In Bockmayers neuer Show regiert derber Witz
Keifender kölscher Putzteufel wird Funkenmariechen
Von Helmut Löwe
Hans Blech - Polizist und Freund des Lebemannes Erich Breuer - "verlegt Rohre", Landei Gabi Schmitz ist "hart im Nehmen" und Putzteufel sowie Hausdrachen Helene Jöckemüller ist "gut mit der Stange". Ein Schelm, wer Böses bei den eindeutigen Zweideutigkeiten denkt, die im neuen Stück von Walter Bockmayer für Lacher sorgen.
Bildergalerie: Die Premiere von "Jebohnert op Kölsch"
In "Jebohnert op Kölsch" regieren Humor und Witz eher von der derberen Sorte: Die Bewohner eines Kölner Mietshauses, die allesamt nicht ganz koscher und in die Riege "Spießer" einzuordnen sind, haben zwar keineswegs etwas auf dem Kerbholz, sondern agieren mehr oder weniger intensiv außerhalb der guten Sitten. Damit bieten sie ein gefundenes Fressen für die Hauptfigur des kölsch-schlüpfrigen Theaterstückes, die gute Frau Jöckemüller, die bei der Premiere am Donnerstag von Gigi Herr gespielt wurde. Und die selbsternannte Sittenwächterin hält mit ihren Kommentaren zu den illustren Zeitgenossen auch wirklich nicht hinterm Vorhang.
"Einmol Funkemariechen ze sinn"
Da wird in bester kölscher Manier über die Fehler und Unzulänglichkeiten der Mieter des Hauses hergezogen - wer den kölschen Dialekt beherrrscht, ist als Zuschauer dabei klar im Vorteil. Frau Jöckemüller "schwaadt" nahezu ohne Unterlass, kann "et Muul nit haale", flickt beinahe jedem ans Zeug und gönnt kaum einem die Butter auf dem Brot. Dabei sind ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte ganz simpel - und kölsch: einmal als Funkenmariechen auftreten.
Der Weg dahin ist kein Leichtes für die keifende kölsche "Putze": keiner hält sich an Sitte und Anstand. Nicht einmal Frau Frommloch von der Heilsarmee, die gerne mal einen zischt und Frau Jöckemüller ein besonderer Dorn im Auge ist. Ebenso wenig leicht ist die Trainingsstunde mit Herrn Breuer, in der sich das Funkenmariechen in spe an der Stange beweist. Auch nicht unbedingt fürs Publikum, denn die geballte Ladung schlüpfrigen Humors, wie zum Beispiel "wer an die Äppel geht, geht auch an die Prumme", ist manchmal ein wenig zuviel des Guten.
Revue-Nummern schaffen Moulin Rouge-Atmosphäre
Nach der Pause schöpft Bockmayer mit aufwendigen und gekonnt dargebotenen Revue-Nummern samt Tanz und Gesang ordentlich aus den Vollen: Bei Piaf-Titeln wie "Non, Je Ne Regrette Rien" oder "Milord" glänzt Natascha Balzat alias Gabi Schmitz, die auch für die musikalische Leitung zuständig ist, mit ihrer Stimme. Und wenn bei "Pigalle" die beiden leichten Mädchen Kinky und Klitty im Cancan über die Bühne wirbeln, meint man direkt, die "große Mausefalle" sei nicht in Paris, sondern in Köln.
Bevor es zum Happy End für Frau Jöckemüller kommt - natürlich wird der Traum der stämmigen kölschen Putzfrau vom Funkenmariechenauftritt wahr - will sich direkt im Anschluss an die Moulin Rouge-Atmosphäre beim Liebesgeplänkel zwischen Hans Blech und Gabi Schmitz jedoch keine große Freude einstellen. Zu sehr in die Länge zieht sich die Szene.
"Jebohnert op Kölsch" hinterlässt nach der Premiere einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen mag sich der echte Kölsche inmitten des schlüpfrigen kölschen Witzes und der kölschen Originale wohlfühlen. Zum anderen aber kann man einen roten Faden im Stück von Anfang bis Ende nicht immer erkennen, einige Brüche - in der Cabaret-Szene keineswegs zum Nachteil - sorgen bei manchem für Verwirung. Dem Publikum hat's trotzdem gefallen: Die Äußerung "jetzt hab' ich mir die Brille dreckig gemacht vor lauter Lachen" zeigt, dass Bockmayer zwar nicht immer zielsicher, aber dennoch ins Schwarze trifft. (Fotos Helmut Löwe)
(Erstellt am 26. September 2008 - 16:16 Uhr; aktualisiert 30. September 2008 - 13:03 Uhr)
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