Film der Woche
Up in the Air
Berlin (ddp). Ryan (George Clooney) hat keinen sympathischen Job. Er kommt dort zum Einsatz, wo Kündigungen ausgesprochen werden müssen. In schwierigen Zeiten wie diesen hat Ryan viel zu tun. Die meiste Zeit ist er daher unterwegs, meist in Flugzeugen. Inzwischen steht er kurz davor, die Zehn-Millionen-Flugmeilen-Schallmauer zu durchbrechen - sein großes Lebensziel.
"Up in the Air" in unserem CineChannel
Auf Freunde und Familie legt
er hingegen keinen Wert. Doch dann kommt es in seiner Firma zu
massiven Umstrukturierungen, die Ryan erstmals zum Stillstand
zwingen.
In der Bestsellerverfilmung "Up In the Air" führt George Clooney
("Ocean's Eleven") als überzeugter Geschäftsreisender ein Leben auf
der Überholspur.
Sein Ryan ist ständig auf Achse. Flughäfen und Hotellobbys sind sein Zuhause. Kein Wunder, dass sein eigenes Appartement genauso kühl und unpersönlich wirkt wie die Suiten, in denen er die meisten Tage des Jahres verbringt.
Doch der Kündigungs-Verkünder fühlt sich wohl in seiner Haut. Er liebt das ständige Unterwegssein. Überall wird er mit freundlichen Worten empfangen, überall erwarten ihn saubere Zimmer und von Zeit zu Zeit ergeben sich ungezwungene Schäferstündchen - etwa mit einer von Vera Farmiga ("Departed") gespielten Frau, die regelmäßig seinen Weg kreuzt.
Zur Bildergalerie von "Up in the Air"
Doch dann beendet eine hochnäsige Harvardabsolventin (zauberhaft:
Newcomerin Anna Kendrick) die eigenwillige Idylle des Vielfliegers.
Statt Kündigungen weiterhin unter vier Augen auszusprechen, sollen
künftig nur noch Videokonferenzen via Internet eingesetzt werden.
Das ist zwar unpersönlich, spart aber Zeit und Geld. Der smarte Ryan wird dadurch förmlich auf den Boden der Realität zurückgeholt. Zum ersten Mal seit vielen Jahren muss er innehalten und sich mit sich selbst und seiner Zukunft beschäftigen. Und die sieht alles andere als rosig aus: Er hat keine Freunde, kaum Kontakt zu seiner Familie und niemanden, mit dem er Erlebnisse teilen kann.
In "Up In the Air" fokussiert sich Regisseur Jason Reitman in erster Linie auf die persönliche Ebene der Geschichte. Die ganze Welt dreht sich dabei um den selbstbewussten Ryan. Zunächst kommt einem dessen Dasein sogar wie ein kleines Paradies voller Annehmlichkeiten vor.
Doch dann beginnt die Fassade langsam zu bröckeln. Einsamkeit
und Trostlosigkeit machen sich breit.
Daneben skizziert die Komödie eine Gesellschaft, die immer
steriler und unnahbarer wird. Das blinde Streben nach Profit bestimmt
das Handeln. Zudem findet keine klare Kommunikation mehr statt.
Nicht umsonst engagieren Unternehmer einen Mann wie Ryan. Sie selbst sind unfähig geworden, unliebsame Mitteilungen selbst auszusprechen. Das ist ein düsteres Gesellschaftsbild. Doch "Up In the Air" ist alles andere als ein düsterer Film. Dies hat er einem beschwingten Drehbuch und erstklassig besetzten Hauptrollen zu verdanken. Nach "Thank You For Smoking" und "Juno" ist Reitman erneut ein intelligentes, gewitztes und hintergründiges Werk gelungen.
Drama, USA 2009
Regie:
Jason Reitman
Darsteller: George Clooney, Vera Farmiga, Anna
Kendrick
110 Minuten
Ab 0 Jahren
Offizielle Homepage
"Up in the Air" in den Kölner Kinos
"Up in the Air" in Bonner Kinos
(Erstellt am 3. Februar 2010 - 13:23 Uhr; aktualisiert 3. Februar 2010 - 14:42 Uhr)










Kommentar hinzufügen