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Premiere mit kleinen Schwächen

"Zauberflöte" in der Uni - "Pamina" Mojca Erdmann verzaubert alle

Von EDGAR FRANZMANN

Die aufregende Tournee der Kölner Oper durch die Stadt geht weiter: Am Samstag hatte Mozarts "Zauberflöte" Premiere in der Aula der Universität, kein einfach zu bespielender Saal, aber das Publikum spendete sehr freundlichen Beifall.

Fangen wir mit den Stärken der Aufführung an: Die Sängerinnen und Sänger sind großartig, allen voran die wunderschöne, junge Mojca Erdmann als "Pamina", die an der Kölner Musihochschule studiert hat und inzwischen in Wien, Berlin, Stuttgart, Salzburg, Aix und Mailand Triumphe feierte und jetzt wieder in Köln alle verzaubert.

"Tamino" Lothar Odinius überzeugt ebenso wie "Papageno" Miljenko Turk, "Sarastro" Stefan Kocán und "Papagena" Maike Raschke. Allen kam natürlich auch zugute, dass Mozart ihnen Arien geschrieben hat, die zu den ewigen Hits der Klassik gehören. Das weckt Erinnerungen und Erwartungen beim Publikum, was besonders Jeanetette Vecchione als "Königin der Nacht" zu spüren bekam. Ihre Rache-Arie im zweiten Aufzug gehört zu den anspruchvollsten Stücken überhaupt und da kann es schon einmal passieren, dass das ultrahohe dreigestrichene "f" im ersten und zweiten Anlauf verfehlt wird.

Die "drei Damen" Susanne Niebling, Regina Richter und Katrin Wundsam, die sich wunderbar ergänzen, hat Kostümbildnerin Susanne Füller in elegante blaue Kleider mit verführerischen Dekolletes gesteckt.

Weniger zufrieden mit ihren Kostümen dürften die "drei Knaben" sein, Daniel Krähmer, Alexander von Boch und Johannes Möhrle. In der ersten Szene tragen sie noch Alltagskleidung, dann müssen sie barfuß als sehr unförmige Wattebäuschen, die wohl Wolken darstellen sollen, über die Bühne traben. Man versetze sich mal in die Jungs, sie müssen schon hoch wie Mädchen singen und sehen dann so aus! Da kann man nur hoffen, dass ihre Freundinnen nicht zusehen, was gut möglich ist, da die drei Solisten des Tölzer Knabenchors sind. Gesanglich sind die drei übrigens sensationell gut, was das Publikum mit Sonderapplaus honorierte.

Völlig unpassend leider auch das Kostüm von "Tamino", er ist immerhin der Prinz, bei dessen Anblick die schöne "Pamina" in Liebe entflammen soll; aber wie soll das funktionieren, wenn "Tamino" eingekleidet ist in die piefigste Pullunder-Variante mit Einfach-Hemd und Viskose-Hose, die man so nicht einmal in der Aldi-Boutique finden würde?

Diese Kostümierung verwundert um so mehr, als ansonsten durchaus sehr traditionell ausgestattet wird, vom Federkleid "Papagenos" bis zum traumhaften Abendkleid der "Königin der Nacht" und den elegant-strengen Anzügen von "Sarastro" und seinen Jüngern.

In der Aula der Uni gibt es konstruktionsbedingt keinen Platz, an dem ein Orchester sitzen könnte, also hat Bühnenbildnerin Hyun Chu vor der eigentlichen Bühne, die tief hinten im Saal liegt, einen Orchestergraben gebaut, diesen überdacht und so eine Art Vorderbühne konstruiert, die unmittelbar an die erste Sitzreihe heranreicht und auf der die Sänger in direktem Kontakt zu den Zuschauern agieren.

Links und rechts führen Stege zur Hinterbühne, was die Regie (René Zisterer) dazu veranlasst, die Darsteller etwas sehr viel hin- und hergehen zu lassen, was besonders schmerzlich bei "Tamino" Lothar Odinius anzusehen ist, der sich am Vortag auf schneeglattem Boden verletzt hat und tapfer durch die Vorstellung hinkt.

Oft wird die Handlung sogar direkt in den Zuschauerraum hineinverlegt, so die entscheidende Begegnung zwischen "Papageno" und "Papagena". Wer in dieser Inszenierung den allerbesten Überblick behalten will, sucht sich deshalb am besten Plätze ab der neunten Reihe.

Die Akustik ist auf allen Plätzen hervorragend, das Orchester unter Modestas Pitrenas spielt trotz einiger Ungenauigkeiten überzeugend auf und wird am Ende zu Recht in den Applaus einbezogen.

Was die Aufführung erschwert, sind die Lichtverhältnisse. Links und rechts der Bühnenkonstruktion stehen jeweils zwei hohe Schweinwerfergerüste, die nicht nur die Bühne, sondern auch immer den Zuschauerraum mit beleuchten. So wird man zwangsweise fortgerissen aus der zauberhaften Bühnen-Atmosphäre in die Wirklichkeit der Uni-Aula mit ihren Klapppulten und Studenten-Kritzeleien.

Die "Zauberflöte" in der Uni-Aula ist sicher keine außergewöhnliche Aufführung der Kölner Oper, aber empfehlenswert ist sie allemal. Und, wenn Sie nur die Augen schließen und die Musik auf sich wirken lassen, erwartet Sie schon ein Ereignis.

Außerdem: Für die, die hier selbst einst studierten, wird der Abend zu einer Rückkehr in die Vergangenheit. Für alle, die nicht hier studiert haben: So einfach kommen Sie nie wieder an die Uni!

Im Umfeld ließen sich noch Kleinigkeiten verbessern. Ein Besucher aus Wien bemängelte, dass es an der Straßenbahnhaltestelle der Linie 9 keinen Hinweis gebe, in welche Richtung denn das Hauptgebäude der Uni zu suchen sei.

Im Unigebäude wäre ein deutlicher schriftlicher Hinweis sinnvoll, dass der Zugang zur Aula nur über das Obergeschoss möglich ist. Die angebrachte Beschriftung mit großen Pfeilen und verwirrenden kleinen Pfeilen, die gar nicht als Pfeile gemeint sind und deshalb nur in die Irre führen, sollte überprüft und korrigiert werden.

Weitere Aufführungen:
14./16./18./20./22./25./27. und 29. Dezember 2010.
19.30 - 22.30 Uhr, Aula der Universität.

Mehr Infos auf der Website der Kölner Oper

(Erstellt am 12. Dezember 2010 - 14:31 Uhr; aktualisiert 13. Dezember 2010 - 20:55 Uhr)


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Kommentare

Nicht die Bühenbildnerin

Nicht die Bühenbildnerin hat den Orchestergraben gebaut, sondern die Techniker. Das sollte mal gewürdigt werden. Sie hat es vielleicht veranlasst, aber die Techniker hatten die Arbeit.

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