Landzungen, ohne die Köln nicht Köln wäre
111 Kölner Orte: Die Poller Köpfe
Jeder kennt sie, jene ausgedehnte Grünfläche, die sich entlang dem Rhein von Deutz über Poll bis nach Westhoven erstreckt. Drei Brücken verbindet sie miteinander, im Norden die Severins‑, zentral die Süd- und gen Süden die Rodenkirchener Autobahnbrücke.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Es gibt wohl kaum einen Kölner, der hier nicht schon sommers spazieren gegangen ist, Lenkdrachen bewundert oder höchstselbst Fußball oder Tennis gespielt hat. Aber die Poller Wiesen sind mehr als ein bloßes Freizeitareal. Ohne sie, so kann man jenseits jeglicher Übertreibung feststellen, sähe Köln wahrscheinlich ganz anders aus. Denn von Weiß aus legt sich der Rhein in eine westliche Schleife, die erst in Mülheim wieder endet. Jahrhundertelang bestand deshalb bei Poll die Gefahr, dass der Fluss aus seinem Bett treten und sich weiter östlich den geradesten Weg gen Mülheim suchen könnte.
Die Altstadt, der Dom, mit anderen Worten: Köln hätte dann nicht mehr am Rhein gelegen. Was das bedeutet hätte, ahnt jeder, der die hiesige Historie kennt: Kölns Reichtum, basierend auf dem Binnenhafen, hätte sich nie so entfaltet, und das Stapelrecht wäre womöglich dem rechtsrheinischen Herzogtum von Berg zugefallen.
Schon ab etwa 1200, als auch die mittelalterliche Stadtmauer entstand, begann man deshalb, den Flusslauf rechtsrheinisch zu stabilisieren. Ins Wasser ragende Dämme wurden installiert, um die Ufer zu entlasten.
Poll gehörte zwar zum Herzogtum Berg, aber Köln erhielt das Pflegerecht für diese Dämme, die sogenannten »Poller Köpfe«. Heutzutage werden die umspülten Landzungen gern von Kindern beschritten, die sich an ihrer Spitze wie Piraten auf einer Rheininsel fühlen dürfen; oder von Pärchen, die sich für ein halbes Stündchen separieren möchten. Dass sie hier auf einem jener historischen Dämme sitzen, ohne die Köln womöglich nicht Köln wäre, ahnt wahrscheinlich kaum einer von ihnen.
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bestellen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.
(Erstellt am 6. Juli 2009 - 9:46 Uhr; aktualisiert 30. Oktober 2012 - 15:13 Uhr)
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