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We are all Detroit - Vom Bleiben und Verschwinden

  • Land
    Deutschland
  • Länge
    119 Minuten
  • Jahr
    2021
  • FSK
    o.A.
  • Regie
    Michael Loeken, Ulrike Franke
  • Genre
    Dokumentarfilm

In diesem Dokumentarfilm werden Parallelen zwischen Detroit und Bochum gezogen. Das Leben in beiden Städten war von der Automobilindustrie geprägt und nahm, nach dem Wegfall dieses wichtigen Wirtschaftszweiges, eine ähnliche Entwicklung. Der Zuschauer lernt in beiden Städten sowohl Einwohner kennen, die von den Auswirkungen dieses Wandels unmittelbar betroffen sind, als auch die Akteure, die hinter diesem Wandel stehen.

Bewertung durch die FBW

In ihrem Film lassen sich Franke und Loeken Zeit, um ihr Publikum auf ihre Reise in die zwei Regionen mitzunehmen, die mit dem Wegfall großer Wirtschaftszweige und Betriebe ihrer stärksten Einnahmequellen beraubt wurden und seitdem einer krassen Veränderung unterworfen sind. Den erzählerischen Fokus legen die Filmemacher*innen auf die Menschen, die mit diesem Wandel umgehen müssen. Da gibt es das Ehepaar in Detroit, das sich weigert, sein Haus aufzugeben, auch wenn in der Nachbarschaft nur noch ein Drittel der Häuser überhaupt bewohnt sind. Die Beiden kämpfen um ihr Viertel, betreiben Urban Gardening, besuchen mit ihrer Produktion Wochenmärkte und bauen sich eine neue Existenz auf. Da ist das ältere Ehepaar in Bochum, das mit Sorge auf den Neubau eines Paketzentrums auf dem Opel-Gelände blickt - denn mit der Neubebauung sollen auch Akazienbäume weichen, die schon seit Ewigkeiten dort stehen. Und für die nunmehr eine Bürgerbewegung zur Erhaltung gegründet wurde. Franke und Loeken lassen in ihrem erzählerischen und visuellen Konzept immer wieder Platz auch für kleine feine Beobachtungen, die zwischen augenzwinkerndem Humor und berührender Tragik wandeln. So fangen sie mit fast stehenden Zwischenbildern die ohrenbetäubende Stille von Industrieruinen ein, filmen im leer stehenden Opel-Mutterhaus die Hinterlassenschaften deutscher Büroästhetik und lassen die verlassenen Häuser in Detroit wie Geister erscheinen. Das alles ist pointiert montiert und mit passendem Score unterlegt. Gefüllt werden Bilder mit echten Emotionen, wenn beispielsweise Kollegen aus dem Opel-Werk durch ihre Halle laufen, in der sie teilweise jahrzehntelang gearbeitet haben und die nun, kurze Zeit später, als Abrissstaub am Boden endet. WE ARE ALL DETROIT erzählt die Geschichte zweier Städte. Doch viel mehr noch erzählt der Film von Menschen, die in diesen Städten ihr Zuhause haben. Und nun miterleben und mitgestalten, wie sich in ihnen alles wandelt....mehr

Diese Rezension wurde von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden verfasst.