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Theater im Bauturm spielt gegen Abschiebung

„Deportation Cast“ bricht Lanze für Roma

Von Jürgen Schön

Gesetze sind dazu da, dass man sie anwendet. Auch wenn die Folgen unmenschlich sind? Nein – mit der Aufführung von „Deportation Cast“ bezieht das Theater im Bauturm eindeutig und bewusst Stellung gegen die aktuelle Abschiebpraxis von Roma und Sinti ins Kosovo. Die läuft unter dubiosen Bedingungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Dagegen will dieses Theaterstück aufrütteln.

Autor Björn Bricker hat für sein Bühnenstück „Deportation Cast“ gründlich recherchiert, erst im vorigen Dezember erhielt er dafür den Deutschen Jugendtheaterpreis, der immerhin vom Bundesfamilienministerium ausgeschrieben wird. Erzählt wird die Geschichte einer Roma-Familie, die während des Kosovo-Kriegs vor der rassistischen Verfolgung nach Deutschland floh und hier 15 Jahre lang als politische Flüchtlinge lediglich geduldet wurde.

Eine halbe Stunde Zeit hat sie nun Zeit, für die Abschiebung zurück ins Kosovo zu packen. Die Behörden berufen sich dabei auf ein Abkommen mit der dortigen Regierung, für die Re-Integration zu sorgen, und die Aussage des Außenministeriums, dass es im Kosovo keine Verfolgung von Roma und Sinti gebe.

Die Realität ist anders – die Familien können nicht in ihre Häuser zurück, die Ausgrenzung der Roma durch Bürokratie und Gesellschaft ist an der Tagesordnung. Dass die Rückkehrer wie in „Deportation Cast“ auf einer Müllkippe landen, nur durch Prostitution überleben können oder – weil in Deutschland aufgewachsen – die Landessprache nicht beherrschen, ist keine Erfindung, keine tragischen Einzelschicksale, sondern kommt immer wieder vor.

Mit eindringlichen, einfachen Szenen wird das Abschiebungsschicksal erzählt: Christoph Wehr spielt den Vater, Susanne Kubelka die Mutter, David N. Koch den vom Kosovo-Krieg traumatisierten Sohn Ezgon, Mirka Flögl Tochter Elvira, die aus ihrer deutschen Schule herausgerissen wurde. Der Kampf mit den Behörden, der Kampf ums Überleben im Müll, die Sehnsucht nach Deutschland, die vergeblichen Versuche, in der alten „Heimat“ Fuß zu fassen – bisweilen wechseln Ort und Zeit etwas zu hektisch.

Doch die vier Schauspieler haben es unter der Regie von Gerhard Roiß im Griff. Auch die schnellen Rollenwechsel. Denn sie spielen auch noch die deutsche Lehrerin, den Piloten, der die Abgeschobenen fliegt, den Anwalt, der sie verteidigt, den Arzt, der sein Geld mit dem Verteilen von Beruhigungspillen verdient, die Sachbearbeiterin, die den Umgang mit Menschen liebt, die Beobachterin, die dafür sorgt, dass die Abschiebungen zumindest „menschlich“ verlaufen. Sie alle haben durchaus Skrupel, verstehen sich aber letztlich nur als Rädchen im Getriebe, die nichts ändern können, sondern nur das Gesetz durchführen.

Das Stück wartet noch mit einer besonderen Wendung auf: Elviras deutscher Schulfreund Bruno ist der Sohn des Piloten. Das Gespräch zwischen den beiden erinnert nicht von ungefähr an solche, die die Nachkriegsgeneration mit ihren Eltern über deren Verstrickung in die Nazi-Diktatur geführt hat.

„Deportation Cast“ ist handfestes politisches Theater, aber ohne moralisch erhobenen Zeigefinger. Faktenreich, aufklärend, beklemmend, aber mit Überzeugung und Freude gespielt. Das Publikum brauchte kurze Zeit, um das alle zu verdauen – dann aber war der Premierenbeifall um so intensiver.

„Deportation Cast“ – weitere Termine: 10. bis 13.4. jeweils 20 Uhr (am 12.4. schon um 19 Uhr), 24. bis 27.4., jeweils 10 Uhr, Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, www.theater-im-bauturm.de, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42

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