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Film der Woche

The Cold Light Of Day

Mit „The cold Light of Day“ kommt ein klassischer „Man on the Run“-Thriller in unsere Kinos, der vor der Urlaubskulisse Südspaniens Kidnapping-Drama, Agentenstory und schnörkellose Action miteinander verbindet. An der Seite des künftigen „Superman“-Darstellers Henry Cavill agieren die Hollywood-Stars Sigourney Weaver und Bruce Willis – letztgenannter jedoch kürzer als gedacht.

Von Marcus Wessel

Ein Mann auf der Flucht. Es ist ein altes und zugleich bis heute immer wieder gern gewähltes Motiv im Thriller. Mit den Filmen der „Bourne“-Reihe erlebte die Idee ihre Renaissance in einem großen Hollywood-Format. „Traue niemanden!“ lautete die zentrale Botschaft, als Matt Damon dem Geheimnis um seine Person Schritt für Schritt näherkam. Wenn sich Freunde plötzlich als Feinde herausstellen und Familienmitglieder ein geheimes Doppelleben führen, scheint die Welt in ihren Grundfesten erschüttert. Zugleich ist es der Nährboden für Suspense, Plottwists und nicht immer angenehme Überraschungen.

Dabei fängt auch in „The cold Light of Day“ alles so harmlos an, viel zu harmlos, was einen als Zuschauer bereits misstrauisch machen sollte. Das größte Problem scheint zunächst nur ein verirrtes Gepäckstück zu sein, als Will Shaw (Henry Cavill) zum Familienurlaub an der spanischen Mittelmeerküste eintrifft. Eigentlich wollte er mit seinen Eltern und dem kleinen Bruder einige entspannte Tage auf dem Segelboot der Familie verbringen, doch daraus wird nichts. Nach einem kurzen Ausflug in das Küstenstädtchen stellt Will fest, dass seine Liebsten spurlos verschwunden sind. Noch ehe er genau begreift, was hier geschieht, befindet er sich bereits auf der Flucht vor seinen schwer bewaffneten Verfolgern. Wenig später erfährt er, dass sein Vater (Bruce Willis) ein Doppelleben führte, von dem seine Familie nichts ahnte. Martin Shaw arbeitete jahrelang für den amerikanischen Geheimdienst, der mit den Shaws ganz offenbar noch einige Dinge zu klären hat.

Bildergalerie: The cold Light of Day

Einem mysteriösen Koffer kommt in diesem Spiel um falsche Identitäten und sorgsam gehütete Staatsgeheimnisse eine besondere Bedeutung zu. So hat es auch die resolute  (Sigourney Weaver) auf ihn abgesehen, wofür sie emotionslos jedes Hindernis aus dem Weg räumt. Ein Menschenleben ist ihr ganz offenbar nicht viel wert. Diese Erfahrung macht auch Will, der sich im Wettlauf gegen die Zeit und seine Verfolger aber auch auf neue Verbündete verlassen kann.

Obwohl sich der Koffer recht bald als klassischer „MacGuffin“ entpuppt – als Element, was lediglich die Handlung vorantreiben soll und in Wahrheit austauschbar ist –, gelingt es dem Film bis zur finalen, spektakulären Verfolgungsjagd durch Madrid ordentlich zu unterhalten. Die Spannung bezieht die Geschichte dabei weniger aus der Frage, ob es Will rechtzeitig schafft, seine Liebsten zu retten, als aus den anderen Unwägbarkeiten und Überraschungen. Und davon gibt es hier so einige.

"The cold Light of Day" in unserem CineChannel

Die kleinen und größeren Hakenschläge des Drehbuchs sind letztlich das Salz in der Suppe eines ansonsten routiniert inszenierten Suspensethrillers, dem man eine gewisse Nähe zu den erfolgreichen „Bourne“-Filmen nicht absprechen kann. Auch der mediterrane Schauplatz erinnert an so manche Auftritte anderer Geheimagenten. Im Unterschied zu Bond und dessen Kollegen kann sich Henry Cavills Jedermann jedoch nicht auf technische Gadgets oder übermenschliche Fähigkeiten verlassen. Wenn Will angeschossen wird, dann blutet er. Und wenn er aus mehreren Metern auf den Asphalt aufschlägt, dann tut dies bereits beim Zusehen weh.

Hinter der Kamera stand mit Mabrouk El Mechri ein junger Regisseur, der vor drei Jahren mit dem selbstironischen Jean-Claude-Van-Damme-Comeback „JCVD“ zahlreiche Festivalpreise und begeisterte Kritiken einsammelte. Seine Handschrift lässt sich auch in „The cold Light of Day“ trotz des weitaus höheren Budgets herauslesen. Für ihn bildet nicht die Action sondern die Geschichte das Fundament eines Films. Folglich lassen sich die Figuren und ihre Motive nicht so leicht wie in anderen, aus Hollywood exportierten Actionthrillern durchschauen. Dass uns der Film konsequent jeden Wissensvorsprung verwehrt, ist ein weiterer cleverer Schachzug. Wir sehen nur das, was auch Will sieht respektive sehen soll. Das Resultat kennt man vom Fußball. Selbst auf einer weitgehend bekannten Spielwiese sorgt „The cold Light of Day“ damit noch für reichlich Herzklopfen und so manche Überraschung.

Bildergalerie: The cold Light of Day
"The cold Light of Day" in den Kölner Kinos
Die offizielle Homepage zum Film
"The cold Light of Day" in unserem CineChannel

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

(Erstellt am 2. Mai 2012 - 11:32 Uhr; aktualisiert 3. Mai 2012 - 7:55 Uhr)


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