Geschichte und Vielfalt

Am Eigelstein es Musik

Wenige Minuten von Dom und Hauptbahnhof liegt eines der ältesten und lebendigsten Kölner Veedel. Hier leben Geschichte und die Vielfalt der Gegenwart wie ehedem mit- und nebeneinander: Die Produktion der Privatbrauerei „Gaffel” hinter dem Schaufenster, um die Ecke das prominente Hotel Savoy, die kölsch-türkische Weidengasse mit ihren Ausläufern in den Eigelstein, die kölschen Kneipen „Weinhaus Vogel” und „Kölscher Boor”, das „Lapidarium” und der Italiener „Rossini”; dazwischen Bäckereien, Imbisse, Drogerien, Supermärkte, Fachgeschäfte und das schmalste Haus Kölns. Über all dem Trubel wacht unbeeindruckt seit über hundert Jahren der „Kölsche Boor” an der Eigelsteintorburg.

Der Eigelstein war Teil der alten römischen Heerstraße, die von Süden durch Köln nach Xanten führte. Römische Glasbläser arbeiteten hier, Gräber wurden in der Nähe der Straße angelegt. Im Mittelalter führten die gefundenen Knochen zu einer Reliquien-"Industrie" und sorgten für Wohlstand. Schon die erste Stadterweiterung bezog den südlichen Eigelstein ein. Mit der großen mittelalterlichen Stadtmauer entstand das Eigelsteintor.

In den Eigelsteiner Brauereien feierten einst die Studenten der Kölner „Burse” an der Marzellenstraße. Viele „Kappesbauern” wohnten hier und bestellten ihre Felder vor der Stadtmauer. Am Rheinufer wurden die Handelsgeschäfte gemacht, auf dem Rückweg am Eigelstein wurden die Gewinne in Waren umgesetzt oder „begossen”.

Für die stets belebte Straßenszene ist das Eigelsteintor je nach Standort Kulisse, Horizont oder Mittelpunkt der Straße. Als eines der drei verbliebenen mittelalterlichen Stadttore wird es auf der Stadtrundfahrt tausenden von Touristen aus aller Welt gezeigt.
Der Eigelstein ohne Eigelsteintorburg? Wie Köln ohne Dom!

In der Fußgängerzone rund um die Eigelsteintorburg locken in der Freiluftsaison Cafes und Restaurants zum Verweilen.
Als „kleiner Klassiker” gilt das jährliche Radrennen rund um den Eigelstein, das seit 1977 vom „Verein Cölner Strassenfahrer 08 e.V.” auf dem 2 km Kurs ausgerichtet wird. An Fronleichnam erwartet Kölns ältestes Straßenfest bis zu 300 000 Besucher. Und jedes Jahr kauft man hier unter einer weihnachtlichen Festbeleuchtung ein.

Die Torburg hat bewegte Zeiten erlebt: Durch das Eigelsteintor fuhr einst der siegreiche Feldherr Napoleon mit Gattin, von den Kölnern begeistert gefeiert. Eine Verkehrzählung am Eigelsteintor lieferte 1878 Argumente für den Fall der alten Stadtmauer als „6663 Personen, 1164 Fuhrwerke, 57 Reiter, 48 Vieh” gezählt wurden. Die Stadterweiterung verlängert den Eigelstein auf seine alten Tage bis zum Ebertplatz. Zuvor noch als Militärgefängnis genutzt, wird das Tor nach Abriß der Stadtmauer zum zweiten Standort des Stadtmuseums. Im gering beschädigten Tor finden nach dem Krieg die ersten Kölner Kunstausstellungen statt. Später arbeitet hier das Kunstgewerbemuseum, bis in den 90ern die „Offene Jazzhausschule” einzieht, die besonders die Kinder- und Jugendarbeit pflegt.

Dass der Eigelstein überall Geschichten bietet, kommt auch den zahlreichen Stadtführungen zu Gute. Ob „Kölsche Kriminalgeschichten”, „Kölsche Brauereien” oder die „Heiligen Geschäfte mit den Reliquien”: sie führen fast zwangläufig zum Eigelstein. Auch die Filmbranche dreht hier gerne, nicht immer zur Freude der Geschäftleute.

Der Förderverein Eigelstein e. V. sorgt nicht nur für Straßenfest und Weihnachtsbeleuchtung. Mit dem Veedelsmanger Herrn Börner steht kontinuierlich ein Ansprechpartner für Geschäftsleute und Anwohner bereit. Der monatliche Stammtisch und die Faxzeitung „Götterbote” sorgen für Kommunikation auch über die Grenzen des Veedels hinaus.

Kontakt:
Förderverein Eigelstein e. V.
Eigelstein 130
50668 Köln
Mail: ig@eigelstein.de
Internet: www.eigelstein.de

Text und Fotos: G. Franke www.ebertplatz.de

 

Firmenvideos von Kölner Unternehmen