Vom Elften im Elften bis Aschermittwoch
Der Kölner Straßenkarneval
Die Karnevalssession wird traditionell am 11.11. um 11 Uhr 11 auf dem Heumarkt in der Kölner Altstadt eröffnet. Gefeiert wird an diesem Tag aber nicht nur vor einer großen Bühne inmitten tausender Jecken auf dem Heumarkt selbst, sondern in der gesamten Altstadt.
Zwar befinnt der eigentliche Straßenkarneval erst drei Monate später, doch wird am Tag der Sessionseröffnung trotzdem auch auf der Straße und in den Kneipen der Innenstadt kostümiert gefeiert. Und damit ist nicht Baggern und Saufen gemeint, sondern echter "Spaß an der Freud" (siehe auch "Der Karnevals-Knigge").
Ein Hinweis: In Köln kann man an den tollen Tagen wirklich nur Karneval feiern. Denn das restliche Leben kommt weitgehend zum Stillstand. Die städtischen Museen sind geschlossen. Einkaufsbummel gestalten sich schwierig, da besonders an Weiberfastnacht (Donnerstag) und Rosenmontag die meisten Geschäfte geschlossen haben. Aber auch an den anderen Karnevalstagen kann man vor geschlossenen Türen stehen oder gerät unterwegs in Umzüge oder sonstige Festivitäten.
Weiberfastnacht (Wieverfastelovend)
An Weiberfastnacht (Wieverfastelovend), am Donnerstag, den 11.02.2010, wird der Straßenkarneval eröffnet. Auf dem Alter Markt findet dazu eine große Freiluftsitzung statt, die schon morgens um 10 Uhr beginnt. Um elf Uhr kommt das Dreigestirn auf die Bühne, der Prinz hält eine Ansprache und die Stadt Köln übergibt ihm für die tollen Tage die Schlüssel der Stadt. Das Geschehen wird auf eine Großbildleinwand auf den Heumarkt übertragen.
Ab 11 Uhr 11 wird dann in der Stadt den ganzen Tag und die ganze Nacht auf den Straßen, in den Kneipen und in den Büros gefeiert. Traditionell wird am Severinstor um 13 Uhr das Historienspiel "Jan und Griet" aufgeführt, in dessen Anschluss ein Umzug durch die Stadt bis zum Denkmal "Jan von Werth" am Alter Markt veranstaltet wird.
Karnevalsfreitag und-samstag
Am Freitag und Samstag wird abends in den Kneipen der ganzen Stadt gefeiert. Wer das besondere Flair des Fastelovends mitbekommen möchte, sollte jene Kneipen aufsuchen, in denen kölsche Karnevalsmusik gespielt wird.
Am Karnevalssamstag findet voraussichtlich bereits zum 19. Male der Geisterzug statt, der seine Premiere im Jahre 1991 hatte: Wegen des Golfkrieges wurden damals die Aktivitäten des offiziellen Straßenkarnevals abgesagt. Trotzdem fanden sich viele Jecken zu einer Anti-Golfkriegs-Demo zusammen: Der erste Geisterzug war geboren.
Karnevalssonntag
Am Sonntag finden die Schull- und Veedelszöch (Schul- und Stadtteilzüge) statt, die ab 11 Uhr durch die Stadt ziehen. Sie nehmen fast den gleichen Zugweg wie der Rosenmontagszug. Die phantasievollen Kostüme der vielen Kölner Schulgruppen locken die Menschenmengen an den Zugweg.
Auch in den meisten Stadtteilen Kölns sowie den umliegenden Dörfern werden Umzüge durchgeführt - und das nicht nur am Sonntag, sondern während der ganzen Tage zwischen Wieverfastelovend und Veilchendienstag. Wer vom Karneval nicht genug bekommen kann, hat also die freie Auswahl.
Rosenmontag
Der Rosenmontag (15.02.2010) ist neben Weiberfastnacht der absolute Höhepunkt des Straßenkarnevals. Der berühmte Kölner Rosenmontagszug geht um 10:30 Uhr am Chlodwigplatz los und braucht für den 6,5 Kilometer langen Weg quer durch die Innenstadt etwa vier Stunden. Im Jahre 2010 steht er unter dem Motto "In Kölle jebützt". Bereits Stunden, bevor die "Blauen Funken" traditionell als erste Gruppe den Umzug anführen und ankündigen, beziehen viele Jecke schon ihre Plätze am Straßenrand, ausgestattet mit Campingstühlchen, Proviant und Kölsch. Zur Musik aus den mitgebrachten Kassettenrekordern schunkelt man sich warm.
Tipp: mit so vielen Freunden und Bekannten wie möglich zum Zug gehen. So vergeht die Zeit am Zugweg wie im Fluge, man trinkt, tanzt und schunkelt, und bekommt, im besten Fall, vom Zug selbst gar nicht so viel mit. Wer zum ersten Mal dabei ist: Tüte für die Kamelle und Strüßjer, die Wurfartikel, die von den Wagen herab unter das jecke Volk geworfen werden, mitbringen!
Veilchendienstag
Nach dem anstrengenden Montag, an dem die meisten Kölner frei haben, kehrt am Veilchendienstag wieder ein wenig Ruhe ein. Was man aber am Abend nicht versäumen sollte, ist die Nubbelverbrennung: Der Nubbel ist eine lebensgroße Strohpuppe, die während der Karnevalstage vor vielen Kölner Kneipen hängt.
Er muss für alle Sünden büßen, die während der tollen Tage begangen wurden und wird unter großem Wehklagen, Beschimpfungen und dem Singen von fröhlichen Karnevalsliedern verbrannt. Anschließend strömt das Volk in die Kneipen, um den letzten Karnevalstag der Session gebührend ausklingen zu lassen. Tipp: In der Kneipe erkundigen, wie und wann der Nubbel verbrannt wird.
Aschermittwoch
Am Aschermittwoch (17.02.2010) ist - nicht nur getreu eines alten Karnevalsschlagers des Kölner Sängers Jupp Schmitz aus dem Jahre 1953 - alles vorbei. Wer von der vielen Feierei noch einen dicken Kopf hat, der bekämpft seinen Kater beim traditionellen Fischessen, zu dem viele Kölner Gastronomiebetriebe einladen.


