Dach der Anlage jener Rosengarten, der den Bewohnern des Agnesviertels bis heute als Ort der Besinnlichkeit und Verlustierung dient.

Das »Fort Wilhelm von Preußen«, wie es auch genannt wird, entstand zwischen 1819 und 1825. Nach dem Ersten Weltkrieg rettete Konrad Adenauer es vor der Schleifung. Der erklärte Rosenliebhaber war es auch, der die Einrichtung des Gartens anregte. Die eindrucksvollen Reste des Bollwerks betritt man durch das »Enyeloppen Thor«.

Von dort aus geht es steil bergan auf den einst kasemattierten Wall, bevor sich der Blick auf die symmetrisch gegliederten und auf verschiedenen Ebenen angepflanzten Beete öffnet.

Die Floskel vom »Blumenmeer« greift hier durchaus, wenn auch die Farbenpracht und Dornen der hier gezüchteten Pflanzen eher an ein bunt schillerndes Korallenriff erinnern. Über siebzig Rosensorten wachsen hier einträchtig nebeneinander, unter ihnen so eigenwillig getaufte Hybridzüchtungen wie die »Peter Frankenfeld«, die »Blue River« oder die »Hamburger Deern«.

Das Fort mit den umliegenden Grünflächen wurde im Jahr 2008 zum »Hilde-Domin-Park« zusammengefasst. Mit dieser Namensgebung ehrt Köln ein weiteres literarisches Kind der Stadt. Die Lyrikerin wurde hier 1909 geboren und lebte bis zu ihrer Emigration 1932 in der nahe dem Fort gelegenen Riehler Straße. 

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bestellen.

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