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Europäische Reisediplomatie und Kolonialismus in Fernost

Brennpunkt Asien

Termin: 28.05.2021 - 13.02.2022
Tickets: 7 Euro, ermäßigt 4 Euro
Ort: Museum für Ostasiatische Kunst

Bis zum 13. Februar 2022 präsentiert das Museum für Ostasiatische Kunst (MOK) "Brennpunkt Asien. Europäische Reisediplomatie und Kolonialismus in Fernost". Die Ausstellung sollte eigentlich im August 2021 enden und wurde wegen des großen Erfolges verlängert. Die Schau widmet sich Reiseberichten vom 17. Jahrhundert bis zur Kolonialzeit und wird durch Porzellan, Malerei, Lackkunst sowie Textilien ergänzt, die den Kulturaustausch zwischen Europa und Ostasien illustrieren.

 

In China oder Japan könnte diese Ausstellung kaum gezeigt werden, denn viele Objekte wurden von vornherein für die Europäer gefertigt. Auch würde man in China oder Japan die eigene Geschichte kaum in den europäischen Reiseberichten des 17. bis 19. Jahrhunderts verorten. Für Europa hingegen sind diese Quellen von großem Interesse, weil sie zeigen, was unsere Vorfahren im Lauf der Geschichte über diese Länder gedacht haben, und wie sie von Asiaten und Asiatinnen wahrgenommen wurden.

Die illustrierten Berichte der europäischen Missionare, Kaufleute, Forscher und Abenteurer inspirierten im 17. und 18. Jahrhundert die Philosophen der Aufklärung, denn sie lieferten den Beweis, dass es im Fernen Osten hochzivilisierte Länder mit einer gebildeten Bevölkerung gab - in denen Religionsfreiheit ebenso wie die Verwaltung durch eine aus Prüfungen hervorgegangene Beamtenschaft selbstverständlich waren. Inquisition oder Religionskriege waren in China und Japan unbekannt. Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) sah in China deshalb das "Europa des Fernen Ostens", anders und fremd, aber ebenbürtig und gleichrangig.

Ausstellung zeigt kostbare Kollektion

Das MOK präsentiert mit dieser Ausstellung seine kostbare Kollektion europäischer Reiseberichte des 17. bis 19. Jahrhunderts aus dem Legat Hans-Wilhelm Siegel (1903-1997): zum Beispiel die Originalausgabe von Athanasus Kircher "China Illustrata" (Amsterdam, 1667) mit dem berühmten Porträt des Kölner Jesuitenmissionars Adam Schall von Bell (1591-1666) in der Tracht eines chinesischen Hofbeamten. Die Sammlung enthält auch Reiseberichte zu Japan, wie die "Beschreibung von Japan" (Amsterdam, 1733) des Arztes Engelbert Kämpfer, die als erstes wissenschaftliches Standardwerk gilt.

Neben den Reiseberichten zeigt die Ausstellung Porzellan, Glas, Malerei und Textilien aus China und Japan. Die Stücke des 17. und 18. Jahrhunderts spiegeln den inspirierenden künstlerischen Austausch und dem kreativen Dialog zwischen Europa und dem Fernen Osten. Holzschnitte, historische Fotografien und Souvenirkunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeugen von künstlerischer Stagnation, aber auch von dem Rassismus der europäischen Kolonialmächte. Zu den Höhepunkten der Schau zählt ein mit aufwändigen Stickereien und dem kaiserlichen Siegel versehenes diplomatisches Schreiben aus dem Jahr 1908. Darin bittet der Kaiser von China den deutschen Kaiser um Unterstützung eines Gesandten, der zum Studium der konstitutionellen Monarchie nach Deutschland reisen sollte. Wegen eines Attentats in Peking fand die Mission nie statt.

Die Ausstellung wirft ein Licht auf die mehr als 500-jährige Geschichte des Austauschs zwischen Europa und dem Fernen Osten. Der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts prägt den europäischen Blick auf China und Japan bis heute. Darüber ist das Bewusstsein der gegenseitigen geistigen und künstlerischen Inspiration, die Europa mit Ostasien verbindet, in Vergessenheit geraten. 

Quelle und weitere Informationen unter www.museum-fuer-ostasiatische-kunst.de.

(zuletzt aktualisiert: 25. August 2021 - 13:49 Uhr)

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