16. Februar 2012

Weiberfastnacht

An Weiberfastnacht (auf Kölsch: Wieverfastelovend) - der in dieser Session auf Donnerstag, den 16. Februar 2012, fällt - wird traditionell der Straßenkarneval eröffnet. Dazu findet auf dem Alter Markt eine große Freiluftsitzung statt, die schon morgens um 10:00 Uhr mit kölscher Musik beginnt.

Alle Informationen zu Weiberfastnacht 2013

Um 11 Uhr wenden sich die jecken Regenten - das Dreigestirn, bestehend aus Prinz, Bauer und Jungfrau - an ihre tausenden Untertanen. Bis Aschermittwoch haben das Trifolium und die Jecken das "Heft der Stadt in der Hand".

Bildergalerie: Weiberfastnacht in der Südstadt

Ab 11:11 Uhr wird dann in der Altstadt und den Veedeln bis in die Nacht hinein auf den Straßen und in den Kneipen gefeiert. Auf zwei Bühnen, auf dem Alter Markt und in der Südtstadt, treten kölsche Bands wie Bläck Fööss, Höhner und Brings auf.

Bildergalerie: Historienspiel Jan und Griet

Um 13 Uhr wird traditionell am Severinstor das Historienspiel "Jan und Griet" aufgeführt, in dessen Anschluss ein Umzug durch die Stadt bis zum Denkmal "Jan von Werth" am Altermarkt stattfindet.

Die Geschichte der Weiberfastnacht

Was heute in karnevalistisch-spaßiger Art mit Rathaussturm, Umzug und Sitzungen gefeiert wird, hat einen ernsten Hintergrund. Die Weiberfastnacht in ihrer heutigen Form hat ihren Ursprung im rechtsrheinischen Bonner Stadtteil Beuel.

Das Wort "Emanzipation" war damals noch nicht in aller Munde, aber sie taten genau das, was man heute darunter versteht. Die Beueler Wäscherinnen begehrten auf gegen das Patriarchat, die Dominanz der Männer und die damit verbundene Ausbeutung der Frauen. 1824 gründete sich aus dieser Frauenbewegung das erste Beueler Damenkomitee. Vor mehr als 180 Jahren also entstand der Brauch der Wäscherinnen, einmal im Jahr - nämlich am Donnerstag vor Karneval - nicht die Wäsche, sondern die Männer "in die Mangel zu nehmen".

Vom Kaffeeklatsch zum Wieverfastelovend

Die Beueler Wäscherinnen und Bleicherinnen taten sich zusammen, um sich gegen die unzumutbaren körperlichen und seelischen Belastungen, die ihnen aufgebürdet wurden, zu wehren. Sie wollten auf ihr hartes und als unwürdig empfundenes Los aufmerksam machen. Deshalb trafen sie sich zum Kaffeeklatsch, bei dem ein festes Reglement galt: Die Frauen hatten die Pflicht, über die groben Verstöße ihrer Männer gegen den Hausfrieden und die eheliche Treue oder über deren Alkoholexzesse zu berichten. Die Übeltäter waren selbstverständlich ausgeschlossen. Ihre Probleme wollten die Damen unter sich besprechen, denn unbeobachtet konnten sie sich ihren ganzen Frust von der Seele reden.

Der Brauch der Wäscherinnen überstand die unterschiedlichen politischen Epochen von der Kaiserzeit über die erste Demokratie und die Nazi-Zeit bis hin zur heutigen Demokratie, die lange Jahre untrennbar mit dem Namen Bonn verbunden war.

Seit 1958 benennen die Beueler Weiber alljährlich eine Repräsentantin aus ihren eigenen Reihen, die Wäscherprinzessin. Diese zieht am Karnevalsdonnerstag zum Sturm auf das Beueler Rathaus, das vom Bonner Oberbürgermeister verteidigt wird. Wie immer ohne Erfolg, wie die Kenner der Weiberfastnacht wissen.

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