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Bilder von Kurtisanen und Sumo-Ringern

Museum für Ostasiatische Kunst zeigt unbekannte Schätze

Rund 2.000 japanische Druckgrafiken – Einzelblätter und Bücher – besitzt das Museum für Ostasiatische Kunst. Erst vor fünf Jahren begann ihre systematische wissenschaftliche Erforschung. Die 360 schönsten Stücke werden jetzt, zum Teil erstmals, ausgestellt.

Es ist ein Streifzug durch eine unbekannte Welt – nicht nur was die Motive betrifft, sondern auch die Blätter selber. Rund 40 Prozent der Sammlung seien Arbeiten, die in keiner wissenschaftlichen Schrift erfasst seien, also wahre Neuentdeckungen, so Matthi Forrer, Experte aus den Niederlanden und führend bei der Bearbeitung der Sammlung.

 

Zu sehen sind nun Arbeiten aus der Hochzeit der japanischen Holzschnittkunst im 18. und 19. Jahrhundert. Thematisch aufgeteilt, sieht der Besucher, was die Käufer und Sammler dieser Arbeiten früher vor allem interessierte: Landschaften und Städtebilder, Tiere und Blumen, Porträts von Schauspielern und Sumoringern, aber auch Motive aus „Vergnügenshäusern“ und Bilder der dort arbeitenden „schönen Frauen“. Anders als bei einer Ausstellung vor einigen Jahren fehlen diesmal allerdings die eindeutigen erotischen Liebesszenen.

Es gibt wahre Wimmelbilder etwa von einem Pferderennen und großzügige Einzelporträts. Geschäftsleute verteilten Jahresgrüße. Die Geisterwelt wurde illustriert, gewonnene Kriege in spektakulären Bildern gefeiert. Und zwischen den vielen unbekannten Arbeiten darf natürlich Katsushika Hokusais im Westen wohl bekanntester Holzschnitt nicht fehlen: Kleine Fischerboote, die sich durch meterhohe Wellen kämpfen – und im Hintergrund ragt der heilige Berg Fujiyama auf.

Holzschnitte wie Fußball-Bildchen gesammelt

Die Holzschnitte kommen vorwiegend aus Edo (heute Tokio), damals bewohnt von einer reichen, vergnügungssüchtigen Bevölkerungsschicht. Die sammelte etwa die Porträts der Schauspieler - so wie heute Fußballer-Bilder begehrt sind. Und wenn es sich nur um aufwändige Prägedrucke oder mit Farbstaub behandelte Arbeiten handelte, waren sie äußerst preisgünstig. Auf umgerechnet heute drei Euro schätzt Forrer ihren damaligen Wert.

Möglich war dies durch hohe, mehrere tausend Exemplare erreichende Auflagen. In Japan wurden – anders als in Europa – keine Druckpressen gebraucht, die den Druckstock nach etwa 300 Druck unbrauchbar gemacht hatten. Stattdessen wurde die Farbe durch Handarbeit vom Holz aufs Papier „gedrückt“. In einer Vitrine sind nicht nur Druckstöcke, sondern auch das Handwerkszeug zu sehen. Auch Entwürfe zu den Grafiken gibt es zu bestaunen.

Dromedare sicherten den Lebensunterhalt

Auch ein ganz besonderes Kapitel niederländisch-japanischer Liebesbeziehung ist hier dokumentiert. Das Verhältnis des Handelskapitäns Jan Cock Blomhoff Anfang des 19. Jahrhunderts mit einer japanischen Kurtisane war nicht ohne Folge geblieben: Um der Geliebten und dem Kind ein Auskommen zu sichern, hatte er aus Arabien zwei Dromedare nach Japan gebracht. Diese wurden als Sehenswürdigkeit übers Land geschickt – wer sie sehen wollte, musste zahlen. Dafür wurde fleißig geworben.

Den Grundstock für die Sammlung hatte das Museumsgründer–Ehepaar Adolf und Frieda Fischer vor über 100 Jahren gelegt. Die Wirren zweier Kriege verhinderten eine gründliche Bearbeitung. In den 1920er Jahren wurden Arbeiten verkauft, um wissenschaftliche Literatur erwerben zu können. Nach 1945 musste das Museum lange auf ein eigenes Haus verzichten, das dann vor 40 Jahren am Aachener Weiher eröffnet wurde.

Die wiederentdeckten Schätze werden in einem kiloschweren Katalog beschrieben. Der ist allerdings auf Englisch – „notwendigerweise“, betont Hausherrin Adele Schlombs, um den internationalen Stellenwert der Kölner Institution zu unterstreichen. (js)

„Das gedruckte Bild – Die Blüte der japanischen Holzschnittkultur“ – bis 1. Juli 2018, Museum für Ostasiatische Kunst, Aachener Straße, Di-So 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11-22 Uhr, Mo geschlossen. Eintritt: 9,50/5,50 Euro, Katalog, 39,80 Euro

(zuletzt aktualisiert: 1. März 2018 - 10:04 Uhr)

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