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Zeichnungen von Raffael Becker

Stadtmuseum zeigt "In den Trümmern von Köln"

Das Kölner Leben ist ein zentrales Thema in den bunten, leicht abstrakten Gemälden von Raffael Becker. Immer schimmert dabei ein feiner Humor durch. Etwa wenn er in seinem Karnevals-Triptychon Weiberfastnacht, Rosenmontag und Aschermittwoch porträtiert. Das Bild hängt im Kölnischen Stadtmuseum. Dort sind jetzt auch erstmals 26 von 42 Zeichnungen zu sehen, die er in den Jahren 1945 bis 1947 fertigte.

1945 kehrte der Soldat aus der Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt zurück, wo er 1922 geboren wurde. “Ich wohnte in einer zusammengeschusterten Bretterbude zwischen den Trümmern von Sülz”, erzählt er. “Die ganze Zeit war man damit beschäftigt, zu überleben.” Was er dabei an Situationskomik aufschnappte, verarbeitete er zu Hause mit flottem Strich in seinen Zeichnungen.

Mit ihrem Witz erinnern und ihrer Tiegründigkeit erinnern sie an die Berliner “Miljöh”-Bilder Heinrich Zilles. “Den habe ich erst später entdeckt und war sofort von ihm begeistert”, gesteht der 90-jährige Künstler. “Unter zwei Pfund Butter tu ich es nicht”, lässt er zwei Huren sagen – natürlich auf Kölsch. Und zwei hagere alte Männer begutachten die selbstgedrehte Zigarette: “Der Tabak riecht, als wenn er aus Pferdeäpfeln gemacht wäre.”

Er zeigt die Kinder in viel zu großen Kleidern beim Spiel zwischen den zerbombten Häusern. Das Anstehen im Lebensmittelgeschäft – mit und ohne Lebensmittelmarken. Den Versuch der knochendürren Städter, bei den dicken Bauern Essen zu tauschen. Und deren Stolz, wenn sie das Landvolk bei diesem Tauschgeschäft übervorteilen konnten.

Doch nicht alles ist Karikatur. Wenn die alte Frau ihr Leiterwägelchen voll Reisig zwischen den Trümmern an einem Geschäft mit der Aufschrift ”Marzipan-Aroma vorrätig” vorbei zieht, bleibt das Lachen im Hals stecken. Und das Bild heimkehrender Kriegsgefangener ist noch heute eine Anklage. Beckers Kommentar: “Das ist meine eigene Erfahrung. Und zwei meiner Freunde und mein Onkel starben nur vier Wochen, nachdem sie aus Gefangenschaft wieder zurück in Köln waren.”

Und warum werden die Bilder erst jetzt ausgestellt? “Bis jetzt wollte sie keiner sehen”, sagt Becker und lacht. (js)

“In den Trümmern von Köln – Zeichnungen aus der zerstörten Stadt von Raffael Becker” – bis 29.7.2012, Kölnisches Stadtmuseum, Di 10-20 Uhr, Mi-So 10-17 Uhr, Montag geschlossen. Eintritt: 5/3 Euro.

(Erstellt am 1. Juni 2012 - 14:50 Uhr; aktualisiert 1. Juni 2012 - 15:40 Uhr)


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