Industriehistorie
111 Kölner Orte: Der Räderraum der Schokoladenfabrik
Man betritt einen begrünten Innenhof an der Annostraße und steht vor einem großen Rätsel. Gigantische rot angestrichene Stahlräder, verbunden durch Achsen und halb versunken in einem gekachelten Betonpodest. Ein Industriedenkmal, natürlich!

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Aber dass sich hier einst alles um Schokolade drehte, darauf kommen wohl nur noch die älteren Einheimischen der Südstadt. Und doch: Diese Schwungräder betrieben früher Kompressoren, mit denen flüssig-heiße Schokoladenmasse gekühlt wurde. Zusammen mit dem zwanzig Meter weiter stehenden Stumpf eines alten Schornsteins bilden sie die letzten Relikte jener Fabrik, die das Leben des Viertels über hundert Jahre lang bestimmte.
Um 1860 herum begründete der Unternehmer und Caféhausbesitzer Franz Stollwerck seine Süßwarenproduktion am südlichen Ende der Stadtmauer. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 avancierte er zum Generalausrüster der Truppen in Sachen Kekse und Schokolade und legte damit den Grundstein für weitere Expansionen.
Hausbesetzungen, kulturelle Initiativen und Anwohnerproteste konnten in den folgenden Jahren den Abriss der Fabrikgebäude nicht verhindern. Erhalten blieb lediglich ein schmaler Streifen an der Karl-Korn-Straße. Von ihren rückwärtigen Balkonen aus blicken die Bewohner heutzutage auf jene eisernen Räder – und hin und wieder auf einen historisch interessierten Touristen, der um dieses isolierte Denkmal herumstreicht.
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bei Amazon kaufen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.
(Erstellt am 18. Februar 2009 - 11:57 Uhr; aktualisiert 18. Februar 2009 - 16:48 Uhr)
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