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Filmkritik

Side Effects

Marcus Wessel

Wie heißt es doch so schön? „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“. Vor allem der Siegeszug der Antidepressiva mag mitunter unheimlich anmuten. Aus diesem eher diffusen Gefühl strickte Star-Regisseur Steven Soderbergh („Traffic“, „Ocean’s Eleven“) einen ungemein cleveren Thriller, der mehr als einmal überrascht. 

Sie heißen „Zoloft“ oder „Prozac“ und versprechen das schnelle Glück in kleinen Dosen. Antidepressiva haben in den letzten zwei Jahrzehnten einen Multimilliarden-Markt begründet, der den großen Pharmaherstellern gewaltige Margen und Gewinne bescherte. Die Nebenwirkungen, auf englisch „Side Effects“, wurden dabei gerne verschwiegen oder verharmlost. Oder man versteckte sie im Kleingedruckten der Beipackzettel. Über die USA, in dem Antidepressiva fast schon wie Vitaminpillen konsumiert werden, sprechen Kenner der Pharmaindustrie nicht zufällig als die „Prozac-Nation“. Das Thema ist hochspannend und doch eher als Stoff für eine investigative Dokumentation oder einen Wirtschaftskrimi zu gebrauchen. Könnte man zumindest meinen.

Bildergalerie: Side Effects

Star-Regisseur Steven Soderbergh scheint da eine etwas andere Ansicht zu vertreten. Für seinen erklärtermaßen letzten Film machten er und sein langjähriger Drehbuchautor Scott Z. Burns („Das Bourne Ultimatum“, „Contagion“) das diffuse Unbehagen gegen Antidepressiva zum Aufhänger eines spannenden und wendungsreichen Psychothrillers, der sein Publikum gleichermaßen verunsichert wie überrascht. Immer wenn man glaubt, den Ausgang der Geschichte zu erahnen, geschieht etwas vollkommen Unerwartetes, was aber gleichwohl einer beängstigenden Logik folgt. Der Vergleich zum Suspense-Genie Alfred Hitchcock liegt in diesem Fall natürlich auf der Hand und dürfte von Soderbergh durchaus beabsichtigt gewesen sein.

Wie so oft bei Hitchcock ist die Hauptfigur auch hier eine junge, attraktive Frau, die scheinbar glücklich sein könnte. Nach vier Jahren des Wartens darf Emily (Rooney Mara) nämlich ihren Mann wieder in die Arme schließen. Martin (Channing Tatum) saß für die typischen Wall-Street-Mauscheleien im Gefängnis, wo er aber gleich neue Kontakte zu eher zweifelhaften Bankern knüpfte. Nach einem selbstverschuldeten Autounfall, der von den Ärzten als Selbstmordversuch interpretiert wird, bekommt Emily von ihrem Psychiater Dr. Banks (Jude Law) ein neues Medikament mit dem schönen Namen „Ablixa“ verschrieben. Über die möglichen Risiken und Nebenwirkungen wird dabei zunächst nicht gesprochen. Schon bald spürt Emily erste Veränderungen an sich.

Die besten Szenen aus Side Effects in unserem CineChannel

Auch wenn angeblich spoiler-freie Texte über „Side Effects“ existieren, in denen weit mehr vom Fortgang der scheinbar so simplen Story verraten wird, genügt es als Zuschauer, nur soviel zu wissen. Die Überraschung ist schließlich ein wesentlicher Teil des Spiels, das Soderbergh und Burns hier mit uns spielen und das gar nicht mal so leicht zu durchschauen ist. Dass ihr Film in der Rückschau nicht wie so viele andere vermeintlich clevere Thriller in seine Einzelteile zerfällt, mag als Beleg für dessen psychologische Raffinesse gelten. Zumindest bewegen sich die Handlungen der Figuren in einem bei allen Twists durchaus plausiblen Rahmen. Formal gibt sich „Side Effects“ eher unscheinbar. Soderbergh reduzierte die für ihn so charakteristische Farb-Ästhetik auf ein Minimum. Stattdessen baute er an klaren, kühlen Bildkompositionen vor der Kulisse New Yorks. Die Musik Thomas Newmans unterstreicht das hier stets wahrnehmbare, unterschwellige Gefühl der Unruhe und Bedrohung, das jeder gute Thriller mit ganz unterschiedlichen Mitteln zu imitieren versucht.

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In „Side Effects“ vertrauen Soderbergh und Burns vor allem auf die Macht des Subtilen, der Zweideutigkeiten und des Zweifels. Sie setzen auf die Lust am Rätsel und lassen gleichzeitig ein kontroverses Thema wie den Boom der Antidepressiva nicht unkommentiert. Allerdings unterlaufen sie auch hier wieder die zuvor sorgsam installierten Erwartungen. Fast wie eine Fingerübung erscheint Soderberghs angekündigter Abschied vom Kino, in dem sich Hitchcock und Oliver Stone begegnen.

Side Effects in den Kölner Kinos
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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

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