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Stoff aus Rindenbast so zart wie Seide

Museum zeigt Kostbarkeiten aus der Südsee

Noch nie wurde so viel Kunst und Kunsthandwerk aus der Südsee in einem Museum nördlich des Äquators gezeigt: Mit der Ausstellung „Made in Oceania“ feiert das Rautenstrauch-Joest-Museum einen hierzulande unbekannten Kulturkreis, der sich erst seit einigen Jahrzehnten wieder auf seine Tradition besinnt. Im Mittelpunkt: Tapa, der Stoff der das Leben prägt.

Tapa, das ist zum einen das Material: der Bast eines Baumes – also das, was zwischen Rinde und dem eigentlichen Stamm wächst. Durch Schlagen mit einem Holzhammer kann er aufs Dreifache verbreitert werden, durch Verkleben oder Verfilzen können daraus bis zu 400 Meter lange Bahnen entstehen. Der Bast kann so dünn geschlagen werden, dass ihn die europäischen Eroberer mit Seide verglichen. Aus diesem Stoff fertigten die Bewohner Ozeaniens ihre Kleidung, Raumteiler oder Masken.

Tapa, das sind aber auch die Muster, die in roter oder schwarzer Farbe auf den braunen Stoff aufgebracht werden: frei gemalt oder mit Schablonen und Stempeln aufgebracht. Oft sind sie geometrisch streng, aber auch Vögel und Fische, Blumen oder stilisierte Boote finden sich als Motiv. Die Bilder erzählen von Mythen und vom Alltag. An ihnen kann man erkennen, wo sie gefertigt wurden, ob in Fidschi, Samoa, Tonga, Vanuatu oder Papua-Neuguinea.

250 dieser kostbaren und seltenen, oft 200 Jahre alten Stücke zeigt das Museum, viele Leihgaben aus Neuseeland, das meiste aber aus eigenen Beständen. Darunter auch das Prunkstück: ein 60 Quadratmeter großer Raumteiler, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Köln kam und für diese Ausstellung aufwändig restauriert wurde.

Ozeanische Künstler haben die Tapa-Tradition in jüngster Zeit wieder aufgegriffen. Ihre Arbeiten sind in die Ausstellung eingestreut und zeigen die Kraft dieser alten Kunst. Beispiele für eine Rückbesinnung auf die eigenen kulturellen Wurzeln, so Kurator Oliver Lueb. (js)

„Made in Oceania: Tapa – Kunst und Lebenswelten“ – bis 27.4.2014, Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstr. 29-33 (Am Neumarkt), Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Eintritt (nur Sonderausstellung) 8/6 Euro, Katalog 34,90 Euro

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