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Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst

Wie Fertigteile helfen, billiger und schneller zu bauen

Mit vorgefertigten, möglichst gleichen Elementen lässt sich schneller und billiger bauen – das weiß der Mensch schon seit Jahrtausenden. Wie sich diese Technik im Laufe der Zeit bis heute entwickelt und verfeinert hat, zeigt jetzt die faktenreiche und wissenswerte Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst.

Holz, Steine, Beton, Stahl und Kunststoffe – das sind wichtigsten Baumaterialien. Entsprechend werden sie in fünf Abteilungen mit zahlreichen Zeichnungen, Fotos, Modellen und – notgedrungen ein bisschen viel – Text vorgestellt. Eine in dieser Art erst- und einmalige Ausstellung, die ohne Überforderung zum Verständnis moderner Baukultur beiträgt.

Äste waren – so Ausstellungskuratorin Aysin Ipekci – das früheste „Fertigbauteil“ in der Baugeschichte. Bei Block- oder Fachwerkhäusern wurden dann erstmals gleichgroße, bearbeitete Holzelemente eingesetzt. Neue Zapfenkonstruktionen machten dann ab dem 16. Jahrhunderte kühnere Konstruktionen möglich. Heute helfen Computerprogramme, bewegte Dächer aus Holzmodulen zu bauen: Mit seinem pilzähnlichen „Metropol Parasol“ schenkte der deutsche Architekt Jürgen Meyer der Altstadt von Sevilla ein neues Wahrzeichen.

Aus Ziegelsteinen bestanden die frühesten „Baukästen“. Schon in der Jungsteinzeit machte man sich dieses einheitliche Baumodul aus Lehm zu Nutze. Gut 40 verschiedene geformte Ziegelsteine zeigen, wie für jeden Zweck und Stil das Passende geformt wurde. Die Säulen griechischer Tempel sind ebenso aus gleichartigen, aus Stein gehauenen „Fertigteilen“ zusammengesetzt wie etwa die Fialen am Kölner Dom. Durch Computer gesteuert, lassen sich heute auch „krumme“ Ziegel für gebogene Formen sägen.

Bei Ausgrabungen vor der Kölner Philharmonie stieß man auf eine Stampfbetonmauer der Römer: Die Mischung aus Steinen, Sand und gebranntem Kalkstein hielt hohem Druck stand, bestens geeignet also – wie im Kölner Fall – als Hafenmauer. Im Mittelalter ging diese Technik verloren, tauchte erst im 19. Jahrhundert wieder auf, als man den Beton innen mit Stahl „armierte“: Mit diesem „Stahlbeton“ konnten erstmals Druck und Zugkräfte aufgenommen werden. Es begann der Siegeszug großer, gegossener Fertigteile, die neuerdings auch geschwungene Formen annehmen können.

Im 19. Jahrhundert eroberte das Eisen die Welt des Bauens. Zunächst wuwrden Bauelemente aus Eisenblech geformt, die vor allem für Eisenbahnbrücken gebraucht wurden. Noch kühnere und schlankere Konstruktionen wurden durch den Einsatz von hochwertigem Stahl: Koks hatte beim Schmelzen des Erzes die Holzkohle ersetzt und sorgte für eine bessere Qualität. Es entstanden Ikonen der Ingenieurskunst: Der „Kristallpalast“ in London (1851 innerhalb von nur 17 Wochen gebaut), der Eiffelturm in Paris (1889) oder die Müngstener Brücke (1897).

Kunststoffe sind die jüngsten Baumaterialien. Die Spielzeug-Legosteine bereiteten den Boden für die „große“ Baukunst. Während der Olympischen Spiele 1972 in München wurde das Wohn-Referenzobjekt „Casanova“ aus 23 Plastik-Polyedern zusammengesetzt. Doch kam das Aus für die Zukunftsvisionen mit der Ölkrise der 70er Jahre. Als Dämmstoffe, für Dichtungen und Folien sind sie heute allerdings wieder unverzichtbar.

In einer sechsten Abteilung schließlich werden Zukunftsvisionen und ausgewählte Objekte wie der 13-geschossige „Nagakin“-Tower in Tokio vorgestellt, der aus 140 Kapseln – jeweils 2,30 x 3,80 x 2,10 Meter groß – zusammengesetzt ist. (js)

„Architekturteilchen – Modulares Bauen im digitalen Zeitalter“ – bis 19.8.2012, Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 67 35, Di-So 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11-22 Uhr, Eintritt Sonderausstellung: 6/4 Euro, Kombiticket mit Dauerausstellung: 9/7 Euro

 

(Erstellt am 12. Mai 2012 - 14:49 Uhr; aktualisiert 12. Mai 2012 - 15:01 Uhr)


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