Spannbeton und Adenauergrün
111 Kölner Orte: Im Bauch der Deutzer Brücke
Drei durch Betonwände getrennte, spärlich beleuchtete Räume, ein jeder nur rund zehn Meter breit, aber dafür so lang wie ein Fußballplatz: Das ist der Bauch der Deutzer Brücke. Wer ihn betreten will, von der Markmannsgasse oder vom Deutzer Ufer aus, muss sich bücken, der Einstieg ist nur einen guten Meter hoch.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Dahinter öffnet sich sodann der erste der drei Tunnel, grau und kahl bis auf die an den Wänden entlanglaufenden Leitungen und Versorgungsrohre. Der Querschnitt der Räume entspricht einem oben und unten nach außen gewölbten Rechteck.
Jeweils zum Ende hin fällt der Boden ein paar Meter ab, um hinter der nächsten Luke wieder aufzusteigen. Unterbrochen werden die Wände von einigen wenigen vergitterten Fenstern. Der Ausblick erinnert an ein Inselgefängnis: Nach unten hin gähnt der Abgrund mit dem wild wassernden Fluss, und die Sicht auf den Himmel ist mit Stahl versperrt.
Dieser Stahl wurde übrigens, wie die meisten Kölner Brücken, mit dem »Kölner Brückengrün«, auch »Adenauergrün«, bestrichen. Der legendäre Ex-OB hatte sich eine patinagrüne Farbe gewünscht, die dann 1929 von der Firma Bayer entwickelt wurde. Das Chromoxidgrün, wie es in der Fachsprache heißt, gilt als besonders lichtbeständig und wetterfest.
Dass die Deutzer Brücke überhaupt erwandert werden kann, verdankt sich einem architektonischen Kuriosum. Bei der Erweiterung 1976 bis 1980 wurde die massive Stahlkonstruktion von 1948 um eine hohle Spannbetonbrücke ergänzt, damals eine äußerst umstrittene Entscheidung. Wer hier den Fluss überquert, bewegt sich zugleich auf historischem Terrain. An gleicher Stelle stand ab 310 die römische Konstantinbrücke. Nach dem Ende der Römerherrschaft verfiel sie, und Köln wartete bis zum Jahr 1859 auf die zweite feste Rheinbrücke.
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bei Amazon kaufen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.
(Erstellt am 14. April 2009 - 12:50 Uhr; aktualisiert 9. September 2009 - 11:18 Uhr)
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