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Theaterpremiere

"Der Idiot" begeistert im Schauspiel

Fast 1.000 engbedruckte Seiten dick ist die Taschenbuchausgabe von Fjodor Dostojewskijs Roman „Der Idiot“. Karin Henkel hat daraus ein über dreieinhalb Stunden mitreißendes, pralles Theaterstück gemacht. Am Sonntag hatte ihre Inszenierung Premiere – mit minutenlangem Beifall für sie und das 13-köpfige Ensemble.

Von Jürgen Schön

Es beginnt düster. Zwei Männer beugen sich über eine Frauenleiche. Der eine hat sie gerade erstochen. Es wird heller und es zeigt sich ein barock überladenes Bühnenbild auf zwei Etagen: Eine Kiste für Devotionalien steht da, Plüschzimmer, es gibt einen Heiratsmarkt, ein Fotofix, in dem sich – tut es Not – Identität finden lässt.

Um Heirat geht es, manchmal auch um Liebe, eher um Versorgung und Ansehen: Beziehungen sind vor allem ein Geschäft. Religion und Moral gelten nur wenig. Der Säufer Timofejewitsch will, dass seine Kinder, insbesondere Sohn Ganja, reich heiraten. Der General und seine Frau wollen ihre Töchter an den Mann bringen. Er hat eine Geliebte – Nastassja Filippowna. Der Unternehmer Rogoschin kauft sie dem General ab. Die Filippowna wurde als Mädchen von ihrem Stiefvater missbraucht, nun fällt es ihr schwer, Beziehungen aufzubauen, sie drängt sich aber immer wieder Aufmerksamkeit heischend ins Bild.

In diese St. Petersburger Gesellschaft platzt Fürst Myschkin, der nach vierjähriger Behandlung in der Schweiz wegen Epilepsie in seine Heimat zurückkehrt. Er hat noch nie etwas mit einer Frau gehabt. Nun verliebt er sich wegen ihrer Schönheit in die Filippowna. Oder soll er die Generalstochter Aglaja heiraten? Eine Unentschlossenheit, die die anderen nicht nachvollziehen können und sie verwirrt.

Als „Idiot“ ist er ein später Nachkomme Parzivals, der tumbe Tor, der eigentlich zu gut ist für diese Welt. Schon äußerlich, eher wie ein Obdachloser aussehend, passt er nicht in die aufgedonnert kostümierte Gesellschaft. Intrigen sind ihm fremd, stets ist er auf Ausgleich bemüht, geht etwas schief, nimmt er die Schuld auf sich. Kein Wunder, dass die Gesellschaft in ihm den Idioten sieht – und ihn zugleich auch wegen seiner kindlichen Güte beneidet. Und als er eine reiche Erbschaft macht, ist das Interesse noch einmal so groß.

Ein Geniestreich ist die Besetzung der Haupt- und Titelrolle mit Lena Beckmann, im Vorjahr wurde sie beim Berliner Theatertreffen als beste junge Schauspielerin ausgezeichnet. Für ihr intensives Spiel erhielt sie am Ende auch Sonderapplaus. Durchaus „männlich“ auftretend, verkörpert sie auf der anderen Seite die als eher weiblich definierten Charaktereigenschaften wie Weichheit oder , Nachgiebigkeit, die ihn in den Augen der Mitmenschen als Mann eben zum „Idioten“ machen.

Nach der Pause franst die Inszenierung etwas aus. Henkel baut für das Publikum Lacher ein, englische Sprachfetzen tauchen auf. Da „vertiefen“ sich die Damen balletös tanzend in die Dostojewski-Lektüre. Nicht jede dieser Ideen erscheint zwingend, manches eher als Gag – so als vertraute die Regisseurin ihrem Konzept der Strenge und dem Publikum nicht mehr. Doch das exzellente Ensemble (neben Beckmann noch Charly Hübner, Lena Schwarz, Yorck Dippe, Angelika Roichter, Joerdis Triebel, Jennifer Frank, Marina Frenk, Markus John, Maik Solbach, Tanja Schleiff, Marie Rosa Tietjen und Holger Bülow) spielt locker und begeisternd über solche Kleinigkeiten hinweg.

Am Ende zieht Rogoschin Nastassjas Leiche auf die Bühne – er hat sie gerade erstochen. Der Kreis hat sich geschlossen. Zurück bleibt Hoffnungslosigkeit.

Der Idiot“ – weitere Termine: 8.5., 12.5., 13.5. (16 Uhr, mit Kinderbetreuung), 20.5., 26.5., 30.5., jeweils 20 Uhr, Schauspielhaus, Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, tickets@buehnenkoeln.de, www.schauspielkoeln.de

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