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Dreigroschenoper im Schauspielhaus

Schauspiel-Premiere: Mackie Messer liest seinen Text ab

Brechts „Dreigroschenoper“ feierte am Sonntag im Schauspielhaus Premiere. Regisseur Nicolas Stemann begeistert das Publikum mit einer intelligenten und witzigen Inszenierung. Trotzdem gab es am Ende einige Buh-Rufe für ihn.

Von Jürgen Schön

Da sitzt Mackie Messer auf dem elektrischen Stuhl und wartet auf seine Hinrichtung. In letzter Minute kommt der reitende Bote und bringt die Begnadigung der Königin. Nun weiß er nicht, was er sagen soll. Zum Glück gibt es die rote Laufschrift, die das ganze Stück über schon Publikum und Schauspieler informiert hat, wo‘s lang geht. Der Polizeichef dreht sie um, „gerettet“ kann der Verbrecherkönig nun lesen und singen: „Gerettet“. Da hatte sich Brechts „Dreigroschen-Oper“ schon lange die Gunst des Publikums erobert.

Nur zur Erinnerung die Handlung in Kürze: Da ist zum einen Peachum, der in London das Bettlerwesen regiert. Auf der anderen Seite der Verbrecherkönig Macheath, genannt Mackie Messer, mit besten Verbindungen zur Polizei. Der heiratet sehr zum Unwillen ihres Vaters Polly, Peachums Tochter. Peachum setzt alles daran, die Heirat rückgängig zu machen. Er sorgt für die Verhaftung Macheaths, unter anderem mit der Drohung, die anstehenden Krönungsfeierlichkeiten zu stören. Doch am Ende kommt Mackie Messer frei.

Brechts „Stück mit Musik“ von Kurt Weill – es hatte 1928 Premiere – ist zwar immer noch eines der meistgespielten Stücke des Dramatikers, doch sonst ist er in den letzten Jahren eher selten auf deutschen Bühnen zu sehen (dagegen spricht auch nicht, dass in der Kölner Oper gerade „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ auf dem Spielplan steht). Wer heute Brecht inszeniert, bewegt sich zwischen Skylla und Charybdis: strenge Werktreue auf der einen, oft zwanghafte Aktualisierung auf der anderen Seite. Regisseur Nicolas Stemann hat seinen eigenen Weg gefunden: Er wendet Brechts Verfremdungseffekt auf den Meister selber an.

Damit enthebt er – intelligent, humorvoll und mit Liebe für kleine Pointen – Brecht dem Zeitgeschmack und passt ihn gleichzeitig an. Denn Brechts Kapitalismus-Kritik ist ja keineswegs obsolet geworden, das zeigen aktuelle Korruptionsskandale, Bankenkrise, Kriege und Bürgerkriege, Verachtung von Hartz-IV-Empfängern, Verschiebung der Verantwortung. Und Eifersucht bleibt erst recht ein ewiges Thema.

Zu Stemanns aktuellen V-Effekten zählt zum einen die Laufschrift, die ausgewählte Regie-Anweisung Brechts wiedergibt (die nicht immer befolgt werden), zentrale Sätze zitiert und den Schauspielern als ablesbares Textbuch dient. Auch Erklärungen Brechts zu seinem Stück finden sich. Dann werden die Rollen auf mehrere Spieler (Ilknur Bahadir, Yorck Dippe, Robert Dölle, Sachiko Hara, Anja Lais, Wolfgang Michalek, Renato Schuch, Sonia Theodoridou) verteilt, das zwingt den Zuschauer nicht nur zu erhöhter Konzentration, es zeigt die Protagonisten auch als letztlich austauschbare Vertreter eines Systems. Auch selbstreflexive Bemerkungen wie „Wenn ich singe, vollziehe ich einen Funktionswechsel“ sind Widerhaken, an denen der Zuschauer hängen bleibt.

Natürlich kommt Stemann auch dem Unterhaltungsbedürfnis der Zuschauer entgegen. Der kann sich über groteske Kampfeinlagen amüsieren, über Luftgitarren, über Frau Peachum als Playboy-Bunny. Und die Zuschauer in den ersten Reihen durften die Protestschilder halten, mit denen die Bettler die Krönungsparade stören wollen. Für Erheiterung sorgte die Parole „Das Schauspiel bleibt“. Nicht zuletzt sorgten die bekannten „Dreigroschen“-Songs für Begeisterung, die mitreißend, bisweilen mit leicht schrägem Unterton interpretiert werden.

Am Schluss gab es dann minutenlangen lauten Premierenbeifall für das gesamte Ensemble inklusive den acht Musikern. Aber auch einige Buh-Rufe für den Regisseur waren dabei. Und ein paar Besucher waren schon in der Pause zur Garderobe gegangen.

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