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Je suis Karl

  • Land
    Deutschland
  • Länge
    126 Minuten
  • Jahr
    2021
  • FSK
    12
  • Regie
    Christian Schwochow
  • Darsteller
    Luna Wedler, Jannis Niewöhner, Milan Peschel
  • Genre
    Drama

Nach einem Bombenanschlag versucht Maxi wieder auf die Beine zu kommen. Sie ist direkt betroffen, denn sie hat ihre Mutter und ihre zwei jüngeren Brüder verloren. Durch Zufall lernt sie Karl kennen, einen charismatischen Studenten, der in einer politischen Bewegung aktiv ist. Maxi sieht in ihrem Engagement für die Bewegung eine Möglichkeit, ihren Schmerz zu verarbeiten. Die Gesinnung ihrer neuen Freunde ist jedoch extremer, als sie erwartet.

Bewertung durch die FBW

In seinem neuen Film zeigt Christian Schwochow auf, wie die Verführungsmechanismen von radikalen Gruppen funktionieren. Dabei erzählt er aus der Perspektive der Verführten und des Verführers gleichermaßen, was auch uns Zuschauer*innen immer wieder in die Geschichte hineinzieht und uns die Frage stellen lässt: Wie würde man sich selbst verhalten? Durch geschickte Plot-Twists fügen Schwochow und sein Drehbuchautor Thomas Wendrich nach und nach neue Ebenen hinzu, was der Geschichte Tiefe und Ambivalenz verleiht. Das Publikum wird so hineingezogen in den Sog der sich zuspitzenden Handlung. Jannis Niewöhner spielt Karl als eine charismatische Verführerfigur, die das Gift der Verunsicherung und Militarisierung langsam aber sicher in die Gefolgschaft träufelt. Bis nichts mehr da ist außer der Bereitschaft, die Säulen der Rechtsstaatlichkeit zu kippen und eine neue Weltordnung zu etablieren. Milan Peschel als Maxis Vater verkörpert empathisch einen Mann, der vor Schmerz unfähig ist, zu handeln, und dennoch alles tun will, um seine Tochter vor dieser Radikalisierung zu bewahren. Und Luna Wedler beweist als Maxi einmal wieder, dass sie zu den absoluten Ausnahmetalenten einer jungen Darstellerriege gehört. In ihrem Spiel durchmischen sich Angst, Trauer und eine unbändige Wut auf einen scheinbar eindeutigen Feind. Sie will aber auch einfach dazugehören. Schwochow wählt Maxi als pars pro toto für viele Menschen der jungen Generation, die gerade in aktuelle Zeiten nach Halt sucht - und ihn da findet, wo sie für eine irrgeleitete Ideologie missbraucht wird. Eine kluge Montage, eine dynamische Kamera und ein atmosphärischer Score und Soundtrack machen JE SUIS KARL zu einem kraftvoll-sinnlichen Albtraum. Der uns fiktional mitnimmt in eine europäische Bewegung, die schon längst in vieler Hinsicht Realität geworden ist....mehr

Diese Rezension wurde von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden verfasst.