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111 Kölner Orte

Kölscheste aller Kölschkneipen: das Lommerzheim

Als der amerikanische Präsident Bill Clinton anlässlich des Weltwirtschaftsgipfels eine authentische Kölner Traditionskneipe besuchen wollte, riefen seine Begleiter in Deutz beim Lommerzheim an. Und was hat Hans »Lommi« Lommerzheim geantwortet? – »Nä, dat jeit nit!«, weil seine Stammgäste wegen der drohenden Sicherheitsvorkehrungen hätten draußen bleiben müssen.

Die – historisch belegte – Anekdote ist insofern typisch für diese Gaststätte, als ihr Wirt stets als überaus wortkarg und konsequent galt. Im Lommerzheim machte man keine Unterschiede zwischen Präsidenten, Managern oder Arbeitern. Bedient wurde, wer da war, und das waren so einige.

Tag für Tag bildeten sich auf der Siegesstraße die Schlangen jener Kölsch-Enthusiasten, die die besten der wenigen Plätze ergattern wollten. Fünfundvierzig Jahre lang, von 1959 bis 2004, führten Lommi und seine Frau Annemie ihre weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Kneipe.

Kultstatus genoss neben den Marotten des Chefs und den gigantischen Koteletts auch das Gebäude selbst. Der äußerlich verwahrloste Flachbau bestach mit einem gemütlichen, geradezu musealen Interieur, die letzte Renovierung datierte auf das Jahr 1961.

Bildergalerie: Gaststätte Lommerzheim, kurz "Lommi" genannt

Kein Museum sondern echte Kneipe

Als Lommerzheim die Wirtschaft 2004 schloss, bat das Rheinische Freilichtmuseum in Kommern darum, das komplette Gebäude Stein für Stein auf sein Gelände verpflanzen zu dürfen. Lommi lehnte das Gesuch genauso ab wie ein ähnlich lautendes des Kölner Stadtmuseums. Nach seinem Tod 2005 drohte der Gaststätte zeitweise der Abriss, zu veraltet waren Küche und sanitäre Anlagen.

Dass hier seit 2008 doch wieder Kölsch fließt, ist der Brauerei Päffgen zu verdanken, bei der Hans Lommerzheim nach dem Krieg als Köbes angefangen hatte. Um das historische Ambiente zu bewahren, ging man bei der Renovierung äußerst behutsam vor. Und so gilt weiterhin Lommerzheims Standardantwort auf die Frage, wie es hier wohl einstmals ausgesehen haben mag: »Hell.«

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bestellen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.

Adresse: Siegesstraße 18, 50679 Köln-Deutz (Stadtplan)

Bildergalerie: Wiedereröffnung des Lommerzheim 2008

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