Der "Karnevals-Knigge"
Karneval nicht nur "Sex'n'Kölsch"
"Sex, Anmache und Saufen" - dieses Bild haben viele Außenstehende vom Kölner Karneval. Das gibt es tatsächlich, doch das ist natürlich nur eine Seite des Karnevals. Viele Kölsche Jecken freuen sich ausschließlich auf das Feiern, die gute Laune und den "Spaß an der Freud" - und das völlig ohne sexuelle Hintergedanken.
Von Fremden wird vor allem das "Bützen" (Küssen) oft falsch verstanden. Gebützt wird im Karneval oft und gerne, auch zwischen Fremden. Damit sind keine Knutschereien gemeint, sondern kleine Küsschen mit geschürzten Lippen auf die Wange: Als Dank für ein Kölsch, für die Blumen (beim Karnevalszug) oder zur Begrüßung/zum Abschied. Sie sind selten als Anmache gemeint, sondern gehören einfach dazu. Fast zwecklos, sich dagegen zu wehren, da das Küssen so schnell abläuft.
Ritualisierte Bützjer gibt es an Weiberfastnacht. Die jecken Wiever gehen mit der Schere auf Männerjagd und schneiden diesen ihre Krawatte ab. Zusätzlich zur Trophäe gibt's ein Küsschen. Das weiß jeder und niemand nimmt es besonders persönlich. Die meisten Männer spielen das Spielchen gerne mit und binden sich extra alte Schlipse um.
Natürlich schlagen manche an Karneval über die Stränge und gehen fremd. Wer fies angemacht wird, der sollte sich aber selbstverständlich wehren, denn Karneval ist kein Blankoscheck für Grapscher und notorische Fremdgänger.
Im Grunde bedeutet Karneval gemeinsam Spaß zu haben, indem man tanzt, singt, lacht und feiert. Oder wie Wicky Junggeburth sang: "Jecke Saache met ze mache, drövver laache, dat es Karneval. Witzjer brenge, Liedscher senge, danze, sprenge, dat es Karneval." (Jecke Sachen mit zu machen, drüber lachen, das ist Karneval. Witze machen, Lieder singen, tanzen, springen, das ist Karneval.)
Für alle Karnevalsanfänger also der Rat: Auf freundschaftliches Umarmen und Bützen locker reagieren, Belästigungen jedoch strikt entgegentreten.
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