Die nördlichste Ölpflanzung Europas
111 Kölner Orte: Der Olivenhain
Wer hier ahnungslos auftaucht, traut seinen Augen nicht: Olivenbäume in Köln, und dann direkt ein ganzer Hain? Aber tatsächlich, seit April 2008 wachsen auf dem Gelände einer mediterranen Baumschule kleine Bäumchen mit den markanten ölspendenden Früchten. Züchter Stephan Marzak geht davon aus, dass hier in Widdersdorf der nördlichste Olivenhain Europas gedeiht.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Wie häufig bei derart skurrilen Projekten wurden sie aus einer Leidenschaft geboren. Marzak hatte sich einige Exemplare seiner italienischen Plantage mit ins Kölner Olivengeschäft genommen und diese vor der Tür eingekübelt. Überraschenderweise überstanden sie den Kölner Winter im Freien. Und nicht nur das: Im Mai/Juni standen die Zweige in Blüte, im Spätherbst konnten erste Früchte geerntet werden. Da schien es naheliegend, die Bäumchen vom Topf auf den Acker umzupflanzen.
Gestartet war man mit lediglich 55 Exemplaren. Später wurden gut hundert weitere hinzugesellt, alle aus Italien und bereits zwei bis drei Jahre alt. Erste Erfahrungen führten dazu, dass der Abstand zwischen den Reihen auf vier Meter vergrößert wurde. Der Kölner Pionier legt Wert darauf, dass die Pflanzen nicht mit dem Ziel hochgezogen werden, sie dereinst zu verkaufen.
Nein, er will hier tatsächlich Oliven züchten und ernten. Und dies nicht mit domestizierten Ziersträuchern für den Vorgarten, sondern mit traditionellen Sorten wie der – immerhin recht kälteresistenten – »Leccino« oder der »Corregiolo«.
Geld ist mit den Pflanzungen nicht zu verdienen, das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Die 170 Bäume liefern kaum mehr als 25 Kilogramm Oliven, ungefähr so viel, wie in Ligurien ein einziger abwirft. Wenn sich die Ernte jedoch erst einmal auf drei, vier Kilo pro Pflanze eingependelt hat, wird es auch ans professionelle Pressen gehen. Dann ist Köln um eine weitere Kuriosität reicher: ein nordeuropaweit einzigartiges Echt Kölnisch Olivenöl.
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bei Amazon kaufen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.
(Erstellt am 3. Februar 2009 - 15:08 Uhr; aktualisiert 28. Oktober 2009 - 13:03 Uhr)
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