Karneval in Köln

Ein Rosenmontagszug zum Verlieben

Bei strahlendem Sonnenschein feierten eine Million Jecke den Rosenmontagszug in Köln, den Höhepunkt des Straßenkarnevals. Prinz Marcus II. und rund 10.000 närrische Untertanen zogen zu Fuß oder in gut 100 Prunk- und Persiflagewagen durch die Stadt. Mit im Zug dabei: FC-Star Lukas Podolski, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Schwimm-Olympiasiegerin Franziska van Almsick.

Bildergalerie: Rosenmontagszug 2012
Bildergalerie: Vorstellung der Wagen des Rosenmontagszuges 2012 (noch mit dem alten Wagen zum Thema Christian Wulff)
Video: Kölner Narren singen Viva Colonia

André und Luisa Freire waren ganz begeistert vom Kölner Karneval. Er ist eher zufällig in der Stadt, hat hier ein einmonatiges Forschungsstipendium. Seine Frau hat ihn an diesem Wochenende besucht, vom Karneval wissen sie nur wenig. „Wonderful“, sagt er – und wenn sie noch einmal Karneval am Rhein sind, werden sie sich bestimmt auch verkleiden. Und dann stürzen sie sich wieder ins Getümmel. Da war doch noch was mit Kamelle....

Eine Million Zuschauer – so die Schätzung – haben sich in diesem Jahr den Rosenmontagszug angesehen. Der sollte pünktlich um 10.30 Uhr am Chlodwigplatz losgehen. Doch der Startschuss von „Trötemann“ Karl-Heinz Jansen verzögerte sich. Eröffnet wurde der Zug dann vom „Menschensinfonieorchester“: 17 farbenprächtig verkleidete Musiker aus 7 Ländern sorgten mit „Weltmusik“ für die richtige Stimmung.

300 Tonnen Süßigkeiten und 300.000 Strüßjer

Insgesamt marschierten über 120 Kapellen mit fast 4.000 Musiker mit. Zusammen 12.000 Jecke hatten sich auf den gut sieben Kilometer langen Weg quer durch Köln gemacht. Sie warfen 300 Tonnen Süßigkeiten, 700.000 Tafeln Schokolade, 220.000 Schachteln Pralinen und 300.000 Strüßjer unters närrische Volk am Straßenrand, das sich mit nicht weniger Phantasie verkleidet hatte.

Unter dem Motto „Jedem jeck sing Pappnas“ wurde auf den Persiflagewagen lokales, nationales und internationales Geschehen aufs Korn genommen. Da beklagten sich die Schüler, dass kein Geld für funktionierende Schultoiletten da ist, wohl aber für Opernsanierung und U-Bahn-Bau. Die „akademischen Pappnasen“-Politiker und Doktorarbeits-Abschreiber Guttenberg, Koch-Mehrin und Chatzimarkakis präsentierten Nasen von einer Länge, dagegen wäre selbst Pinocchio noch eine ehrliche Haut gewesen.

Die Veranstalter der diesjährigen Fußball-EM in der Ukraine schießen ein Eigentor, weil sie die Probleme ihrer Jugend – Armut, Drogen und Zwangsprostitution – unter den Teppich kehren. Mit spitzen blanken Brüsten lockt eine Bäuerin einen Mediziner aufs Land, wo bekanntlich Ärztemangel herrscht. Und wer es verpasst hat, sich rechtzeitig eine Pappnase zu besorgen – kein Problem: Es gibt sie auch als App.

"Wulff-Wagen" entstand in knapp 60 Stunden

Gut angenommen wurde der „Wulff-Wagen“. Nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten am Freitag hatte man den Umbau noch rechtzeitig beenden können. Aus dem armen Opferlamm war in knapp 60 Stunden ein Politiker geworden, dem Amt und Anzug sichtlich zu groß geraten waren und sich im „Kaufhaus Vorteilnahme“ mit Handys, Zinsen und Urlaubsreisen versorgt hatte. „Die Aussage stimmt: Er war für das Amt zu klein. Er hätte früher zurücktreten sollen“, kommentierte Marion Döker und ergänzte: „Aber er tut mir leid, so wie die Kampagne gegen ihn verlief.“

Für Peter Eßer von den „Raderthaler Pänz“ war der Rosenmontag ein ganz besonderer Tag. Der Fahrer des Bagagewagens hatte am Vortag bei den Schull- un Veedelszöch seinen 68. Geburtstag gefeiert. Seine Vereinsfreunde hatten heimlich einen Hinweis dazu an den Wagen geklebt hatten. „Da haben mir alle 250.000 Zuschauer gratuliert“, lacht er. „Und heute kommen noch einmal eine Million Geburtstagsgäste dazu!“

Denn am Sonntagabend gab es noch ein Geschenk: Der Wagen, auf dem mit viel Liebe und vielen Tierfiguren die Verschmutzung der Meere angeprangert wurde, war zum schönsten Wagen gekürt worden und durfte nun als Sieger beim Rosenmontagszug mitfahren. Da freute sich auch Vereinspräsident Jochen Schwamborn, immerhin gewannen seine „Pänz“ schon zum dritten Mal diese Auszeichnung. Trotzdem hat er Sorgen: Es fehlt der Nachwuchs. „Die jungen Leute kommen und merken, Karneval ist auch Arbeit. Dann bleiben sie weg."

Vielleicht sollten sie sich ein Beispiel an Peter Eßer nehmen. Denn der kann mit Karneval eigentlich gar nichts anfangen. Aber seine Frau ist ein richtiger Karnevalsjeck. Und aus Liebe zu ihr fährt er seit über zehn Jahren den Bagagewagen.

Überschattet wurde der Rosenmontagszug von einem Unfall, bei dem drei Personen durch einen Pferdetritt verletzt wurden. Die genauen Umstände werden noch geklärt. Ansonsten verlief der Tag aus polizeilicher Sicht „ruhig“, so ein Polizeisprecher. Es gab 50 Platzverweise wegen Randalierens, 14 Menschen wurden deswegen in Gewahrsam genommen.

Pech hatten zwei Einbrecher, die in eine Wohnung einbrechen wollten: Sie wurden dort aber schon von der Polizei erwartet. Zuvor hatten die beiden Ganoven einem Zuschauer am Zugweg die Hausschlüssel gestohlen. Der aber hatte es sehr schnell bemerkt und sofort die Polizei benachrichtigt. (js)

Fakten zum Kölner Rosenmontagszug

Der Kölner Rosenmontagszug, für die Kölner nur "d'r Zoch", ist der größte Rosenmontagszug Deutschlands. Er beginnt um 10:30 Uhr am Chlodwigplatz (Änderungen vorbehalten) und hat eine Gesamtlänge von etwa sieben Kilometern. Für den 6,5 Kilometer langen Weg braucht er über vier Stunden, so dass die bis zu einer Million Zuschauer genügend Zeit zum feiern haben. Im Jahre 2012 steht der Rosenmontagszug unter dem Motto "Jedem Jeck sing Pappnas".

Weitere Bilder vom Kölner Karneval 2012:
Bildergalerie: Schull- und Veedelszöch vom Sonntag
Bildergalerie: Kostümball der Rosa Funken
Bildergalerie: Funkenbiwak auf dem Neumarkt vom Samstag
Bildergalerie: Weiberfastnacht in der Altstadt
Bildergalerie: Weiberfastnacht in der Südstadt
Bildergalerie: Historienspiel Jan und Griet
Bildergalerie: Pink Nose Party am Südstadion

Der Rosenmontagzug in Zahlen

Länge des Zuges ca. 7 Kilometer, Länge des Zugweges ca. 6,5 Kilometer, Vorbeimarschzeit ca. 4 Stunden, 99 Fest-, Prunk-, Persiflagewagen und Kutschen, 87 Traktoren, 78 Bagagewagen (diese führen das Wurfmaterial mit), 10.200 Teilnehmer, 124 Musikkapellen und 440 Pferde. Etwa 800 Wagenbegleiter sorgen dafür, dass während des Zuges niemand "unter die Räder" kommt.

Wurfmaterial: 150 Tonnen Süßigkeiten, über 700.000 Tafeln Schokolade, über 220.000 Schachteln Pralinen, über 300.000 Strüßjer (kleine Blumensträuße), Tausende Stoffpuppen und weitere kleinere Präsente.

Verwendetes Material für den Bau der Wagen, Großfiguren etc: 4.000 Meter Dachlatten, 15.000 Meter Bindedraht, 1.500 Quadratmeter Maschendraht, 320 Quadratmeter Hartfaser-/Span- und Tischlerplatten, 1.800 Kilogramm Nägel, Schrauben und sonstige Kleinteile, 2.000 Kilogramm Farbe, 2.000 Kilogramm Kleber/Kleister, 120 Quadratmeter Schaumstoff, 40 Kubikmeter Styropor, 720 Kilogramm Papier.

Der Zugweg 2012

Hier gibts den Zugplan in voller Größe! 

Zugweg 2012, Bildquelle: koelner-karneval.de

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