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Schau im Römisch-Germanischen Museum

Mächtige Götter aus Marmor und Gips

Köln war die größte römische Stadt nördlich der Alpen. Mit vielen Tempeln und reichen Bürgern. Da gab es wohl auch große Götterstatuen aus Marmor. Doch den Lauf der Zeit haben sie am Rhein nicht überlebt. Womit die Römer anderswo ihre Tempel und Städte, Gärten und Häuser geschmückt haben, zeigt jetzt die Ausstellung „Rückkehr der Götter“ im Römisch-Germanischen Museum: 171 Exponate aus der Berliner Antikensammlung der Staatlichen Museen, weltweit eine der größten dieser Art.

Da sind sie nun friedlich vereint, die Vertreter der bunten griechischen Götterwelt, so friedlich ging es auf dem Olymp nicht immer zu: Hera, Zeus und deren Kinderschar, gemeinsamer Nachwuchs und solcher aus den Seitensprüngen des Götterchefs. Apollo, Athene, Artemis, Hermes, Poseidon, Hades, Äskulap und Dionysos. Man lernt sie näher kennen – und ein ästhetischer Genuss ist es obendrein.

Strahlend weiß, stolz, zum Greifen nah und rundum anzusehen stehen sie da. Nicht alle sind unversehrt, hier und da fehlen Nasen oder Hände, vor allem die Männer mussten im Laufe der Zeit oft Vorstehendes einbüßen. Immer wieder wurden in der Vergangenheit aber auch fehlende Teile ergänzt, dem jeweiligen Stand der Wissenschaft entsprechend. Eine Aphrodite erhielt extra für diese Ausstellung ihre „vierten“ Hände, „sie hätte sonst zu schrecklich ausgesehen“, erklärt Andreas Scholl, Direktor der Antikensammlung. Finanziert wurde diese Schönheitsoperation – gleichsam als freiwillige Leihgebühr für diese Ausstellung – von Köln.

Die Skulpturen sind im übrigen fast ausnahmslos römische Kopien, nach berühmten griechischen Vorbildern geschaffen. Das reicht von höchster Qualität bis zum meisterlichen Von einem der berühmtesten griechischen Reliefs ist ein aktueller Gipsabdruck zu sehen: eine Platte vom Pergamon-Altar, sie zeigt Zeus, der gleich drei Titanen besiegt. Neben den Götterfiguren sind auch bemalte griechische Vasen und Schalen zu sehen, Schmuck und zahlreiche Weihegaben aus Ton und Bronze für die Götter.

Welttournee nach der Wende

Allein 4.400 Skulpturen aus dem antiken Griechenland, Rom und Etrurien umfasst die Berliner Sammlung, zusammengetragen von den preußischen Kurfürsten und Königen, besonders Friedrich der Große war ein eifriger Sammler. Nach dem Krieg kam der größte Teil als Kriegsbeute nach Leningrad und Moskau, wurde aber schon 1958 an die DDR zurückgegeben, allerdings nur zu einem Teil ausgestellt. Als nach der Wende die Häuser auf der Museumsinsel restauriert wurden, gingen die Skulpturen auf Welttournee. Zuerst nach Sao Paulo und Rio de Janeiro, womit erstmals in Lateinamerika diese antike Kunst zu sehen war. Dann nach Mannheim und jetzt Köln.

Und warum wurden im Kölner Boden keine großen Marmorstatuen gefunden? „Schon die römischen Kölner waren pragmatisch“, erklärt Marcus Trier, kommissarischer Leiter des Römisch-Germanischen Museums. Entweder landeten sie im Ofen und wurden zu Kalk gebrannt. Oder man zerschlug sie und pflasterte damit die Straßen. So wurde vor fünf Jahren unter der Hohe Straße das Oberteil einer Aphrodite gefunden. Ihr glatter Rücken muss den Sandalen oder den Bläck Fööss geschmeichelt haben. Jetzt ist der geschundene Torso im Museumsfoyer zu besichtigen. (js)

„Die Rückkehr der Götter“ – bis 26.8., Römisch-Germanisches Museum, Roncalliplatz 4, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 44 38. Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, jeden Dienstag 15.30 Uhr eine kostenlose Führung. Eintritt Sonderausstellung: 7/4,50 Euro, Kombikarte mit Dauerausstellung 8/5 Euro, Katalog 24,90 Euro

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