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Der Künstler, der Albertus Magnus und den Düxer Bock schuf

Ausstellung im Käthe-Kollwitz-Museum: Blick in die Arbeitsweise von Gerhard Marcks

Termin: 02.03. - 03.06.2018
Ort: Käthe Kollwitz Museum

Vor dem Uni-Hauptgebäude steht sein Albertus Magnus. Die Deutzer lieben seinen „Düxer Bock“. Und vor St. Maria im Kapitol mahnt seine „Trauernde“ an die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Insgesamt stehen sieben Kunstwerke von Gerhard Marcks in Köln. Eine Ausstellung im Käthe-Kollwitz-Museum erlaubt jetzt einen spannenden Blick in seine Arbeitsweise.

23 Skulpturen – darunter auch Vorstudien – von Gerhard Marcks (1889-1981) sind zu sehen. Dazu einige Holzschnitte und vor allem fast 100 Zeichnungen. Fast alle vom Gerhard-Marcks-Haus in Bremen, dazu einige Leihgaben eines Kölner Privatsammlers.

Aus den Zeichnungen entwickelte Marcks seine Plastiken. Oft ließ er sein Modell – meist waren es Freunde und Familienmitglieder – sich frei bewegen. Wenn sie eine (Zufalls-)Pose einnahmen, die ihm gefiel, sagte er Halt. Dann umkreiste er sein Modell, zeichnete es aus verschiedenen Blickwinkel, setzte dann daraus zusammen, was seiner Bildauffassung am nächsten kam. Für eine Porträtbüste seines Künstlerkollegen Hans Purrmann sind 10 solcher Skizzen zu sehen.

Bewusste Abgrenzung zum faschistischen Muskelkult

Dabei wollte er keine „naturalistischen“ Abbilder liefern, vielmehr leitete er aus der Natur geometrische Formen wie Dreieck oder Parallelogramm ab, die dann die Komposition seiner Arbeiten bestimmten. Überdehnte Proportionen verleihen ihnen eine einnehmende Eleganz. Dünn sind die Gliedmaße – nicht nur aus ästhetischen Gründen. Es ist auch eine bewusste Abgrenzung zum faschistischen Muskelkult in der Kunst. Den lernte er 1935 bei seinem Villa-Massimo-Stipendium in Rom kennen. Und er warnte davor, dass dies auch in Deutschland zu erwarten sei. Er behielt Recht. Die zarte Knabengestalt „Johannes“, die er nach seinem Rom-Aufenthalt geschaffen hatte, durfte in der Nazi-Diktatur nicht ausgestellt werden.

 

In den 1920er Jahren galt Marcks als der kommende deutsche Bildhauer. Die Nazis beendeten diese Hoffnungen: 1933 wurde er als Direktor der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale abgesetzt, weil er sich gegen die Entlassung einer jüdischen Kollegin ausgesprochen hatte. Erst in den 1950er Jahren begann seine „richtige“ Karriere. Zahlreiche Auftragsarbeiten zeugen von seiner Anerkennung. In Köln – hier bezog er 1951 Haus und Atelier – sind es noch eine bronzene „Eva“ im Rheinpark, die beiden Terrakotta-Figuren „Kassandra“ und „Jungfrau“ am Auktionshaus Lempertz (Neumarkt). Schließlich die zarte „Gaea“ in der Stollwerck-Passage unweit des Domes.

Gaea wurde irrtümlich verkauft

Die heutige ist im Übrigen eine spätere Fassung. Die erste wurde 1965 aufgestellt, und beim Besitzerwechsel des Gebäudekomplexes verkauft – irrtümlich, denn sie gehörte der Stadt. 2005 wurde eine „neue“, etwas züchtigere aus dem Nachlass des Künstlers aufgestellt. Auch dies ein Beispiel für Marcks’ Arbeitsweise: Oft entwickelte er „fertige“ Arbeiten weiter. Dabei konnte er auf ein riesiges Skizzenarchiv zurückgreife, geordnet etwa nach „Männer, sitzend“ oder „Frauen sitzend“. Skizzen, die ihm weniger wichtig waren, wurden auch verkauft. Oder verschenkt. Wie eine Studie für die Büste von Konrad Adenauer – vom Bundeskanzler mitsigniert. (js)

„Gerhard Marcks: Der Bildhauer denkt! Von der Zeichnung zur Plastik“ – bis 3. Juni 2018, Käthe Kollwitz-Museum, Neumarkt 18-24 (Neumarkt-Passage), 50667 Köln, Tel. 0221 / 227-28 99 / 26 02, Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So und feiertags 11-18 Uhr, Eintritt: 5/2 Euro

(zuletzt aktualisiert: 13. März 2018 - 12:22 Uhr)

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