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Neue Ausstellung im MAKK

Wie Designer das Chaos im Alltag beseitigen

Sie versprechen Ordnung, Einheitlichkeit und Erleichterung: Regal- und Kastensysteme, genormte Stecker und Europaletten. Seit gut 100 Jahren versuchen Designer uns so das Leben zu erleichtern. Eine Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst (MAKK) zeigt jetzt ihre Versuche, das Chaos im Alltag zu beseitigen. 
 

Rund 150 Beispiele hat das MAKK zusammengetragen. Die meisten aus dem eigenen Bestand, 40 Leihgeber stehen auf der Liste. Über 80 Designer werden mit ihren Arbeiten vorgestellt. Darunter Otl Aicher (ihm reichten 18 Seiten, um mit seinen Kollegen die „Richtlinien und Normen für die visuelle Gestaltung der Olympischen Spiele 1972 in München festzulegen), Marcel Breuer (Sessel und Beistelltische im Bauhausstil), der Kölner Gerd Arntz (er erfand die modernen info-Grafiken), Karl Elsener (Schweizer Taschenmesser) oder Willy Fleckhaus (er färbte die "edition suhrkamp" ein). 
Da gibt es das gläserne Geschirr „Kubus“ von Wilhelm Wagenfeld aus dem Jahr 1935, dessen rechteckige Teile sich raumsparend stapeln lassen. Rund geht’s aber auch, wie Hans Roerichts Großküchengeschirr „TC 100“ seit 1959 zeigt. Bekannt sind Radio- und TV-Geräte sowie andere Haushaltsgeräte von Braun, die mit ihrem individuell-einheitlichen Design „Ordnung“ in die Wohnung bringen. 

Schlaue Lösungen gegen Chaos im Büro

Immer wieder versuchten Designer, mit kleinen fahrbaren Containern, versehen mit jeder Menge Schubladen und Mini-Schränken, Ordnung ins (Großraum-)Büro zu bringen. Eher für das kleine Büro zu Hause war Dorothee Beckers „Uten.Silo I“ gedacht, eine an die Wand zu hängende Tafel mit vielen unterschiedlich geformten „Taschen“ für Stifte, Briefumschläge und derlei Bürokram. Plastik war um 1970 das Modematerial – zog allerdings auch den Staub an. 
Ein „System“ bilden auch Produkte von Gardenia oder Leica: Die verschiedenen Produkte der Firmen lassen sich hier mühelos miteinander kombinieren. Unterschiedliche Gartengeräte oder Schlauchaufsätze lassen sich miteinander aufeinander stecken, und auf jede Leica-Kamera passt jedes Leica-Objektiv. Selber schuld, wer das Produkt einer anderen Marke kauft. 
 
Lego-Bausteine oder Fischertechnik zeigen, wie das „System“ Einzug ins Kinderzimmer gehalten hat, Bierkästen und Euro-Paletten, wie Ordnung und damit Erleichterung in die Logistik gebracht wurden. Heute – so Ausstellungskurator René Spitz – werden ganze Geschäftsideen als „System“ entwickelt.

Ein industrielles Massenprodukt als Unikat

Dem Trend der Normierung und Vereinheitlichung will Sportschuh-Hersteller Adidas entgegenwirken. Er bietet dem Kunden an, sich am Bildschirm seinen ganz persönlichen Schuh zusammenzustellen: Material, Farbe oder Sohle eines Modells kann man „personalisieren“. So soll aus einem industriellen Massenprodukt wieder ein – industriell hergestelltes – „Unikat“ werden. Wer’s denn glaubt... 
Das lehrt uns unsere Erfahrung aber auch: Oft genug wird das Chaos durch Systeme noch chaotischer. Das beste Beispiel hierfür ist diese Ausstellung selber, die bisweilen doch ein bisschen willkürlich in ihrer Zusammenstellung auf drei Säle verteilt daher kommt. Doch unterhaltsam und mit zahlreichen Aha-Erlebnissen gespickt ist sie allemal. (js) 

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